Warum Schmerzen in der Brust gefährlich sind

Angina pectoris äußert sich als plötzliches, beklemmendes Engegefühl in der Brust. Was die Beschwerden auslöst und was Betroffene wissen sollten

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 11.08.2015

Angina pectoris: Die Brustschmerzen deuten häufig auf Engstellen in den Blutgefäßen hin

iStock/fstop123

1. Was ist Angina pectoris?

Wörtlich übersetzt bedeutet Angina pectoris "Brustenge". Mediziner verstehen darunter plötzliche Schmerzen im Brustbereich, die Betroffene meist als beengend wahrnehmen. Eine Angina pectoris ist oft ein Anzeichen für eine koronare Herzerkrankung, bei der sich Engstellen oder Verschlüsse in den Herzkranzgefäßen bilden. Die Schmerzen können in andere Körperbereiche ausstrahlen, zum Beispiel in Arme, Unterkiefer, Rücken oder Nacken. Begleitend können Symptome wie Schwächegefühle, Müdigkeit, Atemnot und Übelkeit auftreten. "Die Wahrnehmung von Angina pectoris ist bei vielen Menschen unterschiedlich", sagt Professor Eckart Fleck, Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

2. Was sind die Ursachen?

Bei einer Angina pectoris liegen meistens Engstellen in den Herzkranzgefäßen vor, die das Herz mit Sauerstoff versorgen. Sie können dazu führen, dass das Organ in Situationen mit erhöhtem Sauerstoffbedarf zu wenig davon erhält. "Am häufigsten tritt das bei körperlichen Belastungen auf", so Fleck. Auch bei Aufregung oder psychischem Stress kann es zu einer Angina pectoris kommen. Zudem begünstigen niedrige Temperaturen die Beschwerden. Bei Kälte ziehen sich die Blutgefäße zusammen.

Schlechte Blutfettwerte, Bluthochdruck, erhöhte Blutzuckerspiegel bei Diabetes sowie Rauchen begünstigen Ablagerungen in den Blutgefäßen und somit die gefährlichen Engstellen.


3. Ist eine Angina pectoris gefährlich?

Die Angina pectoris ist oft der erste Warnhinweis für eine koronare Herzerkrankung. Engstellen in den Blutgefäßen können im schlimmsten Fall einen Herzinfarkt zur Folge haben. Wer die Schmerzen in der Brust zum ersten Mal spürt, sollte sofort den Notarzt rufen. Mithilfe verschiedener Diagnosemethoden können Mediziner prüfen, ob tatsächlich eine koronare Herzkrankheit vorliegt. Dazu zählen zum Beispiel das EKG oder eine Darstellung der Herzgefäße mit Kontrastmittel (Koronarangiografie). Auch wenn eine Angina pectoris schon länger bekannt und ärztlich bestätigt ist, die Beschwerden aber stärker sind als üblich, länger anhalten oder zunehmen, sollte man sich sofort untersuchen lassen. In diesem Fall liegt eine instabile Angina pectoris vor.

4. Was ist der Unterschied zwischen einer stabilen und instabilen Angina pectoris?

Eventuell stellt der Arzt nach gründlicher Untersuchung die Diagnose "stabile chronische Angina pectoris". Das bedeutet, die Beschwerden treten bei gleich bleibenden Auslösern auf und verändern sich auch nicht in ihrer Intensität. Die Symptome der stabilen Angina pectoris verschwinden in der Regel wieder nach wenigen Minuten, wenn der Betroffene sich ausruht und Medikamente – vor allem Nitropräparate – so anwendet, wie es mit dem Arzt für diesen Fall abgesprochen ist.

Eine instabile Angina pectoris liegt dagegen vor, wenn die Beschwerden im Vergleich zum letzten Mal schon bei geringeren Belastungen auftreten, wenn sie häufiger werden, länger dauern oder intensiver verlaufen als sonst. Unter Umständen treten sie sogar im Ruhezustand, also ohne erkennbare Ursache, auf. Solche Fälle sind womöglich akut lebensgefährlich, da sie auch auf einen Herzinfarkt hinweisen können. Bei diesen Beschwerden also unbedingt einen Notarzt rufen! Wichtig: Das gilt auch, wenn die Beschwerden erstmals auftreten.

5. Was hilft bei einer Angina pectoris?

Hier muss man unterscheiden zwischen einer kurzfristigen Behebung der akuten Symptome und der langfristigen Behandlung der Engstellen in den Blutgefäßen. Bei einem stabilen Angina pectoris-Anfall (siehe 4.) hilft am besten, sich auszuruhen und Medikamente für den Akutfall so zu nehmen, wie vom Arzt für diese Situation verordnet.

Langfristig müssen vor allem die Ursachen für die Ablagerungen in den Gefäßen behandelt werden. Dazu zählen etwa erhöhte Blutzuckerspiegel oder Bluthochdruck. Der Arzt kann je nach Fall verschiedene Medikamente verschreiben. Unter Umständen sind eine Bypass-Operation oder ein Eingriff mittels Herzkatheter notwendig.

Betroffene mit koronarer Herzerkrankung können selbst aktiv zur Behandlung beitragen, indem sie Übergewicht abbauen, sich gesund ernähren und viel bewegen. Achtung: Wie viel Belastung in Ordnung ist, müssen Betroffene unbedingt vorab mit dem Arzt klären! Außerdem wichtig: "Die Symptome nicht verdrängen", sagt Fleck. Die Beschwerden verschwinden nicht von alleine. Betroffene sollten sie auf jeden Fall von einem Arzt untersuchen und behandeln lassen.

6. Verursacht eine Angina pectoris immer Schmerzen?

Brustschmerzen sind oft der erste Warnhinweis für eine koronare Herzerkrankung. Doch nicht jede koronare Herzerkrankung verursacht typische Angina-pectoris-Symptome. Einige Patienten verspüren trotz Engstellen in den Herzkranzgefäßen keine Beschwerden – oder andere Symptome, zum Beispiel Atemnot. Dass keine Schmerzen auftreten, kann beispielsweise daran liegen, dass Nervenschäden das Schmerzempfinden beeinträchtigen. Vor allem Diabetiker nehmen die Symptome oft erst spät wahr. Solche Fälle sind tückisch, da eine Mangeldurchblutung des Herzens womöglich erst spät entdeckt wird.

7. Gibt es Unterscheide bei Männern und Frauen?

Bei Frauen zeigen sich häufig nicht die klassischen Angina pectoris-Symptome. Sie klagen weniger über heftige Brustschmerzen, sondern erleben eher ein unspezifisches Druckgefühl. Eine Studie an der Harvard School of Public Health aus dem Jahr 2013* kam allerdings zu dem Ergebnis, dass es bei einer Angina pectoris nur geringe Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt. Frauen würden die Beschwerden nur mit anderen Worten beschreiben. Fleck vermutet, dass Frauen außerdem die Symptome seltener mit einer Herz-Kreislauf-Erkrankung in Zusammenhang bringen. Ein Herzinfarkt gilt nach wie vor eher als "Männerdomäne".

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