So bleiben Sie geistig fit

Ein gutes Gedächtnis bis ins hohe Alter – das wünschen wir uns alle. Seien Sie deshalb offen für Neues und lassen Sie sich vielfältig anregen – das hält geistig fit

von Stephan Soutschek, 19.03.2015

Mit guten Freunden etwas unternehmen – auch das regt das Gehirn an

Thinkstock/Banana Stock

Das Gehirn ist im Lauf des Lebens ständig im Umbruch begriffen. Laufend bilden sich neue Verknüpfungen zwischen den einzelnen Nervenzellen, wird neues Wissen integriert, werden alte Inhalte neu strukturiert. Mit dem Alter nimmt die Plastizität, also die Fähigkeit des Gehirns, neue Verbindungen herzustellen, tendenziell ab. Das kann sich bei den Gedächtnisleistungen bemerkbar machen.

Eine gewisse Altersvergesslichkeit gilt als normal. "Allerdings muss es im Alter nicht zwangsläufig zu einem Abfall der geistigen Fähigkeiten und des Gedächtnisses kommen", erklärt Professor Lutz Frölich vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Ein 70-Jähriger kann ein leistungsfähigeres Gehirn besitzen als ein 30-Jähriger. Der Schlüssel dazu ist, unseren Denkapparat beständig vor neue Herausforderungen zu stellen, damit sich neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen bilden.


Aktiv sein: Körperlich, geistig, sozial

Was ist eine Herausforderung für das Gehirn? Wenn es etwas lernt, Neues aufnimmt und verarbeitet. Solche neuen Eindrücke können eine Fremdsprache oder das Erlernen eines Instruments sein, aber auch Erlebnisse während einer Reise. Dabei bilden sich jedes Mal neue Verknüpfungen zwischen den Nervenzellen. "Entscheidend ist ein gesundes und aktives Leben", sagt Frölich.

Einige Tipps, die helfen, bis ins hohe Alter einen regen Kopf zu behalten:

1. Gesund ernähren

Der Geist braucht Nahrung – im wortwörtlichen Sinn. Es gibt Hinweise darauf, dass gesunde Ernährung die Alterung des Gehirns bremst. Wichtig scheinen dabei unter anderem Vitamine und Omega-3-Fettsäuren zu sein, wie sie vor allem in Fisch vorkommen.

2. Bewegung für den Kopf

Auch Sport wirkt sich positiv auf das Gehirn aus: "Sportliche Betätigung regt das Nervenwachstum an", weiß Dr. Hartmut Lehfeld von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Klinikum Nürnberg. Günstig sind dabei vor allem Ausdauersportarten. Die Bewegung sorgt nicht nur für eine bessere Durchblutung des Gehirns, sondern soll sich auch positiv auf das Wachstum auswirken – zumindest deuten Studienergebnisse darauf hin. Wer chronisch krank ist oder neu mit Sport beginnt, sollte sich vor dem Start vorsichtshalber grünes Licht vom Arzt geben lassen.

3. Soziale Kontakte

Wohl kaum etwas regt unseren Kopf so an wie der Kontakt und lebhafte Austausch mit anderen Menschen. "Unsere Gehirne sind dazu gemacht, sich mit anderen auseinanderzusetzen", sagt Lehfeld. "Schon ein Gespräch ist deshalb geistiges Training." Gehen Sie raus und treffen Sie Freunde und Bekannte oder knüpfen Sie neue Kontakte. Das hält geistig jung.

4. Training fürs Gehirn

Kreuzworträtseln ist bei vielen ein beliebtes Mittel, um die grauen Zellen zu trainieren. Der tatsächliche Nutzen ist vermutlich aber eher gering. Zwar muss man das richtige Wort suchen und aktiviert dabei Wissen. "Doch neue Verknüpfungen werden kaum gebildet", so Frölich. Sudoku könnte eventuell effektiver sein: Das Zahlenrätsel trainiert Fähigkeiten wie logisches Kombinationsvermögen. Um geistig fit zu bleiben, empfiehlt es sich ohnehin, sich auf mehrere Arten anregen zu lassen. So werden möglichst viele Bereiche des Gehirns beansprucht.

Trainieren lässt sich das Gedächtnis übrigens auch im Alltag, zum Beispiel beim Einkaufen. Schreiben Sie sich eine Einkaufsliste – aber schauen Sie erst einmal nicht darauf. Versuchen Sie sich im Supermarkt an alles auf der Liste zu erinnern und prüfen Sie erst kurz bevor Sie zur Kasse gehen, ob auch alles im Einkaufswagen liegt.

5. Mit Spaß bei der Sache

Was auch immer Sie für ein gutes Gedächtnis tun: "Suchen Sie sich etwas, das Ihnen Freude bereitet", rät Lehfeld. Ob Sie nun einem Schachclub beitreten, ins Museum gehen, Gedächtnistraining-Aufgaben lösen oder lieber mit den Enkeln Karten spielen, bleibt Ihnen überlassen. Hauptsache, Sie geben Ihrem Kopf die Anregung, die er braucht.

Vergesslich: Sollte ich mich untersuchen lassen?

Dass man hin und wieder einmal etwas vergisst, ist bis zu einem gewissen Grad normal – unabhängig vom Alter. Doch ab wann sollte man sich wegen seiner Gedächtnislücken besser von einem Arzt untersuchen lassen? Eine Kontrolle beim Hausarzt kann sinnvoll sein, wenn andere einen darauf ansprechen, dass man in letzter Zeit vergesslicher geworden ist oder man sich selbst an seiner Vergesslichkeit stört. Der Hausarzt überweist den Patienten bei Bedarf an einen Neurologen, Psychiater oder an eine Gedächtnissprechstunde zur genaueren Untersuchung. Die Spezialisten versuchen, den Ursachen für die Gedächtnisstörung auf den Grund zu gehen. "Auch Stress, Schlafmangel oder Krankheiten können die geistigen Fähigkeiten beeinträchtigen", sagt Lehfeld, der im Klinikum Nürnberg eine Gedächtnissprechstunde leitet. Ist das Problem bekannt, kann es in der anschließenden Therapie gezielt angegangen werden.

Lässt sich eine Demenz verhindern?

Der Begriff Demenz fasst verschiedene Krankheiten zusammen, von denen die Alzheimer-Krankheit die häufigste ist. Allen Demenzarten gemein ist, dass nach und nach Nervenzellen im Gehirn zerstört werden, was mit einem Verlust von geistigen Fähigkeiten einhergeht. Ob kognitives Training tatsächlich das Risiko einer Demenz verringert, ist umstritten. Es gibt aber durchaus Hinweise, die in diese Richtung deuten – vorausgesetzt man fängt damit an, so lange man noch gesund ist.



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