Welche Impfungen im Alter wichtig sind

Mit den Jahren wächst das Risiko für einige Infektionen wieder. Ältere verkraften sie oft schlechter oder gefährden Familienmitglieder. Antworten auf Impf-Fragen für Menschen ab 60

aktualisiert am 14.09.2016

Grippeimpfung: Für ältere Menschen ein wichtiger Schutz vor schwerer Erkrankung

W&B/Martin Ley

Wann waren Sie das letzte Mal beim Impfen? Wenn Sie es nicht wissen, lohnt sich ein Blick in den Impfpass. Bei einigen Impfungen sind regelmäßige Auffrischungen notwendig. Gesunde Erwachsene vernachlässigen jedoch häufig ihren Impfschutz, weil sie nicht das Gefühl haben, von Infektionen bedroht zu sein. Doch im Alter steigt das Risiko für einige Erkrankungen wieder an, gegen die es eine Impfung gibt.

Wen schützen Impfungen?

Impfungen sind auch im Alter wichtig, um sich selbst, die eigene Familie und den Bekanntenkreis vor Krankheiten zu schützen. Zum einen nehmen manche Infektionen bei Älteren und Menschen mit chronischen Krankheiten eher einen schweren Verlauf, zum Beispiel die Virusgrippe. Wer Enkelkinder hat oder Umgang mit chronisch Kranken, sollte außerdem bedenken, dass eine Infektion, die für ihn selbst vielleicht nur unangenehm ist – wie zum Beispiel ein Keuchhusten – für einen Säugling, der sich bei ihm angesteckt hat, unter Umständen gefährlich werden kann. Eine Impfung kann daher sinnvoll sein, um die Menschen zu schützen, die einem wichtig sind.


Welche Impfungen sind ab 60 Jahren sinnvoll?

Die Ständige Impfkommission des Robert Koch-Instituts (STIKO) veröffentlicht jährlich ihre aktuellen Empfehlungen zum Impfschutz. Derzeit rät sie Menschen ab einem Alter von 60 Jahren zu folgenden Impfungen:

  • Tetanus: Selbst kleine Verletzungen können bei Ungeimpften zu einem Wundstarrkrampf führen, wenn die Tetanus-auslösenden Erreger in die Wunde eindringen. Die Grundimmunisierung findet deshalb in der Regel im ersten Lebensjahr statt. Erwachsene jeden Alters sollten sich alle zehn Jahre ihren Impfschutz auffrischen lassen.
  • Diphtherie: Diese Krankheit wird durch Bakterien übertragen und kann mitunter lebensgefährlich verlaufen. Wie bei Tetanus erfolgt die Grundimmunisierung für Diphtherie meist in der Kindheit. Bei Erwachsenen ist alle zehn Jahre eine Auffrischung angeraten. 
  • Keuchhusten (Pertussis): Die STIKO empfiehlt, sich bei der nächsten Auffrischung gegen Tetanus und Diphtherie auch gegen Keuchhusten impfen zu lassen. Die vermeintliche Kinderkrankheit kann Älteren gefährlich werden. Wer Umgang mit kleinen Kindern hat, sollte auf jeden Fall sicherstellen, dass er geimpft ist.
  • Pneumokokken: Die Bakterien können eine Lungenentzündung auslösen, die bei Älteren oft schwer und manchmal sogar tödlich verläuft. Deshalb sollten alle Menschen ab 60 Jahren oder mit bestimmten chronischen Krankheiten sich einmal dagegen impfen lassen. Unter Umständen kann eine Auffrischung sinnvoll sein. Das am besten mit dem Hausarzt absprechen.
  • Grippe (Influenza): Die Impfung gegen Grippe muss jährlich aufgefrischt werden, am besten im Herbst, vor Beginn der Grippesaison. Doch auch zu einem späteren Zeitpunkt, im Dezember oder Januar, kann die Immunisierung durchaus noch sinnvoll sein. Die große Grippewelle erreicht uns oft erst nach dem Jahreswechsel. Gehen Sie trotzdem rechtzeitig zur Impfung – es dauert etwa zwei Wochen, bis der Schutz vollständig aufgebaut ist.

Zusätzlich zu den genannten Impfungen können im Einzelfall weitere empfehlenswert sein. Eine Impfung gegen FSME ist für Menschen ratsam, die in einem Zecken-Risikogebiet leben und sich viel im Freien aufhalten. Eine Auffrischung gegen Kinderlähmung wird zwar nicht mehr generell empfohlen, kann aber zum Beispiel bei einer Reise in ein Land sinnvoll sein, in dem noch ein Polio-Risiko besteht.

Wie wirken Impfungen?

Wer gegen eine Krankheit geimpft ist, bildet üblicherweise Abwehrstoffe (Antikörper) gegen den auslösenden Erreger. Diese Antikörper richten sich gegen den Keim oder Bestandteile davon. Sie sorgen dafür, dass das Immunsystem den Erreger unschädlich macht, wenn er in den Körper gelangt. Das schützt nicht nur die geimpfte Person vor einer Erkrankung, sondern verhindert auch, dass sich der Erreger im Körper weiter vermehren kann und auf andere Personen übertragen wird.

Experten sprechen in diesem Zusammenhang auch von "Herdenimmunität". Wenn sehr viele Menschen gegen eine bestimmte Krankheit geimpft oder anderweitig immunisiert sind, kann diese sich nicht weiter in der Bevölkerung verbreiten. Auf diese Weise gelang es zum Beispiel mit Hilfe der Impfung, die Pocken auszurotten.

Wie finde ich heraus, ob ich geimpft bin?

Viele Impfungen benötigen von Zeit zu Zeit eine Auffrischung, damit der Schutz gewährleistet bleibt. Wenn Sie wissen wollen, ob Sie gegen eine Infektionskrankheit geschützt sind und wann Ihre nächsten Impftermine anstehen, genügt oft schon ein Blick in den Impfpass. Dort trägt der Arzt jede Impfung mit Datum ein. Manche Mediziner schreiben gleich mit Bleistift den nächsten Impftermin darunter. Falls Sie mit den Einträgen im Impfpass nicht zurecht kommen, nehmen Sie das Dokument einfach zum nächsten Termin in die Praxis mit und lassen Sie dort überprüfen, ob ihr Impfschutz vollständig ist.

Was tun, wenn ich Auffrischungsimpfungen über Jahre hinweg vergessen habe?

Wenn Sie Auffrischungsimpfungen vergessen haben, sollten Sie diese möglichst rasch nachholen. Die Antikörper, die nach einer Impfung gebildet werden und im Blut zirkulieren, nehmen im Lauf der Jahre ab. Durch die Auffrischungsimpfung wird der Körper quasi an den Impfschutz erinnert und bildet wieder neue Antikörper. Komplett neu gegen eine Krankheit durchimpfen lassen müssen Sie sich meist nicht. Besprechen Sie das Thema mit Ihrem Hausarzt und nehmen Sie den Impfpass zum Gespräch mit.

Und was, wenn ich den Impfpass verloren habe?

Können Sie Ihren Impfpass nicht mehr auffinden, wird der Hausarzt Ihnen einen neuen ausstellen. Ihren Impfstatus können Sie bei dem Arzt erfragen, bei dem Sie die Impfungen haben machen lassen. Liegt die letzte Immunisierung zu lange zurück oder ist aus einem anderen Grund nicht dokumentiert, empfiehlt die STIKO, die notwendigen Impfungen vorsichtshalber auffrischen zu lassen. Sprechen Sie das am besten mit Ihrem Hausarzt ab.

Trägt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten?

Generelle Richtlinien, welche Impfung für wen sinnvoll ist, legt in Deutschland die STIKO fest. Empfiehlt sie eine Impfung, tragen meist die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten. Der gemeinsame Bundesausschuss der gesetzlichen Krankenkassen, der darüber entscheidet, orientiert sich an den Vorgaben der STIKO.



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