Anträge stellen

Zeitweise im Heim betreut: Kurzzeitpflege

Wenn Ihr Angehöriger eine Zeit lang nicht mehr zuhause betreut werden kann, gibt es eine Übergangslösung: die Kurzzeitpflege.

Wann kommt die Kurzzeitpflege für uns in Frage?

Bei der Kurzzeitpflege wird der pflegebedürftige Mensch nicht zuhause betreut, sondern in einer stationären Einrichtung. Dafür fallen Kosten an. Einen Teil zahlt die Pflegekasse, einen Teil müssen Sie selbst zahlen.

Kurzzeitpflege kann notwendig sein, wenn Sie als Pflegeperson z.B. selbst im Krankenhaus oder in der Reha sind oder gerade Urlaub machen. Oder in der Übergangszeit, wenn die pflegebedürftige Person aus dem Krankenhaus entlassen wurde und das Zuhause erst noch barrierefrei umgebaut werden muss. Warum Sie die Kurzzeitpflege nutzen möchten, ist egal – Sie müssen keinen Grund angeben.

Die Voraussetzung:

Ihr Angehöriger muss mindestens Pflegegrad 2 haben oder einen Anspruch auf Übergangspflege. Das heißt, dass er z.B. nach einem Krankenhausaufenthalt auf Hilfe angewiesen ist und sich zuhause keiner um ihn kümmern kann.

Lisa Bauernfreund
Meine Erfahrung

Seit sieben Jahren pflege ich meinen Vater. Unsere Familie versucht schon, ihn überall einzubinden - aber zum Schifahren oder Wandern kann ich ihn nicht mitnehmen. Die Kurzzeitpflege ist da eine gute Möglichkeit. Man muss eine gute Einrichtung finden, bei der man seinen Angehörigen gerne hinbringt. Das Gefühl des Abschiebens hat man nur bei schlechten Einrichtungen – manchmal hat das auch für die pflegebedürftige Person einen Urlaubscharakter! Leider gibt es viel zu wenige Plätze. Ich würde mir wünschen, dass Kurzzeitpflege einen höheren Stellenwert hätte.

Lisa Bauernfreund, pflegt ihren Vater und hat sich mit einer Unterschriftenaktion für mehr Kurzzeitpflege-Plätze stark gemacht

Wie funktioniert das praktisch?

Stellen Sie einen Antrag auf Kurzzeitpflege bei der Pflegekasse Ihres Angehörigen. Manche Kassen handhaben das unbürokratisch – dann können Sie einfach telefonisch Bescheid geben, dass Ihre Mutter ab übermorgen zehn Tage in einer Einrichtung bleibt. Erkundigen Sie sich, wie das bei Ihrer Kasse abläuft!

Verschaffen Sie sich einen Überblick, welche Einrichtungen es in der Nähe gibt. Bei der Pflegekasse bekommen Sie Listen mit Anbietern, auch eine Online-Suche kann weiterhelfen (z.B. bei "Pflegelotse", "Pflegeberatung" oder "Pflegenavigator"). Auch städtische Beratungsstellen oder Pflegestützpunkte können unterstützen. Fangen Sie so früh wie möglich an, die Liste mit Einrichtungen durchzutelefonieren. Die meisten Heime sind über viele Monate hinweg ausgebucht.

Wichtig: Damit die Pflegeversicherung die Kosten übernimmt, muss die Pflegeeinrichtung von der Kasse anerkannt sein. Wenn Sie sich nicht sicher sind, fragen Sie beim Heim nach: "Haben Sie einen Versorgungsvertrag?"

Wenn die pflegebedürftige Person gerade aus dem Krankenhaus kommt: Sprechen Sie mit dem Kliniksozialdienst. Die Krankenhäuser müssen dafür sorgen, dass die Person auch nach dem Krankenhaus-Aufenthalt versorgt ist. Wenn jemand noch nicht zuhause betreut werden kann, müssen sie Ihnen bei der Suche nach Kurzzeitpflege-Plätzen helfen.

Was zahlt die Kasse, wofür muss ich selbst zahlen?

  • Die Kasse zahlt für die Kurzzeitpflege 1612 Euro im Jahr für alles, was mit der Pflege zu tun hat – das sind zum Beispiel die Kosten für das Pflegepersonal, die Betreuung oder den Verbandswechsel. Theoretisch können Sie Ihren Angehörigen damit bis zu maximal vier Wochen unterbringen. "Praktisch reicht das Budget aber meist nur für zwei, drei Wochen", sagt Gudula Wolf von der AWO Online-Pflege- und Seniorenberatung. Heim und Kasse rechnen in der Regel miteinander ab. Es stehen immer 1612 Euro zur Verfügung – egal, ob es um Pflegegrad 2, 3, 4 oder 5 geht.
  • Selbst zahlen muss man Unterkunft, Verpflegung und die Investitionskosten – das sind Kosten, die der Betreiber hat, um das Heim in Stand zu halten und ggf. zu renovieren. Nach dem Aufenthalt bekommen Sie eine Rechnung. Für diese Kosten können Sie den Entlastungsbetrag von 125 Euro einsetzen, wenn Sie ihn noch nicht verbraucht haben. Sie bezahlen die Rechnung und schicken eine Kopie an die Kasse, die erstattet Ihnen den Betrag, der noch zur Verfügung steht. Sie können auch eine Abtretungserklärung unterschreiben: Dann kümmert sich das Heim selbstständig um die Abrechnung mit der Kasse.
  • Für die Zeit, die jemand in der Kurzzeitpflege ist, zahlt die Kasse bis zu acht Wochen lang die Hälfte des Pflegegeldes weiter. Am ersten und letzten Tag in der Kurzzeitpflege bekommt man das Pflegegeld noch in voller Höhe.

Abtretungserklärung im Heim

Wenn Sie eine Abtretungserklärung unterschreiben, kann das Heim selbst mit der Kasse abrechnen. Der Vorteil: Sie haben weniger mit der Bürokratie zu tun. Wenn Sie das möchten, kann das Heim etwa Ihren Eigenanteil mit dem Entlastungsbetrag verrechnen. Der Nachteil: Sie wissen nicht, was abgerechnet wurde. Erkundigen Sie sich also auf jeden Fall bei der Pflegekasse, wie viel des Budgets verbraucht wurde und was noch übrig ist.

Wie bekomme ich mehr Geld für die Kurzzeitpflege?

Sie können einen anderen Budget-Topf dazu nehmen, wenn der nicht schon aufgebraucht wurde: die Verhinderungspflege. Alles, was davon noch übrig ist, lässt sich für die Verhinderungspflege einsetzen.

Für Kurzzeitpflege gibt es 1612 Euro, für die Verhinderungspflege noch mal 1612 Euro. Wenn Sie die Verhinderungspflege also nicht nutzen, haben Sie insgesamt 3224 Euro im Jahr für die Kurzzeitpflege zur Verfügung. Statt bis zu vier Wochen können Sie Ihren Angehörigen dann bis zu acht Wochen in einem Heim versorgen lassen.

Sprechen Sie Ihre Pflegekasse und auch das Heim darauf an. Bei manchen Kassen muss das beantragt werden – andere machen das automatisch, wenn der Kurzzeitpflege-Topf leer ist und aufgestockt werden muss.

Leider gibt es viel zu wenige Kurzzeitplätze. Gerade für akute Situationen und kurze Zeiträume ist es schwer, einen Platz zu finden: Für viele Heime lohnt es sich wegen der Bürokratie nur, wenn ein Mensch mehrere Wochen bleibt. Besonders schwierig ist es in den Urlaubszeiten, also im Sommer und in den Winterferien. Auch für junge Erwachsene mit einer Behinderung ist es oft schwierig, einen Platz in einer passenden Einrichtung zu finden.

In wenigen Regionen gibt es Online-Plattformen, auf denen man sehen kann, wo gerade ein Kurzzeitpflege-Platz frei ist. Im Rhein-Kreis Neuss in Nordrhein-Westfalen gibt es zum Beispiel eine App dazu. Ein Modellprojekt aus Baden-Württemberg aktualisiert ebenfalls täglich freie Plätze.

Fachliche Beratung:
Gudula Wolf, AWO Online- Pflege- und Seniorenberatung
Tina Land, Compass Pflegeberatung
Daniela Kowalzyk, AOK Bayern

Text: Elsbeth Bräuer, 30.04.2019
Lesen Sie auch:
nach oben