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So nehmen Sie Medikamente richtig ein

Zu welcher Tageszeit wirkt die Medizin am besten? Vor oder nach dem Essen? Gibt es Wechselwirkungen – womöglich gar mit Lebensmitteln?


Auch Tabletten schlucken will gelernt sein

"Die rosafarbenen Tabletten sehen so nett aus, die schluck ich immer zusammen mit den hellblauen. Und die roten, die misch ich mir einfach ins Müsli." Wer seine Medikamenteneinnahme so oder ähnlich gestaltet, der sollte an dieser Stelle unbedingt weiterlesen. Denn Arzneistoffe können ihre Wirkung nur entfalten, wenn man sie ordnungsgemäß anwendet.

Falsch kombiniert oder im Zusammenspiel mit speziellen Lebens- oder Arzneimitteln verlieren sie mitunter ihren heilenden Effekt. Schlimmstenfalls kann der bunte Nahrungsmittel-Medizin-Cocktail auch zu stark oder gar lebensgefährlich werden.


Das Studium des Beipackzettels sollte Pflicht sein. Allerdings sind diese Schriftstücke nicht für leichte Verständlichkeit und Wortknappheit bekannt. Der Laie ist nach der Lektüre daher oftmals so klug wie zuvor. Um Ihnen die korrekte Medikamenteneinnahme zu erleichtern, haben wir die wichtigsten Begriffe und Eckdaten für Sie zusammengefasst.



Ob es die Pillen dieses Mal zur Vor- oder als Nachspeise gibt?

Vor, nach oder zum Essen?

  • Vor dem Essen bedeutet: Sie müssen die Tablette 30 Minuten bis eine Stunde vor der nächsten Mahlzeit schlucken. Der Grund: Auf leeren Magen wirken Medikamente schneller. Manche Tabletten haben auch einen speziellen Überzug, der nur im leeren Magen stabil bleibt, so dass sie unbeschadet bis zu ihrem Wirkort, dem Darm, wandern können.
  • Mit der Mahlzeit bedeutet: Sie können die Tablette zwischen zwei Happen schlucken, aber Sie können auch ruhig erst aufessen und danach zehn Minuten warten. Dann sollten Sie die Tablette aber einnehmen. Der Grund: Der Speisebrei schützt die empfindliche Magenschleimhaut vor aggressiveren Medikamenten.
  • Nach dem Essen bedeutet: Der Abstand zur letzten Mahlzeit sollte mindestens zwei Stunden betragen. Der Grund: Es gibt Lebensmittel, die die Wirkstoffaufnahme stören.


Zeit für die nächste Dosis?

Wann und wie oft?

  • Einmal täglich bedeutet: Immer zur gleichen Tageszeit, zwei Stunden Puffer sind in Ordnung.
  • Zweimal täglich bedeutet: Die Tabletteneinnahme erfolgt ungefähr alle zwölf Stunden.
  • Dreimal täglich bedeutet: Das Medikament sollte Morgens, Mittags und zur Schlafenszeit eingenommen werden.
  • Einnahme vergessen? Wenn Sie die oben genannten Zeitfenster vertrödelt haben, sollten Sie auf keinen Fall beim nächsten Mal einfach die doppelte Menge schlucken. Informieren Sie sich im Beipackzettel, was Sie tun sollten oder wenden Sie sich im Zweifel an Ihren Arzt oder Apotheker, und besprechen Sie mit ihm, wie Sie sich verhalten sollen.


Leitungswasser spült Tabletten sicher an ihren Wirkort

Die richtige Flüssigkeit

Am besten schlucken Sie Medikamente mithilfe eines vollen Glases Leitungswasser hinunter. Die Flüssigkeit hilft, dass die Tabletten oder Kapseln nicht in der Speiseröhre oder im Magen kleben oder stecken bleiben. Außerdem führt das Wasser dazu, dass sich der Wirkstoff schnell freisetzt.

  • Warum Leitungswasser? Mineralwasser enthält mitunter viele Salze. Diese sind im Normalfall sehr gesund für den menschlichen Körper. Mit einigen Wirkstoffen bilden sie hingegen stabile Komplexe. Diese sind dann zu groß und können nicht mehr über die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen. Also werden sie unverrichteter Dinge wieder ausgeschieden.
  • Keine Milch. Der hohe Kalziumanteil im Getränk hat den gleichen Effekt wie die Salze des Mineralwassers. Milch ist deshalb völlig ungeeignet zum Pillenspülen. Dementsprechend können auch Joghurt, Käse oder Quark die Wirkung verschiedener Medikamente stören. Hiervon sind vor allem spezielle Antibiotika betroffen.
  • Kein Alkohol. Wahrscheinlich würde kaum ein Mensch seine Medizin mit einem ordentlichen Schluck Whisky runterspülen, und das ist auch gut so. Alkohol kann Medikamentenwirkungen hemmen oder verstärken. Das liegt daran, da auch Ethanol, genau wie die meisten Arzneistoffe, in der Leber abgebaut wird. Nicht vergessen: Das gilt auch für den Morgen danach. Alkohol kann sich auch nach dem Schlafen noch in der Blutbahn befinden.
  • Kein Grapefruitsaft. Nun kommen wir zu dem erklärt ungünstigsten Medizin-Schluck-Getränk, dem Grapefruitsaft. Dieses Getränk kann die Wirkung spezieller Medikamente um bis zu 70 Prozent steigern – und so zu gefährlichen Reaktionen führen. Sicherheitshalber sollten Sie jegliche Kombination des Saftes mit Medikamenten vermeiden.

Der richtige Zeitpunkt und die Lebensmittel

Unser Körper unterliegt tageszeitlichen Schwankungen. Da diese auch durch Hormone oder Stoffwechselvorgänge beeinflusst werden, wirken Medikamente nicht zu jeder Tageszeit gleich. Es folgen ein paar Beispiele. Falls Ihr Arzt Ihnen allerdings eine andere Empfehlungen gegeben hat, sollten Sie sich an diese halten.

  • Kortisonpräparate am besten morgens einnehmen. Zu diesem Zeitpunkt ist die körpereigene Produktion am größten, die Tabletten zeigen die geringsten Nebenwirkungen.
  • Antirheumatika sollte man abends schlucken. Das wirkt der gefürchteten Morgensteifigkeit entgegen.
  • Antiasthmatika nehmen Sie am besten Abends ein. Atemnot tritt bei vielen Asthmatikern nachts auf, weil sich die Atemwege dann unter dem Einfluss des vegetativen Nervensystems verengen. Die Medikamente wirken einem Anfall entgegen.
  • Säureblocker, die bei einer Überproduktion von Magensäure helfen, wirken am besten direkt nach der Mahlzeit oder vor dem Schlafengehen.


Vorsicht – bestimmte Lebensmittel interagieren mit Medikamenten und stören deren Wirkung

Wechselwirkende Lebensmittel:

  • Milchprodukte wie Käse, Joghurt, Quark oder natürlich Milch selbst können verschiede Medikamente Schachmatt setzen. Das gilt beispielsweise für Antibiotika wie Doxycyclin und Ciprofloxacin. Auch die Wirksamkeit fluorhaltiger Arzneistoffe leidet unter gleichzeitigem Milchprodukte-Konsum.
  • Desweiteren interagieren Käse und Joghurt auch mit speziellen Osteoporosemitteln, den Bisphosphonaten. Das ist eine besonders ärgerliche Wechselwirkung, da Menschen, die unter Störungen des Knochenstoffwechsels leiden, auf den Verzehr von Milchprodukten und das darin enthaltene Kalzium angewiesen sind. Hier heißt es also ganz besonders: Packungsbeilage beachten!
  • Ballaststoffe sind eine wahre Wunderwaffe. Empfohlen gegen Darmkrebs, Fettleibigkeit und Diabetes legen Ärzte und Ernährungswissenschaftler uns Vollkorn und Gemüse ständig ans Herz. Aber Vorsicht: Ballaststoffe können die Aufnahme von Medikamenten stark einschränken und sogar verhindern. Also lassen Sie zwischen der Pilleneinnahme und dem Müsli lieber ein paar Stunden vergehen.
  • Lakritze ist nicht jedermanns Sache. Und Diuretika-Patienten tun gut daran, auf den Genuss zu verzichten. Die Süßigkeit kann in Kombination mit entwässernden Medikamenten gefährlich werden. Durch einen verstärkten Kaliumverlust kann es zu Muskelschwäche, erhöhtem Blutdruck und Müdigkeit kommen.
  • Grünes Gemüse und Salat sind reich an Vitamin K. Das ist gesund und wichtig für unsere Blutgerinnung. Wenn Patienten aber auf Grund von Thrombosegefahr bestimmte Blutgerinnungshemmer einnehmen, dann kann das Gemüse die Wirkung der Medikamente beeinträchtigen. Patienten, die entsprechenden Medikamente benötigen, sollten mit ihrem Arzt besprechen, was sie beim Verzehr von Vitamin K reichem Gemüse beachten müssen.

Wechselwirkungen zwischen Medikamenten

Vor allem im Alter kommt es oft vor, dass ein Mensch mehrere Mittel einnehmen muss. Manche Medikamente vertragen sich aber nicht miteinander, verstärken oder schwächen  gegenseitig ihre Wirksamkeit. So zum Beispiel Phenprocoumon und Acetylsalicylsäure. Beide Mittel senken die Blutgerinnung. Zusammen wirken sie also stärker, die Gefahr für Blutungen steigt. Wenn Sie die Wechselwirkungen Ihrer Medikation überprüfen wollen, nutzen Sie doch einfach unseren Medikamentencheck.

Sie sehen, "Kapsel nehmen und gesund werden" funktioniert leider nicht. Es gibt viele Dinge zu beachten. Bei weiteren Fragen finden Sie aber auch in Ihrem Arzt oder Apotheker jederzeit einen kompetenten Berater.




Bildnachweis: Fotolia/Robert Kneschke/2010, iStock/sintendo, W&B/Corbis GmbH/RYF, iStock/aldomurillol, BrandXPictures/RYF

Sophie Schöninger / www.senioren-ratgeber.de; 29.03.2010, aktualisiert am 03.01.2013
Bildnachweis: Fotolia/Robert Kneschke/2010, iStock/sintendo, W&B/Corbis GmbH/RYF, iStock/aldomurillol, BrandXPictures/RYF

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