Anträge stellen

Entlastungsbetrag: Was ist das?

Mit dem Entlastungsbetrag von 125 Euro im Monat können Sie Betreuung oder Hilfe im Haushalt finanzieren. Das müssen Sie wissen

Wer hat Anspruch darauf?

Wer einen Pflegegrad hat und zuhause versorgt wird, bekommt ein Budget von 125 Euro im Monat. Ob Pflegegrad 1 oder 5, ist egal. Den Betrag gibt es zusätzlich zu anderen Leistungen wie z.B. Pflegegeld. Einen Antrag braucht es dafür nicht. Das Geld wird nicht bar ausbezahlt.

Was kann ich damit machen?

  • Betreuung für Ihren Angehörigen organisieren: Während Sie weg sind, kann ihm z.B. jemand vorlesen, gemeinsam kochen, mit ihm spazieren gehen oder einen Ausflug machen.
  • Hilfe im Haushalt organisieren: Mit dem Betrag können Sie jemanden dafür bezahlen, einzukaufen, zu putzen oder die Wäsche zu waschen.
  • Kurzzeit-, Tages- oder Nachtpflege: Sie können die 125 Euro im Monat auch einsetzen, wenn Ihr Angehöriger zeitweise in einer Einrichtung betreut wird. Bei der Tagespflege verbringt die pflegebedürftige Person den Tag in einer Einrichtung. Bei der Kurzzeitpflege ist Ihr Angehöriger tageweise in einer Pflegeeinrichtung. Für beide steht Ihnen ein eigenes Budget zu, aber Sie müssen einen Eigenanteil zahlen. Wenn Sie den Entlastungsbetrag dafür einsetzen, zahlen Sie weniger oder nichts.


Wichtig: Den Entlastungsbetrag können Sie nur bei Pflegegrad 1 auch für Waschen, Anziehen und Toilettengänge einsetzen - bei den höheren Pflegegraden nicht.

Wen kann ich dafür bezahlen?

  • Pflegedienste
  • Angebote zur Unterstützung im Alltag: Dazu zählen z.B. Familiendienste, Alltagsbegleiter, Besuchsdienste, Diakonien oder ehrenamtliche Projekte. Pflegestützpunkte helfen mit einer Liste von anerkannten Anbietern weiter.
  • Privatpersonen mit Fortbildung: Auch der Nachbar oder die Freundin kann helfen. Aber die müssen dazu berechtigt, also eine anerkannte Betreuungsperson sein und sich fortgebildet haben. Fragen Sie am besten bei der Pflegekasse nach, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen.

Achtung:

  • Sie können nicht jeden bezahlen. Es darf nicht einfach ein Bekannter oder der Putzdienst sein. Je nach Bundesland ist genau geregelt, mit wem man abrechnen darf: einem zertifizierten Pflegedienst, einem anerkannten Anbieter und/oder einer Privatperson, die eine Fortbildung besucht hat. Eine Liste von Anbietern bekommen Sie von der Pflegekasse. Brauchen Sie Hilfe im Haushalt, müssen Sie in vielen Fällen einen Pflegedienst anstellen – für ca. 30-35 Euro pro Stunde. Das sind dann nur drei, vier Stunden Entlastung im Monat. Oft ist es günstiger, eine Putzkraft privat zu bezahlen und den Entlastungsbetrag für etwas anderes einzusetzen.
  • Sie müssen die 125 Euro nicht jeden Monat aufbrauchen. Wenn Sie drei Monate keine Hilfe in Anspruch nehmen, haben Sie für den Monat darauf 500 Euro zur Verfügung. Wenn Sie in den Urlaub fahren, können Sie die Person in eine Kurzzeitpflegeeinrichtung geben und die 500 Euro für den Eigenanteil nutzen – also für Unterkunft und Verpflegung.
  • Der Betrag verfällt. Wenn Sie ihn nicht verbrauchen, können Sie ihn noch bis zum Ende des folgenden Kalenderhalbjahres nutzen. Wenn Sie also aus dem Jahr 2018 noch Geld übrig haben, können Sie das bis zum 30. Juni 2019 nutzen.
Arnold Schnittger
Meine Erfahrung

In Hamburg kann man den Entlastungsbeitrag auch über Privatpersonen abrechnen, wenn sie eine Weiterbildung besucht haben. Wir rechnen mit einer Freundin ab, die passt für zehn Euro die Stunde auf meinen Sohn Nico auf. Bei 125 Euro im Monat sind das etwas über 12 Stunden. In denen kann ich Dinge erledigen und weiß, Nico ist gut versorgt. Sie stellt eine Rechnung, wir gehen in Vorleistung und bekommen das Geld dann von der Kasse erstattet.

Arnold Schnittger, pflegt seinen Sohn, der eine Behinderung hat
Weiterlesen

So rechnen Sie ab

Pflegedienste können direkt mit den Kassen abrechnen. Dann haben Sie mit der Abrechnung nichts zu tun. Dafür müssen Sie ein Formular unterschreiben – eine Abtretungserklärung.

Wenn Sie mit Familiendiensten, Ehrenamtlichen oder Privatpersonen wie der Nachbarin zusammenarbeiten, lassen Sie sich Rechnungen ausstellen. Die schicken Sie im Nachhinein an die Pflegekasse und bekommen das Geld ausgezahlt. Sie können auch ein paar Monate lang Rechnungen sammeln. Wenn Sie noch nie einen Antrag auf Entlastungsbetrag gestellt haben, ist die erste Rechnung einfach ein Antrag. Machen Sie sich vor dem Versand an die Pflegeversicherung sicherheitshalber Kopien davon.

Reichen Ihnen die 125 Euro nicht aus?

In manchen Fällen ist es günstig, auf einen Teil der Hilfe durch den ambulanten Pflegedienst zu verzichten und das Budget in die Entlastungsleistung zu stecken. Das heißt: Sie brauchen andere Hilfen im Alltag vielleicht dringender als den Pflegedienst. Bis zu 40 Prozent von dem Geld, das für die Erstattung der Kosten des Pflegedienstes vorgesehen ist, können Sie für den Entlastungsbetrag nutzen. Ist das in Ihrem Fall sinnvoll? Fragen Sie am besten einen Pflegeberater, der Ihnen auch dabei hilft, bei der Pflegekasse einen Antrag dafür zu stellen.

Fachliche Beratung:
Tina Land, Compass Pflegeberatung

Text: Elsbeth Bräuer, 30.04.2019
Lesen Sie auch:
nach oben