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Leben mit Parkinson:
Am Ball bleiben

Medikamente, Gymnastik, Sprachübungen, Ergotherapie: Parkinson-Patienten profitieren von einem Therapie-Mix

Jonglieren

Hält mobil: Krankengymnastik

Theo K. aus Mosbach dachte sich noch nichts dabei, als er nachts unruhig schlief. Auch sorgte er sich nicht sehr, als seine Schulter schmerzte. Er ging zum Orthopäden. Heute, fünf Jahre später, steht der 70-Jährige in der Bad Nauheimer Parkinson-Klinik und müht sich auf einem Kippbrett sichtlich um Haltung.

 

„Mal schauen, ob Sie ins Wanken geraten“, sagt die Sporttherapeutin Birgit R. Parkinson-Kranke können ihr Gleichgewicht oft nicht richtig austarieren – doch Theo K. bleibt standhaft. „Prima“, sagt Sporttherapeutin R., dann testet sie die Koordination ihres Patienten. Sie wirft ihm Bälle zu, mit links soll er sie auffangen und dabei jeweils mit dem rechten Bein einen Schritt vorwärts in Wurfrichtung machen. Dann andersherum. Auch das funktioniert: Der Rentner bleibt am Ball. Doch selbst wenn nicht: „Ich habe kein Problem damit, meine Parkinson-Krankheit zu zeigen“, sagt der Rentner.


Andere schon. Viele ziehen sich von der Außenwelt zurück, wenn die Schüttellähmung, wie der Volksmund sagt, nach und nach ihr Gesicht zeigt. Die Hände fangen an zu zittern, das Schriftbild verkleinert sich, die Mimik versteinert zunehmend, Muskeln fühlen sich steif an, und Bewegungen lassen sich immer schlechter koordinieren. Nur im Trippelschritt geht es vorwärts, der Körper beugt sich nach vorne, und die Arme schwingen beim Gehen nicht mehr mit.

 

Schätzungsweise bis zu 300.000 Deutsche müssen mit dieser chronischen Bewegungsarmut leben. „Meist tritt die Krankheit zwischen dem 55. und 60. Lebensjahr auf. Das Parkinson-Risiko steigt mit dem Alter an“, sagt Dr. Matthias Oechsner. Warum aber gerät der Körper derart außer Kontrolle? Diese Frage kann der Chefarzt der Parkinson-Klinik in Bad Nauheim nur zum Teil beantworten. Zwar ist bekannt, dass Kopf-Verletzungen das Nervengeflecht im Gehirn dauerhaft schädigen können, auch kommen bestimmte Veränderungen im Erbgut als Übeltäter infrage, „doch in 80 Prozent der Fälle wissen wir nicht, warum Parkinson entsteht“, erklärt Matthias Oechsner.

 

Forscher haben herausgefunden, dass Nervenzellen im Gehirn absterben – genau jene, die Botenstoffe für die Koordination der Muskelarbeit herstellen. Mangelt es an ihnen, bleiben Befehle des Gehirns, die die Bewegungen koordinieren, auf der Strecke. Auch der Stoffwechsel anderer Botenstoffe ist gestört.

 

Unklar ist aber, warum im Kopf dieses Durcheinander entsteht. Wissenschaftler haben entzündliche Prozesse im Visier. „Es gibt auch Hinweise auf bestimmte Umweltgifte wie Pflanzenschutzmittel“, erklärt der Bad Nauheimer Chefarzt, „aber genau erforscht sind diese Zusammenhänge noch lange nicht.“

 



Raphaela Birkelbach, www.senioren-ratgeber.de; 09.02.2009, aktualisiert am 15.09.2009
W&B/Bert Bostelmann

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