Hilfen nutzen

Helfer im Pflege-Alltag: Hilfsmittel

Ob Rollator, Rollstuhl oder Inkontinenzvorlagen – Hilfsmittel können die tägliche Pflege leichter machen.

Was sind Hilfsmittel – und was Pflegehilfsmittel?

Hilfsmittel sind Geräte und Dinge, die für die Pflege notwendig sind, Beschwerden lindern oder die Selbstständigkeit erhalten - etwa Rollatoren, Rollstühle, Aufstehhilfen, Duschhocker, Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfe. Pflegehilfsmittel sind Dinge, die verbraucht werden, zum Beispiel Einmalhandschuhe, Desinfektionsmittel, Einmal-Betteinlagen oder Mundschutz.

Wem stehen Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel zu?

Generell stehen Hilfsmittel pflegebedürftigen Menschen aller Pflegegrade zu. Mit einer Einschränkung: Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch haben nur Menschen, die zu Hause privat gepflegt werden. Die Produkte sind nicht für den Pflegedienst bestimmt. Der Pflegedienst muss seine eigenen Produkte mitbringen.

Experte
Meine Erfahrung

"Meine Mutter hat einen Greifarm, der ist super – mit dem kann man sogar eine kleine Tablette aufheben, die auf den Boden gefallen ist!"

Anke Gersmann, pflegt ihre Mutter
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Muss man sich Pflegehilfsmittel zum Verbrauch auch genehmigen lassen?

Nein, dafür ist weder ein Rezept vom Arzt noch eine Genehmigung der Kasse nötig. Die Quittungen können bei der Pflegekasse eingereicht werden. Manche Apotheken oder Sanitätshäuser rechnen auch direkt mit der Pflegekasse ab. Nachfragen.

Simela Aslanidou
Meine Erfahrung

Nehmen Sie sich die Zeit, das Hilfsmittel auszuprobieren. Es ist wichtig, dass Sie im Alltag ohne große Komplikationen damit umgehen können. Oft ist die Bedienung nicht einfach, der Pflegebedürftige toleriert das Hilfsmittel nicht oder nur eingeschränkt oder die Entwicklung gestaltet sich anders als angenommen - z.B. bei langen Krankenhaus-Aufenthalten im Falle von Querschnitt oder Schlaganfall. Fragen Sie nach Alternativen, wenn Sie mit dem Hilfsmittel nicht zurechtkommen. Die Pflegebedürftigen fühlen sich weniger ausgeliefert, wenn eine gewisse Auswahl angeboten wird! Die Erfahrung habe ich auch schon mit meinem Mann gemacht.

Simela Aslanidou, pflegt ihren Mann, der eine Querschnittslähmung hat

Wie beantrage ich ein Hilfsmittel?

Der Haus- bzw. Facharzt unterstützt bei der Wahl des geeigneten Hilfsmittels und stellt bei medizinischer Notwendigkeit ein Rezept aus. Damit wendet man sich an einen Hilfsmittelanbieter, etwa ein Sanitätshaus, eine Apotheke vor Ort. Wichtig: Vorab bei der Krankenkasse erkundigen, mit welchen Partnern ein Vertrag abgeschlossen wurde. Der Anbieter berät zum richtigen Modell, erstellt bei Bedarf einen Kostenvoranschlag und kümmert sich um die Beantragung. Die Krankenkasse hat drei Wochen Zeit, über einen Antrag zu entscheiden.

Wer ist im Einzelfall zuständig?

Ob Krankenkasse, Sozialamt, Unfall oder Pflegekasse: Der Vertragspartner hilft, den passenden Kostenträger zu ermitteln. Beim Pflege- oder Krankenbett etwa ist entscheidend, ob ein Pflegegrad vorliegt oder nicht.

Haben Sie einen E-Rollstuhl oder eine Wechseldruckmatratze zuhause? Für elektrische Hilfsmittel können Sie sich Kosten für den Stromverbrauch erstatten lassen. Fragen Sie bei Ihrer Kasse nach: Manche rechnen nach Verbrauch ab, andere zahlen eine Pauschale. Wichtig: Das Hilfsmittel darf nicht selbstgekauft sein, es muss vom Arzt verordnet und von der Kasse bezahlt worden sein.

Was übernimmt der Kostenträger?

Die Krankenkasse kommt für die Kosten für Hilfsmittel bis zur Höhe der Festbeträge (etwa Kompressionsstrümpfe,  Einlagen) oder in Höhe der vertraglich vereinbarten Preise (etwa Rollator) auf. Fällig wird eine gesetzliche Zuzahlung. Sie beträgt mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro. Bei Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch ist die Zuzahlung auf höchstens 10 Euro monatlich beschränkt. Ein Recht auf ein neues Hilfsmittel, etwa bei Rollstühlen, hat man übrigens nicht. Ein Rollstuhl wird oft leihweise in gebrauchtem Zustand zur Verfügung gestellt.

Kann man sich ein Hilfsmittel nicht schon kaufen, bevor die Kasse es genehmigt hat?

Den Bescheid des Kostenträgers sollte man unbedingt abwarten. Falls man das Hilfsmittel dennoch vorher kauft, muss man es in der Regel selbst bezahlen.

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Text: Petra Haas, 29.04.2019
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