Vorsorgevollmacht: Das müssen Sie wissen

Mit der Vorsorgevollmacht bestimmen Sie einen Stellvertreter, der im Bedarfsfall für Sie Entscheidungen treffen darf. Zehn Fragen zu diesem wichtigen Dokument

von Stephan Soutschek, 28.09.2016

Vorsorgevollmacht: Besprechen Sie Ihre Entscheidungen mit dem Bevollmächtigten

Corbis/Creative/Tetra Images

1. Für welche Fälle benötige ich eine Vorsorgevollmacht?

Mit einer Vorsorgevollmacht bevollmächtigen Sie jemanden dazu, stellvertretend für Sie zu entscheiden und zu handeln, wenn Sie selbst nicht mehr dazu in der Lage sind. Zum Beispiel, wenn Sie im Koma liegen oder an einer Demenz erkranken. Entsprechend ihren Wünschen kann der Bevollmächtigte Sie zum Beispiel gegenüber Behörden vertreten, Ihr Vermögen verwalten und/oder in Gesundheitsfragen für Sie entscheiden. Voraussetzung für die Erstellung einer Vorsorgevollmacht ist nur, dass Sie volljährig und uneingeschränkt geschäftsfähig sind.

2. Was passiert, wenn ich keine Vorsorgevollmacht besitze?

Wenn Sie nicht mehr entscheidungs- und handlungsfähig sind, kann Ihre Familie Sie nicht ohne weiteres vertreten. Stattdessen leitet in diesem Fall das zuständige Gericht ein Verfahren ein, um einen gesetzlichen Betreuer zu bestimmen. "In der Zwischenzeit kann vieles nicht erledigt werden", sagt Christiane Lange von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Behördengänge, Bankangelegenheiten – das alles muss unter Umständen warten, bis ein Bevollmächtigter gefunden ist. Mit der Vorsorgevollmacht schaffen Sie für solche Fälle eine Lösung und vermeiden, dass es zu Verzögerungen kommt.


3. Wie suche ich den richtigen Bevollmächtigten aus?

"Wählen Sie am besten jemand aus, dem Sie vollumfassend vertrauen können", sagt Christiane Lange. Klären Sie vorab mit dem Betreffenden, ob er sich als Ihren Bevollmächtigten einsetzen lassen möchte, und besprechen Sie mit ihm, was Ihre Wünsche und Vorstellungen sind. Beachten Sie außerdem, dass der Bevollmächtigte nach Möglichkeit vor Ort gut erreichbar sein sollte. Jemand, der mehrere hundert Kilometer entfernt von Ihnen wohnt, ist deshalb als Bevollmächtigter weniger geeignet.

4. Was muss eine Vorsorgevollmacht enthalten?

Eine Vorsorgevollmacht sollte in schriftlicher Form vorliegen, da dies oft als Beleg verlangt wird. Sie sollte Name, Geburtsdatum und Anschrift des Verfassers enthalten, ebenso Name, Anschrift und Telefonnummer des Bevollmächtigten. Versehen Sie das Dokument außerdem mit Unterschrift, Ort und Datum. Sinnvoll ist, dass auch der Bevollmächtigte unterschreibt – rein rechtlich ist das aber nicht zwingend notwendig. Unter Umständen kann eine notarielle Beurkundung oder aber zumindest eine Bestätigung der Unterschrift sinnvoll sein – zum Beispiel, wenn der Bevollmächtigte Bankgeschäfte oder gar Immobilienverkäufe tätigen können soll (siehe unten). Eine Vorlage für eine Vorsorgevollmacht können Sie beim Bundesjustizministerium herunterladen.

Beschreiben Sie im Text so ausführlich wie möglich, bei welchen Angelegenheiten der Bevollmächtigte Sie vertreten darf. Also zum Beispiel:

  • Wohnung: Darf er für mich Mietverträge kündigen, den Haushalt auflösen, meinen Aufenthalt bestimmen?
  • Gesundheit: Darf er alle gesundheitlich relevanten Entscheidungen für mich übernehmen, Krankenunterlagen einsehen und freiheitsentziehende Maßnahmen anordnen, wenn das meinem Wohlbefinden dient? Letzteres bezieht sich etwa auf die Unterbringung in einem Heim.
  • Behörden: Darf er mich gegenüber Ämtern, Versicherungen und Gerichten vertreten, meine Post entgegennehmen?
  • Vermögen: Darf er mein Vermögen verwalten und dabei alle erforderlichen Rechtsgeschäfte eingehen? Darf er mich gegenüber Kreditinstituten vertreten?

5. Kann ich mehrere Bevollmächtigte angeben?

Prinzipiell ja. Sie können zum Beispiel für jeden Bereich verschiedene Menschen festlegen, die sich um Ihre Belange kümmern. Der eine ist dann für gesundheitliche Fragen zuständig, ein anderer kümmert sich um Finanzielles. Sie können in der Vorsorgevollmacht auch festlegen, dass mehrere Personen nur gemeinsam entscheiden dürfen. "Das führt in der Praxis aber häufig zu Unstimmigkeiten", sagt Lange. Wenn Sie also keinen triftigen Grund dazu haben, ist es in der Regel besser, nur einen Stellvertreter zu bestimmen.

6. Wo bewahre ich die Vorsorgevollmacht am besten auf?

"Eine Vorsorgevollmacht muss im Bedarfsfall schnell auffindbar sein", sagt Lange. Am besten schreiben Sie den Aufbewahrungsort auf ein Hinweiskärtchen, das Sie immer im Portemonnaie mit sich führen. Hinterlegen Sie die Vorsorgevollmacht bei sich zu Hause oder bei einer dritten Person, die das Dokument gegebenenfalls an Ihren Stellvertreter überreichen kann, aber nicht beim Bevollmächtigten selbst. Denn möchte man die Vorsorgevollmacht noch einmal ändern, besteht die Gefahr, dass der Bevollmächtigte sie zurückhält.

7. Wann ist eine Beglaubigung vom Notar sinnvoll?

Eine Vorsorgevollmacht ist in der Regel auch ohne notarielle Form gültig. Diese ist nur für bestimmte Angelegenheiten notwendig: Wenn der Bevollmächtige für Sie Immobilien verkaufen oder verwalten oder einen Darlehensvertrag aufnehmen soll. Christiane Lange rät, sich am besten bei einem Anwalt oder einer Patientenberatungsstelle wie bei den Verbraucherzentralen zu informieren, ob ein Notar Ihre Vorsorgevollmacht beurkunden muss.

8. Gilt eine Vorsorgevollmacht auch für Banken?

Viele Banken akzeptieren eine Vorsorgevollmacht nicht ohne Weiteres. "Obwohl sie eigentlich dazu verpflichtet sind", sagt Christiane Lange. Um sich unnötigen Ärger zu ersparen, rät sie dazu, rechtzeitig bei der eigenen Bank nachzufragen, ob sie die Vorsorgevollmacht anerkennt. Falls ja, lassen Sie sich das am besten vom Mitarbeiter schriftlich bestätigen. Andernfalls die Vorgaben der Bank erfüllen. Diese haben häufig eigene Formulare, mit denen ein Kunde bei Ihnen einen Bevollmächtigten einsetzen kann.

9. Ich habe eine Vorsorgevollmacht – benötige ich dann noch eine Patientenverfügung oder Betreuungsverfügung?

Eine Vorsorgevollmacht regelt, wer Sie in welchen Bereichen vertreten darf, wenn Sie keine Entscheidungen mehr treffen können. Eine Patientenverfügung regelt, welche gesundheitlichen Maßnahmen Sie in einem solchen Fall wünschen (mehr zur Patientenverfügung lesen Sie hier). Sie ist eine sinnvolle Ergänzung zur Vorsorgevollmacht. Sie können beide auch in einem gemeinsamen Dokument zusammenfassen. Eine Betreuungsverfügung zu hinterlegen kann ebenfalls ratsam sein. Bei dieser schlagen Sie dem Betreuungsgericht einen gesetzlichen Vertreter für den Fall vor, dass Sie Ihre rechtlichen Angelegenheiten nicht mehr selbst regeln können. Das kann zum Beispiel Ihr Vorsorge-Bevollmächtiger sein. Die Betreuungsverfügung ist eine nützliche Absicherung, falls Sie in Ihrer Vorsorgevollmacht nicht alles bedacht haben.

10. Was passiert, wenn der Bevollmächtigte nicht in meinem Sinne handelt?

Handelt Ihre Vertrauensperson nicht nach Ihren Wünschen, kann ein Angehöriger, der Zweifel am Bevollmächtigten hat, diese dem zuständigen Gericht mitteilen. Dieses setzt daraufhin gegebenenfalls einen Kontrollbetreuer ein. Kommt dieser bei einer Überprüfung zum Schluss, dass Ihr Stellvertreter den Vereinbarungen tatsächlich nicht nachkommt, kann dieser von seiner Aufgabe entbunden werden. Das Gericht leitet dann ein Betreuungsverfahren ein, nach dem möglicherweise ein gesetzlicher Betreuer für Sie bestimmt wird – also so, als hätten Sie keine Vorsorgevollmacht erstellt.



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