Was bei Hand- und Fingerarthrose hilft

Eine Arthrose an den Hand- und Fingergelenken kann sehr schmerzhaft sein. Bewegung ist bei der Erkrankung trotzdem wichtig
von Elke Schurr, aktualisiert am 24.05.2017

Zu viel schonen ist nicht gut: Finger wollen bewegt werden

W&B/Stephan Höck

Sie führt präzise den Löffel in den Mund, zupft Grashalme aus dem Boden und streicht zärtlich über Köpfe oder Smartphone-Displays: Die menschliche Hand ist im Dauereinsatz. Rund 25 Millionen Mal beugen und strecken sich die Finger im Lauf eines Lebens. Bei rund der Hälfte aller Senioren in Deutschland klappt das allerdings nur noch eingeschränkt, bei einigen sogar nur unter Schmerzen: Die Ar­throse der Fingergelenke ist eine chronische Erkrankung des Alters. Sie lässt sich zwar nicht heilen, doch ihre Beschwerden kann man lindern, ihr Fortschreiten zumindest aufhalten. Auch Operationen können in bestimmten Fällen etwas bringen.

Arthrose an der Hand hat viele Ursachen

Warum die Fingerarthrose vor allem ältere Frauen trifft, warum sie sich bei den einen fast schmerzlos entwickelt, bei anderen immer wieder mit qualvollen Entzündungsschüben meldet, haben Mediziner noch nicht im Detail geklärt. So viel steht fest: Stoffwechselstörungen, hormonelle Berg- und Talfahrten sowie erbliche Faktoren rangieren auf der Liste der möglichen Auslöser ganz weit oben. Ein Verschleiß aber, oft Standarderklärung bei Knie- und Hüftversagen, rückt als Grund für die Zerstörungen der kleinen Gelenke in den Hintergrund: Viele Handwerker und Pianisten zeigen im Alter einwandfreie Gelenk­flächen – was eher für den steten Gebrauch der Hände als für deren Schonung spricht.

Welches Gelenk als erstes zu den Knorpelzerstörungen und den knotigen Knochenanbauten neigt, ist schwer vorauszusagen: Prinzipiell kann es alle Fingerendgelenke, die Mittelgelenke, vor allem aber das Daumensattelgelenk treffen.

Handarthrose kann Lebensqualität stark einschränken

Entsprechend unterschiedlich fällt das alltägliche Handicap aus: Endgelenke können zwar wehtun, spielen aber für die Beweglichkeit und Beugung eine untergeordnete Rolle. Der Daumen dagegen ist an fast jedem Handgriff beteiligt. Fehlt ihm die Kraft, wächst auch der Leidensdruck des Patienten und der Wunsch nach ärztlichem Rat.

Drei Regeln bei Arthrose

Gut so. Denn ob Spannungsgefühl in den Langfingern oder Kraftverlust im Daumen: Gerade in der Anfangsphase der Arthrose stehen die Chancen gut, das Geschehen mit einer gezielten Handtherapie zu verlangsamen. "Die Gelenke richtig belasten – das eignet sich viel besser, eine Fingerarthrose zu verhindern, als die Finger immer zu entlasten." Der Rat des Stoffwechselexperten Dr. Volker Nehls vom Rheinischen Rheuma­zentrum in Meerbusch ist erstes Gebot bei der Arthrosetherapie. Und er ist beileibe nicht selbstverständlich.

Bewegen für den Faustschluss

Denn Handpatienten entdecken die positiven Effekte der Bewegungsbehandlung oft erst dann für sich, wenn sie kaum noch Knöpfe öffnen, Zähne putzen oder Schlüssel drehen können. Je früher aber der Betroffene lernt, was er tun und lassen soll, desto eher kann er schädliche Hebel- und Scherkräfte von seinem angegriffenen Knorpel abwenden.
Die Ergotherapeutin Judith Uhse-Pfister plädiert deshalb für einen Grundkurs in Sachen Handarbeit. Gelenkschutz heißt ihre erste Lektion. "Eine Pfanne nur mit einer Hand anzuheben ist zum Beispiel tabu", warnt die Münchner Handtrainerin. Hilfsmittel wie Griffverstärkungen – das Angebot ist inzwischen riesig – erleichtern zusätzlich das Leben und sichern die Selbstständigkeit zu Hause. "Plötzlich werden Dinge wieder möglich, die vorher ausgeschlossen waren."

Wenn die Patienten dann noch an der eigenen Hand erfahren, wie gut ihnen ein Rapsbad tut, wie ihre Gelenke auf Wärme oder Kälte reagieren und wie entlastend Knetbewegungen und Massagen wirken, sind die meisten vollends überzeugt. "Manch einer, der nur schwer die Finger krümmen konnte, geht mit einem Faustschluss wieder aus der Praxis", ermutigt Judith Uhse-Pfister. Mit den Übungen (siehe unten) verfügen Patienten zudem über ein Selbsthilfe-Programm, das ihnen jederzeit auch über schwierige Phasen hinweghilft. Denn die bleiben oft nicht aus.

Knorpelabrieb führt zu Entzündungen und Schmerzen

Wie alte römische Straßen, in die sich Wagenspuren eingekerbt haben, rauen sich die Gelenkflächen bei der Arthrose zunehmend auf. Der Knorpelabrieb im Gelenk verursacht mitunter eine Entzündung und damit stechende Schmerzen, die jeden Handgriff torpedieren. "Die Patienten hören dann verständlicherweise auf, mit der Hand weiterzuarbeiten", bedauert Internist Nehls. "Dabei wäre es gut, am Ball zu bleiben." Schmerz- und entzündungshemmende Medikamente sind deshalb für ihn dann legitim, wenn sie die Bewegungstherapie ermöglichen. "Also immer nur zeitlich begrenzt!"

Von Spritzen ins Gelenk, ob Hyaluronsäure oder Kortison, hält nicht nur der Rheumatologe wenig. Auch der Handchi­rurg Dr. Bernhard Lukas, Chefarzt in der Schön Klinik München Harlaching, gibt zu bedenken, dass der Gelenkspalt häufig so eng ist, dass die Injektion sehr schwierig wird. Lukas empfiehlt – gerade für den strapazierten Daumen – auf lange Sicht eine Schiene. Sie erlaubt dem Patienten, Muskeln und Gelenke trotz Schmerzschub weiter zu bewegen. Ergotherapeuten passen für jeden Patienten das richtige Modell an. "Gerade am Daumen ist es wichtig, das Sattelgelenk für die Zeit der Schmerzen ruhig zu stellen", bestätigt Uhse-Pfister. "Doch nur eine Schiene schafft das in der korrekten Position."

Operation in schweren Fällen von Handarthrose

Doch was tun, wenn die Schmerzen einfach nicht mehr nachlassen? "Dann gibt es immer noch eine operative Lösung", versichert Chirurg Lukas. Je nach Finger, je nach Abschnitt kommen verschiedene Techniken infrage. "Vorn an den Endgelenken versteift man am besten das Gelenk mit einer Schraube." An den Mittelgelenken haben sich inzwischen Prothesen aus Pyrocarbon bewährt.

Der häufigste und erfolgreichste Eingriff erfolgt am Daumensattelgelenk: Der Übeltäter, ein kleines Handwurzelknöchelchen, wird entfernt, und in die Lücke platziert der Chirurg eine Sehne als Aufhängung und Puffer. "Der Daumen wird dadurch zwar kürzer," meint Lukas, "aber der Patient ist seinen Schmerz los." Allerdings nur, wenn er seine Fingerübungen nicht vergisst.

Arthrose: Übungen für Hand und Finger

1. Aufwärmen

W&B/Stephan Höck

Kneten Sie sanft einen Haushaltsschwamm in einer Schüssel mit warmem Wasser.

W&B/Stephan Höck

Legen Sie die Hand in einen feuchtwarmen Waschlappen – wirkt wie warme Kompresse.

W&B/Stephan Höck

Baden Sie in Raps (aus der Apotheke): Die Samen lassen sich im Backofen erwärmen.

2. Mobilisieren

W&B/Stephan Höck

Daumenbeugen: Gut fürs Sattelgelenk. Daumen bis zum kleinen Finger hinabbeugen und zurück.

W&B/Stephan Höck

Das kleine O: Daumen und Zeigefinger bilden das O. Dann geht’s mit den nächsten Fingern weiter.

W&B/Stephan Höck

Der Fächer: Finger strecken, aber nicht überstrecken Dann spreizen und wieder zurück.

W&B/Stephan Höck

Kleine und große Faust: Erst die vorderen Gelenke beugen, dann die Hand zur ganzen Faust.

3. Sanft kräftigen

W&B/Stephan Höck

Hand ausrollen auf einer elastischen Binde: Finger dabei gerade halten.

W&B/Stephan Höck

Spitzgriff mit elastischer Binde: gutes Training für den Daumen.

W&B/Stephan Höck

Ein weicher Schwamm im trockenen Zustand trainiert die Muskeln.

W&B/Stephan Höck

Luftballon auf Tennisballgröße aufblasen und dann sanft kneten.

4. Entspannen

W&B/Stephan Höck

Hand auf Hand: Drehen Sie die Innenflächen gegeneinander.

W&B/Stephan Höck

Ballen auf Ballen und Finger beugen. Sanft gegeneinander drehen.

W&B/Stephan Höck

Traktion: Ziehen Sie vorsichtig die gestreckten Finger nach außen.

W&B/Stephan Höck

Selbstmassage: Streichen Sie sanft über die Gelenke, etwa mit Massageöl.


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