Demenz: Gegen das Vergessen

Der fortschreitende Gedächtnisverlust macht vielen Angst. Doch es lohnt sich, frühe Anzeichen ernst zu nehmen und die vielfältigen Therapien in jeder Phase zu nutzen

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 19.01.2016

Demenz: Die Behandlung soll möglichst viel Lebensqualität bewahren

Fotolia/Sandor Kacso

Wer unter einer Demenz leidet oder sich um einen Patienten kümmert, ist nicht allein. In zahlreichen Blogs und Foren berichten Betroffene, Angehörige und Betreuer von ihren alltäglichen Erlebnissen mit Demenz-Kranken. Es sind kurze Geschichten, die berühren und immer wieder auch positiv stimmen. Die Kranken erscheinen dort als Persönlichkeiten, verändert ja, eigen, schwer zu verstehen, aber anerkannt in ihrer Würde, akzeptiert in ihrer Selbstbestimmtheit, auch wenn sie nicht mehr fähig sind, für sich selbst einzustehen.

Solche Zeilen können im Kleinen Mut machen. Denn die Scheu ist groß, den allmählichen Verlust von Geist und Wesen anzunehmen und offen damit umzugehen. Für beide Seiten, für Betroffene wie Angehörige. Je früher sich jedoch alle Beteiligten auf eine Erkrankung wie Alzheimer einlassen, umso besser kann es gelingen, die notwendigen Schritte zu gehen und das Leben so zu gestalten, dass so viel Lebensqualität wie möglich bewahrt bleibt.


An einer Demenz erkranken vor allem Hochbetagte

Rund 1,5 Millionen Menschen leiden in Deutschland an einer Demenzerkrankung. Vor allem über 75-Jährige sind betroffen. In zwei Drittel der Fälle handelt es sich um die Alzheimer Krankheit. Diese Abbauerkrankung des Gehirns führt zu einem stetigen Verlust des Gedächtnisses und geistiger Fähigkeiten. In der Folge verändert sich auch die Persönlichkeit der Betroffenen nachhaltig, sie können ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen und verlieren den Bezug zu der sie umgebenden Welt. Je weiter die Erkrankung fortschreitet, desto mehr sind sie auf Betreuung und Pflege angewiesen. Eine solche Entwicklung bereitet vielen Angst.

Mit der weiter steigenden Lebenserwartung in unserer Gesellschaft werden auch Demenzerkrankungen zunehmen. Dazu gehören neben Alzheimer andere Krankheiten wie  die vaskuläre Demenz, die auf Durchblutungsstörungen im Gehirn zurückgeht. Jahrelang schlecht eingestellter Bluthochdruck und Gefäßverkalkungen spielen hier eine maßgebliche Rolle. Weitere Hirnabbauerkrankungen sind die Pick-Krankheit oder die Lewy-Körper-Krankheit. Entzündliche Gehirnerkrankungen, chronischer Alkoholismus und weitere körperliche und seelische Störungen können ebenfalls die Entwicklung einer Demenz zur Folge haben.

Demenz: Erste Anzeichen ernst nehmen

Nicht jede Vergesslichkeit im Alter deutet schon eine beginnende Demenz an. Stress, seelische Belastungen, körperliche Krankheiten wirken sich oft auch auf die geistige Leistungsfähigkeit aus. Es gibt zudem leichte Formen der Altersvergesslichkeit, denen sich mit einer Reihe von Maßnahmen wie gesunder Lebensweise, Gedächtnistraining, psychologischer Unterstützung und anderem gut gegensteuern lässt.

Wichtig ist es jedoch immer, bei ersten auffallenden Gedächtnisproblemen den Hausarzt aufzusuchen und die Beschwerden zu schildern. Das gilt vor allem, wenn die Gedächtnisstörungen sich häufen, sich auf gewohnte Tätigkeiten auswirken und wenn Freunden und Verwandten solche Defizite auch schon aufgefallen sind. Eine Reihe von Untersuchungen und Tests zeigt dann, welche Ursachen für die Ausfälle verantwortlich sind und ob sich der Anfang einer Demenzerkrankung abzeichnet.

Bei früher Behandlung lässt sich Demenz besser bremsen

Eine frühe Diagnose bringt große Vorteile für alle Beteiligten. Die Betroffenen selbst sind noch in der Lage, ihre Zukunft eigenständig zu planen. Viele ziehen sich vorschnell zurück, sobald sie bemerken, dass ihr Gedächtnis sie im Stich lässt. Sie wollen nichts falsch machen oder nicht auffallen. Gezielte Behandlungsprogramme, dazu gehören sogenannte psychosoziale Therapien mit Verhaltens- und Beschäftigungstherapien, setzen hier an. Sie helfen, das alltägliche Leben trotz der sich immer wieder einstellenden Hindernisse weiterhin aktiv zu gestalten. Das stärkt das Selbstvertrauen und die Psyche und hilft, Depressionen vorzubeugen. Medikamente wie Antidementiva können mitunter das Fortschreiten der Erkrankung für einige Zeit verzögern.

Selbsthilfegruppen geben Rückhalt. Der Erfahrungsaustausch hat für Betroffene wie Angehörige einen entscheidenden Stellenwert. In Patienten-Foren können sich die Erkrankten selbst mit ihren Anliegen und Wünschen äußern, manchmal auch mit Hilfe professioneller Betreuer.

Eine gut durchdachte und organisierte Pflege kann die Sorge vor der Zukunft nehmen. Es sind viele Räder, die ineinandergreifen und damit Entlastung für alle bringen.


Auf der Homepage der Deutschen Alzheimer Gesellschaft* finden Sie Informationen, Adressen und eine Telefonsprechstunde für Demenzpatienten und ihre Angehörigen.


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