So wird das Haus barrierefrei

Eine Wohnungsanpassung kann dabei helfen, im Alter länger in den eigenen vier Wänden zu leben. Welche Maßnahmen oft nötig sind und wo es Unterstützung gibt

von Stephan Soutschek , aktualisiert am 22.09.2016

Das Eigenheim barrierefrei umzubauen will gut geplant sein

ddp Images

Wenn junge Familien ihr neues Zuhause einrichten, sorgen sich Eltern vor allem darum, ob das Heim auch kindersicher ist. Spätestens, wenn die Kleinen dann erwachsen und aus dem Haus sind, stellt sich die Frage, ob die eigenen vier Wände noch den Ansprüchen des eigenen Lebensalters gerecht werden.

"Mit zunehmendem Alter nehmen oft die körperlichen Einschränkungen zu", sagt Christiane Grüne, Leiterin der Landesberatungsstelle Barrierefrei Bauen und Wohnen in Mainz. Die Kräfte schwinden, zudem mehren sich die körperlichen Gebrechen. Die Türschwelle oder der Teppich wird dann auf einmal zur Stolperfalle. "Eine Wohnungsanpassung kann dabei helfen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu leben", sagt Grüne.


Barrierefrei umbauen: Rechtzeitig darum kümmern

Viele verdrängen den Gedanken, dass die vertraute Umgebung auf einmal Probleme bereiten könnte. Motto: 'Über diese Schwelle stolpere ich schon nicht'. Doch gerade an vermeintlich wohlbekannten Stellen passieren aus Unaufmerksamkeit oft Unfälle, weiß Meike Austermann-Frenz. Die Ingenieurin berät beim gemeinnützigen Verein kom.fort. e.V. in Bremen Verbraucher zum barrierefreien Wohnen.

Häufig beschäftigen die Menschen sich erst dann mit der Wohnungsanpassung, wenn es akut notwendig ist. Zum Beispiel, wenn sie einen Schlaganfall erlitten haben und seitdem auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Seit einigen Jahren beobachtet Austermann-Frenz aber auch, dass Menschen sich zunehmend vorsorglich beraten lassen: "Die Leute denken früher darüber nach, wie sie im Alter in ihrem Haus leben können", sagt sie. Das macht durchaus Sinn: Das Umbau-Projekt lässt sich so in Ruhe angehen, ohne Zeitdruck sind mehrere Kostenvoranschläge einholbar. Idealerweise denken Häuslebauer sogar schon vor der Grundsteinlegung daran, wie sie im Alter einmal leben möchten.

Wohnberatungsstellen bieten Unterstützung

Möglichkeiten, eine Wohnung altersgemäß anzupassen, gibt es viele. Verbraucher sollten sich gut überlegen, welche sie wirklich benötigen und umsetzen lassen. Unterstützung bieten Wohnberatungsstellen, die es in vielen größeren Städten gibt. Einen Überblick bietet die Seite der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V. Die Erstberatung ist in der Regel kostenlos. "Wir prüfen immer individuell, welche Fähigkeiten noch vorhanden sind", sagt Austermann-Frenz. Ein Mitarbeiter der Beratungsstelle nimmt dabei die Wohnung des Kunden unter die Lupe.

Zudem kann es sinnvoll sein, einen Arzt in die Umbaupläne mit einzubeziehen. Dieser kann Hinweise geben, wie sich der Gesundheitszustand oder einzelne Gebrechen in Zukunft entwickeln könnten. 

Ein erstes Hindernis im Haus können schon steile Stufen im Eingangsbereich darstellen. Eine Rampe ist hier eine mögliche Lösung. "Diese darf nicht steiler als sechs Prozent sein", sagt Grüne. Besser sind oft nur drei Prozent. Allerdings benötigt eine solche Rampe auch entsprechenden Platz – die Möglichkeiten zur Wohnungsanpassung hängen immer auch von den Gegebenheiten vor Ort ab.

Platz für Rollator und Rollstuhl

In der Wohnung selbst sollten Lichtschalter für Rollstuhlfahrer niedrig genug angebracht sein, damit sie gut erreichbar sind. Ein Rollator oder Rollstuhl benötigt zudem Platz. Zu schmale Türen müssen deshalb gegebenenfalls auf 90 Zentimeter Breite erweitert werden. Manche Änderungen betreffen nur die Einrichtung: So erleichtern erhöhte Sitzflächen das Aufstehen, wenn die Kräfte nachlassen.


Häufig betreffen Umbauten den Sanitärbereich. "Das Bad ist ein intimer Bereich. Gerade hier wollen viele möglichst lange ohne fremde Hilfe zurechtkommen", sagt Grüne. Außerdem ist die Gefahr von Unfällen in diesem Teil des Hauses besonders hoch. In eine ebenerdige Dusche können körperlich schwache Menschen leichter einsteigen. Weitere mögliche Umbauten: Haltegriffe an Dusche und WC oder ein erhöhter Toilettensitz. Für Rollstuhlfahrer sollte die Waschbeckenhöhe so eingestellt sein, dass ihr Hilfsmittel darunter Platz hat.

Wohnungsanpassung kann teuer werden

Wer sich für Umbaumaßnahmen entschieden hat, muss sich in der Regel selbstständig an einen Handwerker oder Architekten wenden. Vor allem bei größeren Aufträgen dabei unbedingt mehrere Kostenvoreinschläge einholen. Eine altersgemäße Wohnungsanpassung kann schnell teuer werden. Allein eine Türverbreiterung kann über 1000 Euro kosten, weiß Austermann-Frenz. Ein komplett neues Bad mit Toilette, Waschbecken und Dusche kann mit rund 6000 bis 10.000 Euro zu Buche schlagen.

Finanzierung: Pflegekassen und Förderprogramme

Wer das nicht alleine stemmen kann oder möchte, für den bieten verschiedenen Stellen finanzielle Unterstützung. Die Pflegekassen zahlen bis zu 4000 Euro für nötige Umbaumaßnahmen. Voraussetzung ist aber, dass die Einstufung in eine Pflegestufe vorliegt. Krankenkassen erstatten ebenfalls in vielen Fällen bei Menschen mit Handicap die Kosten von Hilfsmitteln, wenn ein ärztliches Rezept vorliegt. Solche Hilfsmittel sind zum Beispiel ein erhöhter Toilettensitz oder ein Haltegriff für das Bad. Verbraucher sollten sich immer vorab erkundigen, was die Kassen übernehmen. Vielfach gibt es zudem Zuschüsse von Kommunen – Auskunft dazu können die Wohnberatungsstellen oder die Wohnbauförderstellen der Gemeinden geben.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, die Umbauten mit Hilfe eines Darlehens zu finanzieren. Die KfW-Bankengruppe bietet im Rahmen des Förderprogramms "Altersgerecht Umbauen" Kredite speziell für diesen Zweck. "Der entsprechende Antrag dazu muss bei der Hausbank gestellt werden. Diese leitet ihn anschließend an die KfW-Bankengruppe weiter", sagt Austermann-Frenz. Da diese Finanzierungsform an bestimmte Bedingungen geknüpft ist, sollten Verbraucher sich hier ebenfalls vorab bei einer Beratungsstelle für Wohnungsanpassungen informieren.

Welche Umbaumaßnahmen sind erlaubt?

Nicht nur die Frage der Finanzierung sollte zu Beginn geklärt werden – sondern auch die Frage, ob überhaupt umgebaut werden darf. Der Eigentümer einer Wohnung oder eines Hauses darf über Maßnahmen im Innenbereich in der Regel selbstständig entscheiden. Soll jedoch beispielsweise der Wintergarten eine Hebebühne erhalten, stellt das einen baurechtlichen Eingriff dar. Das Gleiche gilt für Umbauarbeiten an der Fassade.

In diesen Fällen muss der Eigentümer sich an die Bauverwaltung der Gemeinde wenden. Bei Eigentümergemeinschaften gehören Umbaupläne, die auch die anderen Parteien betreffen, mit diesen abgestimmt. Dazu zählen zum Beispiel Arbeiten im Treppenhaus.

Mieter: Umbauten mit Vermieter klären

Komplizierter wird es für Mieter. Sie klären ihr Vorhaben besser vorab mit dem Vermieter ab. Kleine Änderungen wie einen Haltegriff im Bad können sie zwar auch unabhängig von der Zustimmung umsetzen. "Allerdings kann der Eigentümer beim Auszug verlangen, die Eingriffe wieder rückgängig zu machen", sagt Grüne.

Oft sind Vermieter offen für altersgerechte Umbauten. Schließlich steigern diese den Wert der Wohnung. Ein denkbares Modell besteht darin, dass der Eigentümer sich an den Kosten beteiligt oder diese sogar ganz übernimmt und später auf die Miete umlegt.



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