Ich pflege
Pflegekennerin Rosel Klein

Und plötzlich fällt man aus dem Leben heraus"

Rosel Klein pflegt ihren Mann.

Ich pflege...

meinen Mann. Es ging ganz plötzlich. Wir wollten unseren Lebensabend in einer neuen Wohnung verbringen. In der Nacht nach dem Umzug dann der Herzstillstand. Und plötzlich fällt man aus dem Leben heraus. Äußerlich ist meinem Mann nichts anzumerken.

Er braucht bei vielem Hilfe, weil der Abruf aus dem Gedächtnis nicht mehr richtig funktioniert. Gespräche vergisst er schnell, ihm fehlt die zeitliche Orientierung. Ich muss seinen Tagesablauf regelrecht dirigieren.

Das fällt mir schwer

Für mich ist das Schlimmste, dass man nicht mehr so viel gemeinsam unternehmen kann. Außerdem sind viele Kontakte abgebrochen. So fühlt man sich schon manchmal einsam.

Das gibt mir Kraft

Mein Mann ist mir dankbar. Er sagt oft: "Wenn ich dich nicht hätte, müsste ich ins Heim!" Was mich auch glücklich macht: Kognitiv gibt es bei meinem Mann immer wieder kleine Verbesserungen.

Mein Tipp für andere

Die Tagespflege in Anspruch nehmen! Anfangs wollte mein Mann nicht hin – da sind nur alte Leute, sagte er. Es ist mir schwergefallen, ihn abzugeben. Man hat ja immer noch das Bild des Menschen vor sich, der er mal war. Und denkt, man selbst hat alle Kraft der Welt. Aber das ist leider nicht so. Heute genieße ich die zwei Tage Auszeit und mein Mann geht gerne dorthin, weil so etwas Abwechslung in sein Leben kommt.

Protokoll: Elsbeth Bräuer, aktualisiert am 21.10.2019
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Markus Oppel
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