Ich pflege
Pflegekennerin

Der Schmerz wird kleiner, wenn man darüber redet"

Ariane Andres pflegt ihre Tochter, die eine Hirnschädigung hat.

Ich pflege...

meine Tochter. Sie ist 20. Durch einen Gendefekt hat sie eine Hirnschädigung und fast täglich epileptische Anfälle. Sie spricht nicht, aber gibt Laute von sich, die ich verstehen kann: bitte, danke, aufstehen. Tagsüber ist meine Tochter in der Schule, ich arbeite bei der Stadtreinigung. Mein Partner und ich wechseln uns mit der Pflege ab. Ich habe noch einen gesunden Sohn. Früher hat er oft abends auf seine Schwester aufgepasst. Mittlerweile ist er ausgezogen – er hat ein Anrecht auf sein eigenes Leben.

Das strengt mich an

Es ist frustrierend, dass es so wenige Angebote für Kinder mit Behinderung gibt. Die Kurzzeitpflegeeinrichtungen bei uns in Potsdam sind alle für Senioren. Deshalb habe ich eine Hortbetreuung für Jugendliche mit Behinderung mitgegründet. Ich hab einen Verein ins Leben gerufen, der WGs für Jugendliche mit Behinderung gründen will. So eine WG könnte ich mir auch für meine Tochter vorstellen. 

Das gibt mir Kraft

Meine Tochter ist eine Frohnatur, sie kuschelt sehr gern! Wenn sie mich umarmt, sehe ich: Die Energie, die ich ihr gebe, bekomme ich zurück. Es gibt mir auch Kraft, wenn ich vor der Stadtverwaltung für unsere Projekte werbe. Da kann ich tatsächlich etwas bewirken. Es geht ja nicht nur um mich, sondern um alle "besonderen" Kinder und ihre Eltern.

Mein Tipp für andere

In der Situation zieht man sich oft zurück. Aber der Schmerz wird kleiner, wenn man darüber redet, und man merkt: Ich bin nicht allein.

Ariane Andres engagiert sich in einem Verein, der WGs für junge Erwachsene mit einer Behinderung gründen will.

Protokoll: Elsbeth Bräuer, 29.04.2019
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Judith Kraus
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