Alltag meistern

Wieder gern essen: Tipps gegen Mangelernährung

Pflegebedürftige Senioren verlieren oft rasch an Gewicht - das kann gefährlich sein. So können Sie gegensteuern

Ältere, pflegebedürftige Menschen leiden oft an einer Mangelernährung. Ganze 13 Prozent sind es von denen, die zuhause versorgt werden, so eine Studie im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Das kann viele Gründe haben: Viele Senioren verlieren den Appetit, weil sie schlechter schmecken und riechen können als früher. Der Magen entleert sich langsamer und meldet schon nach kleinen Portionen: Ich bin satt! Schuld sind oft auch Probleme beim Schlucken und Kauen. Menschen mit Demenz vergessen manchmal, zu essen.

Wie erkenne ich eine Mangelernährung?

Typische Warnzeichen: Jemand verliert schnell an Gewicht, wird antriebslos oder bekommt ein hageres Gesicht. Schalten Sie unbedingt den Arzt ein, um abzuklären, was dahintersteckt. Eine Mangelernährung kann dazu führen, dass jemand noch mehr Pflege braucht als ohnehin schon. Ältere Menschen werden dann etwa anfälliger für Krankheiten, haben ein höheres Risiko zu stürzen und erholen sich nach schweren Erkrankungen schlechter. Sprechen Sie mit einem Arzt oder einer Pflegefachkraft, wenn Sie sich Sorgen machen!

Mangelernährung ist gefährlich. So können Sie rechtzeitig gegensteuern:

Viel bewegen

Möglichst an der frischen Luft - ein Spaziergang macht Appetit.

Alle Sinne ansprechen

Blumen, schönes Geschirr und eine Tischdecke machen das Essen rundum schön. Gemüse und Obst sorgen für Farbe auf dem Teller. Nur kurz in wenig Wasser garen, dann bleiben Vitamine und Mineralstoffe erhalten.

Kräftig würzen

Im Alter verändert sich das Riechen und Schmecken, ältere Menschen nehmen Salziges und Würziges oft schwächer wahr. Greifen Sie deshalb aber nicht zum Salzstreuer. Besser: gesunde Kräuter und Gewürze.

Dr. Vetter
Meine Erfahrung

"Es fehlt Ihnen der Appetit? Gemeinsam schmeckt es besser! Verabreden Sie sich mit dem Nachbarn oder einer Freundin!"

Dr. Michael Vetter von der Suso-Apotheke in Konstanz

Genug trinken

Etwa 1,5 Liter täglich - es sei denn, der Arzt empfiehlt etwas anderes. Wem Wasser zu langweilig ist, kann zu Kräuter- und Früchtetees oder Säften greifen. Auch alkoholfreies Bier ist gut geeignet, weil es schmeckt und viele Nährstoffe liefert.

Lieber fünf- statt dreimal am Tag essen

Dann kommt man auch mit kleinen Portionen auf die Tageskalorien.

Fetter kochen

Wer eher wenig isst, darf ruhig mit Butter und Sahne kochen. Gesunde Fettsäuren liefern pflanzliche Öle wie Oliven- oder Rapsöl.

Smoothies

Mit Trinkmahlzeiten aus pürierten Früchten kommt man schnell an Extrakalorien. Schmelzflocken und Pflanzenöle wie Oliven- oder Rapsöl steuern gesundes Eiweiß sowie Fett bei.

Trinknahrung aus der Apotheke

Sie hilft dabei, Nährstoffdefizite auszugleichen. Vier bis sieben Fläschchen decken den Tagesbedarf an Kalorien, Vitaminen und Mineralstoffen. Es gibt sie in verschiedenen Geschmacksrichtungen, in Pulverform kann man damit auch Speisen anreichern. Gerade für Menschen mit Schluckstörungen gibt es Spezialprodukte. Sprechen Sie Ihren Apotheker darauf an! Wer nicht oder nicht ausreichend essen kann, kann vom Hausarzt eine Standard-Trinknahrung verordnet bekommen, wenn alle anderen Maßnahmen nicht greifen. Eine Zuzahlung wird aber fällig.

Gemeinsam essen

Unter Menschen macht Essen oft mehr Spaß. Viele Gemeinden und Wohlfahrtsverbände organisieren Mittagstische.

Prothesen überprüfen

Sitzen sie richtig? Der Zahnarzt kann gegebenenfalls mit einer kleinen Korrektur nachbessern. Am besten hingehen, bevor sich Druckstellen bilden.

Ihr Angehöriger hustet oft, würgt, verschluckt sich beim Essen oder spricht mit belegter oder gurgelnder Stimme?

Dahinter kann eine Schluckstörung stecken. Gehen Sie zum Arzt! Er kann an spezialisierte Logopäden überweisen, die beim Schlucktraining helfen und Tipps geben, wie sich das Essen anpassen lässt. Für Menschen mit Kau- und Schluckstörungen eignet sich etwa püriertes Essen. Hier finden Sie gute, gesunde Rezepte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung.

Text: Heidi Loidl, 27.05.2019
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