Sieben Tipps zum Rollatorkauf

Der Rollator ist Fitnesstrainer, Sitzbank und Einkaufshilfe zugleich. Was Sie vor dem Kauf eines solchen Geräts wissen sollten

von Raphaela Birkelbach, 27.07.2016

Selbstständig bleiben: Ein Rollator hilft dabei

Thinkstock/istock

Deutschland rollt. Rund zwei Millionen Menschen ziehen derzeit mit ihrem Gehwagen durch die Lande, um zum Arzt zu gehen, ihre Einkäufe zu erledigen oder frische Luft zu schnappen. Tendenz steigend. Doch es könnten mehr sein. "Viele stellen den Rollator schnell in die Ecke, weil sie glauben, dass sie ihn nicht brauchen", erklärt Cornelia Brodeßer von der Bonner Verkehrswacht. Oder sie schämen sich mit ihrer Gehhilfe, beobachtet die Mobilitätstrainerin. Dabei zeigen die Erfahrungen: Wer zu seiner Mobilitätshilfe steht und sich von Profis beraten lässt, fährt gut damit.

1. Ja sagen zum Rollator

  • Sie zögern in Sachen Rollator, obwohl Sie nicht mehr so gut auf den Beinen sind? Fest steht: Mit dem Alter steigt die Gefahr zu stürzen deutlich – mit oft schlimmen Folgen. Eine stabile Stütze beim Laufen kann Ihnen viel Kummer ersparen.
  • Sie sind gern unter Menschen, trauen sich aber nicht mehr vor die Tür? Der Rollator ermöglicht es, dass Sie wieder zu Ihren Kindern fahren oder ein Café besuchen können. 
  • Sie müssen oder wollen beim Spaziergang oft eine Pause machen? Auf dem praktischen Helfer können Sie Platz nehmen – wann und wo Sie wollen.
  • Sie wollen künftig keine Lasten mehr tragen? Der Korb am Rollator nimmt sie Ihnen ab.
  • Sie wollen selbstständig leben? Ihr vierrädiger Gefährte macht Sie unabhängiger. Draußen und daheim.

2. Rezept für einen Rollator besorgen

  • Sie wollen den Rollator auf Rezept? Dann müssen Sie sich an Ihren Hausarzt wenden. Er stellt es aus.
  • Wenn Sie wegen eines Handicaps einen Rollator mit besonderer Ausstattung brauchen, muss der Arzt das auf dem Formular vermerken. Sonst erhalten Sie ein Standardmodell.
  • Wer welches Modell auf Rezept erhält, regelt jede Krankenkasse anders. Auch, ob und wie viel Sie bei einem Standardrollator zuzahlen müssen.
  • Fragen Sie bei der Krankenkasse nach, wie sie die Verordnung handhabt: Entweder Sie reichen sie bei Ihrer Kasse ein, und sie nennt Ihnen einen Ansprechpartner, manche kommen zu Ihnen ins Haus. Viele Kassen arbeiten mit bestimmten Händlern zusammen. Oder Sie gehen direkt zum Fachhandel (Sanitätshaus oder Homecare-Apotheke). Der Händler rechnet mit der Kasse ab. 

3. Rollator-Modelle vergleichen

  • Sie wollen ein höherwertigeres Modell, als die Kasse bezahlt? Dann müssen Sie die Differenz zwischen der Kassenleistung und dem Preis Ihres Wunschrollators selbst zahlen. Es sei denn, der Hausarzt kann per Rezept gezielt begründen, warum sie die Extra-Ausführung benötigen.
  • Ein günstiger Rollator ist nicht unbedingt der beste. Ein Vorteil der teuren Modelle: Sie lassen sich zum Beispiel mit einem Handgriff falten und sind leichter. Die Preisdifferenz zum Kassenmodell beträgt in der Regel zwischen 100 bis 300 Euro.
  • Wenn Sie das Hilfsmittel täglich brauchen, zahlt sich die Investition in ein teures Modell langfristig aus. 
  • Wünschen Sie sich zum Geburtstag nicht schon wieder ein Nachthemd? Stellen Sie einfach ein Sparschwein für den neuen Rollator auf.  

4. Beraten lassen beim Rollator-Kauf

  • Preisgünstige Rollatoren gibt es auch beim Discounter oder im Internet, allerdings nicht auf Rezept und ohne fachliche Beratung. Außerdem haben Sie keinen Ansprechpartner, wenn die Gehhilfe defekt sein sollte.
  • Nehmen Sie beim Aussuchen des Rollators einen Begleiter mit. 
  • Machen Sie eine Checkliste, wofür Sie die Gehhilfe brauchen: Gehen Sie damit täglich einkaufen? Muss der Rollator Kopfsteinpflaster meistern? Wird er im Auto transportiert? Ist er für Ihre Wohnung gedacht? Besprechen Sie mit dem Fachhändler die Liste Ihrer Vorstellungen. 
  • Probieren Sie das Gefährt gleich aus. Etwa auf dem Bürgersteig, im Geschäft gibt es manchmal einen Parcours, auf dem Sie üben können.
  • Lassen Sie sich vom Experten die Höhe des Rollators einstellen und die Handhabung zeigen: Wie funktionieren die Bremsen? Wie lässt sich der Rollator zusammenklappen? Wie montiere ich andere Räder an?

5. Eingewöhnen

  • So justieren Sie die Höhe der Griffe selbst: Stellen Sie sich aufrecht hinter den Rollator, Ihre Arme hängen herunter (Hände umfassen nicht die Griffe), die Füße stehen zwischen den Hinterrädern. Stellen Sie die Griffe nun so ein, dass sie sich auf Höhe Ihrer Handgelenke befinden.
  • Viele schieben ihre Mobilitätshilfe vor sich her, statt damit zu gehen. Vorsicht, so verlieren Sie schnell das Gleichgewicht! Sicherer ist es, wenn Sie sich mit geradem Rücken zwischen die Hinterräder des Rollators stellen. Dann kann es losgehen.
  • Erkundigen Sie sich, ob es in der Nähe Rollator-Gymnastik gibt. Wenn Sie zum Physiotherapeuten oder in den Sportverein gehen: Lassen Sie sich vom Profi zeigen, wie Lockerungs- und Kräftigungsübungen Verspannungen vorbeugen.
  • Machen Sie ein Rollator-Sicherheitstraining mit. Fragen Sie bei der Polizei, Verkehrswacht oder Nahverkehrsbetrieben nach.

6. Sichern

  • Bringen Sie Reflektoren (geprüfte Qualität) oder spezielle Folienbänder (Baumarkt) an, am besten seitlich oben am Gestell. Im Fachhandel gibt es auch Klemmleuchten, die dauerhaft leuchten. Bringen Sie auch Reflektoren am Oberkörper (Ärmel) an.
  • Schließen Sie die Gehhilfe immer mit einem guten Schloss ab. 
  • Binden Sie Ihre Handtasche nie am Rollator fest! In dieser sollten sich nur wenig Geld und eine Kopie Ihres Ausweises befinden (nur erste Seite ohne Adresse). Tragen Sie Wertsachen am Körper.
  • Um in der Balance zu bleiben: den Korb nicht zu voll packen, maximal fünf Kilogramm. Hängen Sie keine Taschen an die Griffe.  
  • Lassen Sie den Gehwagen regelmäßig vom Fachhändler warten. Sonst bekommen Sie bei einem Unfall Ärger mit der Haftpflichtversicherung. 

7. Losfahren mit Rollator

  • Setzen Sie sich während einer Bus- oder Straßenbahnfahrt nicht auf den rollenden Helfer. Sichern Sie ihn mit der Feststellbremse.
  • Steigen Sie beim Bus an der zweiten Tür ein. Dort befinden sich meist ein abgesenkter Eintritts­bereich und Stellplätze.  
  • Beim Aussteigen: Wenn Sie sich sicher fühlen – den Rollator an der Tür mit der Bremse feststellen. Erst ohne Gehhilfe aussteigen, sie dann aus dem Bus heben. Oder Sie bitten andere, das für Sie zu tun.

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