Drucken

Pflege: Zu Hause oder im Heim?

Tritt der Pflegefall ein, ergeben sich viele Fragen: Pflege im Heim oder zu Hause? Was sind Pflegestufen? Wie hoch sind die Kosten? Was zahlt die Pflegeversicherung? Ein Überblick


Wer pflegebedürftig ist, benötigt die Hilfe seiner Mitmenschen

Pflegebedürftig werden – dieser Fall kann bei jedem Menschen eintreten, völlig überraschend, von heute auf morgen. Oder absehbar, als Folge einer Krankheit. Ob Schlaganfall oder Arbeitsunfall, chronisches Leiden oder Altersgebrechlichkeit – die Gründe, ein Pflegefall zu werden, sind vielfältig.

Laut Statistischem Bundesamt waren Ende 2012 in Deutschland etwa 2,5 Millionen Menschen pflegebedürftig. 1995 waren es gerade mal eine Million. Das bedeutet eine durchschnittliche Steigerung von fast fünf Prozent pro Jahr. Und diese Entwicklung wird sich wohl fortsetzen. Bis zum Jahr 2030 schätzen Experten, dass über drei Millionen Menschen pflegebedürftig sein werden.


Pflege im Heim: Mehrere Möglichkeiten

Deshalb sollte jeder sich rechtzeitig darüber Gedanken machen, welche Wünsche er für den Bedarfsfall hat. Kommt vielleicht ein Pflegeheim infrage? Dafür kann es gute Gründe geben. Manchmal ist die medizinische Versorgung zu Hause nicht ausreichend gewährleistet. Vielleicht gibt es aber auch schlicht keine Angehörigen, welche die Pflege übernehmen könnten.

Manche Menschen möchten auch ganz bewusst in ein Pflegeheim, weil sie der Familie nicht zur Last fallen wollen. In Deutschland gibt es rund 12.000 Pflegeheime, die rund 700.000 Plätze bieten – von einfachen Wohngruppen bis hin zu luxuriösen Apartments. Tipp: Informieren Sie sich rechtzeitig über die Möglichkeiten und Kosten dieser Einrichtungen.

Pflege zu Hause: Versorgung durch Angehörige

Die meisten möchten jedoch in den eigenen vier Wänden versorgt werden, am liebsten von der Familie. Etwa zwei Drittel der Pflegebedürftigen werden derzeit zu Hause versorgt. Davon erhält lediglich rund ein Drittel teilweise oder vollständig Hilfe durch ambulante Pflegedienste, während zwei Drittel nur durch Angehörige gepflegt werden. So wünschenswert diese familiäre Pflegesituation auch sein mag, für die Angehörigen kann sie eine große Belastung bedeuten. Denn die intensive Pflege ist für die erwachsenen Kinder oder den Partner oft sehr zeitraubend und auch emotional eine Herausforderung. Ambulante Pflegedienste und Sozialstationen können in solchen Fällen dazu beitragen, pflegende Angehörige zu entlasten.


Sollten Sie zum Pflegefall werden, wer soll Sie betreuen?

Pflegestufen: Leistungen beantragen

Ob zu Hause oder stationär – eine medizinische Versorgung für Pflegebedürftige kostet Geld. Viel Geld. In Deutschland gibt es deshalb die gesetzliche Pflegeversicherung. Um die Leistungen dieser Versicherung zu erhalten, muss ein Antrag bei der Pflegekasse gestellt werden. Der Medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) klärt dann per Gutachten, ob und in welchem Grad Sie pflegebedürftig sind.

Die Höhe der Leistungen bemisst sich nach dem Schweregrad der Pflegebedürftigkeit (Stufe I, II oder III) beziehungsweise nach der Zeit und dem Aufwand, die die tägliche Hilfe in Anspruch nimmt. Wer mindestens einmal am Tag für einen Zeitraum von eineinhalb Stunden Hilfe benötigt (für Waschen, Ankleiden, hauswirtschaftliche Versorgung, etc.), fällt etwa in die Pflegestufe I. Erweitert sich der Zeitaufwand auf mindestens etwa drei Stunden, gilt die Pflegestufe II. Ab einem Zeitaufwand von mindestens fünf Stunden (davon vier Stunden für die Grundpflege) gilt die Pflegestufe III. Bei einem außergewöhnlich hohen Pflegeaufwand können in der Pflegestufe III zusätzlich Leistungen für einen „Härtefall“ bezogen werden.

Außerdem gibt es noch die Pflegestufe 0. In diese werden Menschen eingeteilt, die zwar die Voraussetzung für eine Einstufung in die Pflegestufe I noch nicht erfüllen, aber im Alltag trotzdem eingeschränkt sind (sogenannte eingeschränkte Alltagskompetenz, zum Beispiel bei geistiger Verwirrtheit). In den Pflegestufen 1 und 2 kann es dafür auch zusätzliche Leistungen geben. Pflegebedürftige haben die Wahl, entweder Sachleistungen in Form von Hilfe durch Pflegedienste oder Pflegegeld in Anspruch zu nehmen.

Unterstützung für pflegende Angehörige

Für pflegende Angehörige bieten die Kassen Kurse, in denen sie lernen, Pflegebedürftige richtig zu versorgen. Dabei geht es nicht nur um bestimmte Handgriffe. Die Teilnehmer erfahren auch, wie sie mit psychischen Belastungen umgehen können oder wie sich die Pflege mit dem Beruf vereinbaren lässt. Weitere Hilfe gibt es bei Gemeindeverwaltungen, Kirchengemeinden oder auch unabhängigen Stellen, etwa Selbsthilfegruppen.




Bildnachweis: PhotoDisc/RYF

Sandra Schmid / www.senioren-ratgeber.de; aktualisiert am 08.08.2014, erstellt am 28.02.2007
Bildnachweis: PhotoDisc/RYF

ReadSpeaker

So lassen Sie sich unsere Artikel vorlesen  »

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Checkliste

Seniorenheim-Checkliste

Worauf bei der Wahl eines Seniorenheim achten? Die Checkliste verrät es »

Rechtliches

Pflegestufen

Ein Überblick, welche Pflegestufen es gibt und wie Sie sie richtig beantragen »

Kaffee oder Tee?

Auf www.apotheken-umschau.de

Medikamentencheck

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Arzneien überprüfen »

Sudoku

Lieben Sie es, mit Zahlen zu knobeln? Dann können Sie sich auf unserer Sudoku-Seite so richtig austoben »

Memo-Spiele

Unsere Kartenaufdeck-Spiele, die ähnlich wie das klassische Memory® funktionieren »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages