Sex bei Herzkrankheiten

Auch nach einem Herzinfarkt oder bei Bluthochdruck müssen Betroffene meist nicht auf Sex verzichten. Die konkrete Empfehlung hängt aber von der Verfassung des Patienten ab

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 20.09.2016

Sex ist für Herzpatienten nicht zwangsläufig tabu

Fotolia/Monkey Business

"Älterer Mann stirbt beim Sex an Herzinfarkt" – solche Meldungen liest man immer wieder mal in der Zeitung. Vor allem bei männlichen Lesern führen sie zu Verunsicherung. Ist Sex bei krankem Herzen etwa gefährlich?

Tatsächlich sind ernsthafte Herzprobleme während des Geschlechtsverkehrs selten. In einer Studie der Universität Ulm waren zudem weniger als ein Prozent der Untersuchten in den Stunden vor einem Herzinfarkt sexuell aktiv gewesen.


Beim Sex wird ein systolischer Blutdruck von etwa 170 mmHg und ein Puls von etwa 130 Schlägen pro Minute bei gesunden Personen selten überschritten. Geschlechtsverkehr stellt damit zwar durchaus eine Belastung für das Herz dar, doch ist diese in der Regel nicht größer als bei anderen körperlichen Anstrengungen wie Joggen.

Die zentrale Frage: Wie belastbar ist der Patient?

Herzpatienten müssen nicht unbedingt auf die Liebe verzichten, wenn ihr Gesundheitszustand stabil und der Herzmuskel nicht zu stark beschädigt ist. "Sie sollten sich aber vorab mit ihrem Arzt absprechen", rät der Münchner Herzspezialist Professor Wolfram Delius. Wer schon bei geringen Belastungen unter Angina-pectoris-Anfällen leidet, schwere Herzryhthmusstörungen oder einen Blutdruck von über 200 mmHg hat, sollte sich auf jeden Fall ärztlich untersuchen lassen.

Eine gute Näherung liefert die Leistungsfähigkeit des Patienten im Alltag: Ist er sehr belastbar und hat keine Beschwerden, gibt es auch gegen den Liebesakt meist keine Bedenken. Ist der Gesundheitszustand unklar, kann der Arzt mit einem Belastungstest die Leistungsfähigkeit des Patienten überprüfen.

Nach OP und Herzinfarkt

Auch nach einem Herzinfarkt oder einer OP am Herzen können Betroffene oft wieder Sex haben, sobald sich der Gesundheitszustand gebessert hat. Ergeben die Belastungstests, dass der Patient sportliche Anstrengungen wieder bewältigt, steht dem Geschlechtsverkehr meist nichts entgegen. Patienten sollten während der Reha-Maßnahmen oder bei der Entlassung mit dem behandelnden Arzt darüber reden.

Treten im Anschluss an den Herzinfarkt oder die Operation dennoch Beschwerden auf, etwa Angina-pectoris-Anfälle, sollte man sich aber erneut untersuchen lassen.

Sind Potenzmittel erlaubt?

Medikamente, die die Potenz steigern, sind für Herzpatienten nicht grundsätzlich tabu. Sie sollten den Gebrauch allerdings vorher unbedingt mit einem Arzt abklären. Potenzmittel wie Sildenafil senken den Blutdruck. "Nimmt man gleichzeitig Nitro-Präparate ein, die ebenfalls den Blutdruck senken, kann es zu einem kritischen Blutdruckabfall kommen", erklärt Delius.

Manche Arzneimittel gegen Herz-Kreislauf-Krankheiten, etwa Blutdrucksenker oder Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen, können Potenzprobleme oder ein vermindertes Lustempfinden zur Folge haben. Das darf aber keinesfalls ein Grund sein, die Medikamente in Eigenregie abzusetzen. Betroffene sollten ihren Arzt nach möglichen Alternativen fragen. Bei Blutdruckmitteln beispielsweise gibt es häufig ein gleichwertiges Ersatzmedikament, das der Arzt verschreiben kann.

Übrigens: Die Gefahr, beim Sex einen Herzinfarkt zu erleiden, ist beim Seitensprung laut American Heart Association offenbar größer als bei ehelicher Zweisamkeit. Vermutlich sind Aufregung und Stress dafür verantwortlich.



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