Im Heim leben

Gute Gründe fürs Heim

Der Umzug ins Heim ist ein schwerer Schritt. Aber eine Einrichtung kann mehr sein als nur der letzte Ausweg. Fünf Gründe, warum die neue Situation eine Chance ist

1. Sie lernen sich neu kennen

Pflege kann zermürben, überfordern, ungeduldig und wütend machen. Vielleicht ist Ihre Beziehung auch dadurch belastet, dass Sie Ihren Angehörigen zuhause pflegen und sehr viel Zeit mit ihm verbringen. Das Heim bietet eine Möglichkeit, sich neu kennenzulernen. Wenn Sie vorbeikommen, tun Sie das nicht zum Bügeln, Waschen oder Fußnägelschneiden – sondern einfach, um zu reden oder eine Runde Scrabble zu spielen.

Anke Gersmann
Meine Erfahrung

Ich habe zehn Jahre gebraucht, um meinen Mann in ein Heim geben zu können. Er war nach einem Schlaganfall pflegebedürftig. Irgendwann war ich selbst körperlich und psychisch am Ende. Als er ins Heim gezogen ist, hätte ich ihn am liebsten direkt wieder mit nach Hause genommen. Heute denke ich mir: Warum nicht eher? Er fühlt sich dort sehr wohl. Wir können viel entspannter miteinander umgehen, da es nur noch um gemeinsame Zeit geht und nicht mehr um den anstrengenden Pflegealltag. Ich bin jetzt wieder frei und selbstbestimmt. Deshalb habe ich kein schlechtes Gewissen, egal, was die Leute reden.

Anke Gersmann, begleitet ihren Mann im Pflegeheim
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2. Neue Seiten, alte Hobbys

Sitzgymnastik, Bastelrunde oder Kaffeeklatsch am Nachmittag: In Pflegeheimen gibt es oft Beschäftigungs- und Freizeitangebote. Manchmal entdecken Senioren dort neue Interessen und damit unbekannte Seiten an sich. Oder es kommt wieder die Freude an alten Hobbys auf: Vielleicht interessiert sich eine demenzkranke Bewohnerin dann plötzlich wieder fürs Malen oder beginnt auf einmal im Chor zu singen.

3. Fachleute am Werk

Wenn Sie lange zuhause gepflegt haben, sind Sie wahrscheinlich in vielen Pflege-Dingen ein Profi: etwa im Waschen, im Lagern oder im Wechseln von Inkontinenzeinlagen. Trotzdem kann die Versorgung im Pflegeheim besser sein. Machen Sie sich bewusst: Dort ist Fachpersonal am Werk. Manchmal kommen Augen- und Zahnärzte direkt ins Pflegeheim. Pflegekräfte kümmern sich gemeinsam mit dem Apotheker um die Versorgung mit Medikamenten und achten auch auf Nebenwirkungen.

Pflegekennerin Christina Linke
Meine Erfahrung

Meine Mutter lebt im Betreuten Wohnen, mein Vater in der vollstationären Pflege. Meine Besuche sind nicht so sehr mit Pflichten verbunden. Wir essen Torte, schauen Fotos an, gucken, was die Tomaten auf dem Balkon so machen und gehen spazieren. Meine Eltern sind mit ihren unterschiedlichen Bedürfnissen gut in der Einrichtung aufgehoben. Das Freizeitangebot ist abwechselungsreich – meine Eltern nehmen mit viel Freude daran teil.

Christina Linke, kümmert sich um ihre Eltern
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4. Andere Möglichkeiten

Pflegeheime bieten nicht nur eine medizinische Versorgung. Sie haben oft ganz andere Möglichkeiten als Privatpersonen. Gerade Demenzkranken wird viel geboten: Aromabäder, Gruppen-Aktivitäten oder tiergestützte Therapien. Mit regelmäßigen Mahlzeiten und den richtigen Medikamenten kann sich auch der Gesundheitszustand verbessern.

5. Gegen die Einsamkeit

Wer im Pflegeheim wohnt, hat automatisch mehr soziale Kontakte. Es gibt viele Möglichkeiten, sich mit anderen auszutauschen: Das können die gemeinsamen Mittagessen sein, der Kaffeeklasch mit der Zimmernachbarin oder die Gespräche mit der Lieblings-Pflegekraft. 

Text: Elsbeth Bräuer, 29.04.2019
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