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Coronavirus: Worauf Senioren achten sollten

Das Coronavirus kursiert in ganz Deutschland. Warum sich besonders ältere Menschen vor Ansteckung schützen sollten.

von Orla Finegan, aktualisiert am 27.05.2020

Das neuartige Coronavirus mit dem Namen 2019-nCoV oder SARS-CoV-2, ist erst seit Ende Dezember bekannt. 
Vermutlich sprang das Virus in der chinesischen Provinz Hubei auf einen Menschen über, von dort verbreitete es sich per Tröpfcheninfektion über den Globus. Aktuell sind laut WHO über 5.400.000 Menschen weltweit erkrankt, in Deutschland wurden schon über 179.000 Patienten positiv auf die Corona-Viren getestet (Stand 27.05.2020). Hier veröffentlicht das Robert Koch-Institut laufend Informationen über den aktuellen Stand.

Obwohl noch nicht alles über das Virus bekannt ist, zeigt sich doch: Die meisten Erkrankten sind über 30 Jahre alt, Kinder bleiben weitestgehend verschont. Für mehr als 80 Prozent der Infizierten ist die Krankheit nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht gefährlich. Sie spüren Erkältungssymptome wie Halsschmerzen und Fieber. Die Statistik zeigt aber auch: Für über 60-Jährige wird die Krankheit zunehmend gefährlicher: Bei den über 80-jährigen Erkrankten liegt laut Zahlen aus China das Risiko für Todesfälle durch das Corona-Virus am höchsten, berichtet das Robert Koch Institut.

Dr. Andreas Leischker, Impfexperte der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) sowie Chefarzt der Klinik für Geriatrie des Alexianer-Krankenhauses Krefeld und Professor Michael Pfeifer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin e.V. (DGP), haben die wichtigsten Fragen beantwortet:

Warum ist das Coronavirus für ältere Menschen so gefährlich?

Ältere Menschen sind allein aufgrund ihres Alters stärker gefährdet als junge Menschen. Schon ab einem Alter von 50 Jahren arbeiten die Abwehrkräfte nicht mehr so gut. Kommen Vorerkrankungen hinzu, fällt es dem Körper noch schwerer, das Virus zu bekämpfen. Das Coronavirus greift die Atemwege an und löst bei einem schweren Verlauf eine Lungenentzündung aus. Für Senioren und Seniorinnen kann das tödlich enden.

Risikogruppe Senioren: Welche Vorerkrankungen sind problematisch?

Besonders gefährdet ist, wer zum Beispiel nach einer Organtransplantation Medikamente nehmen muss, die eine Abstoßung verhindern – denn diese schwächen das Abwehrsystem. Auch Menschen mit schweren chronischen Krankheiten, etwa der Lungenkrankheit COPD, einem schlecht eingestellten Diabetes oder einer Nierenschwäche, sind besonders gefährdet. Auch pflegebedürftige Personen müssen besonders geschützt werden.

Corona: Wie sollen sich Senioren und Seniorinnen jetzt verhalten?

Das wichtigste ist die Hygiene: Waschen Sie regelmäßig mindestens 30 Sekunden lang die Hände und seifen Sie auch Daumen, Fingerzwischenräume und Nägel gut ein. Tauschen Sie benutze Taschentücher sofort aus und fassen Sie sich so wenig wie möglich ins Gesicht. Auf Türklinken, Einkaufswägen oder an Haltestangen im Bus finden sich besonders viele Viren und Bakterien – waschen Sie sich gründlich die Hände, wenn Sie draußen waren.

Prinzipiell sollten Sie zur Zeit Abstand zu Menschen einhalten, die nicht in Ihrem Haushalt leben: mindestens 1,5 bis 2 Meter. Das gilt auch, wenn Freunde oder Verwandte vorbeikommen, weil diese vielleicht Ihre Einkäufe erledigen. Das Virus kann schon ansteckend sein, bevor die Krankheit ausbricht. Leider bedeutet das, dass Sie auch Enkel und andere Kinder vorerst meiden sollten.

Legen Sie außerdem eine Notfallmappe bereit. Diese sollte enthalten: Arzneiliste; Impfpass; Handynummer von Kontaktpersonen; Patientenverfügung; Hinweis, falls Sie sich um eine pflegebedürftige Person kümmern.

So schützen Sie sich vor einer SARS-CoV-2-Infektion:

  • Halten Sie mindestens 1,5 bis 2 Meter Abstand zu anderen Menschen und meiden Sie Menschenansammlungen.

  • Waschen Sie sich gründlich (mindestens 30 Sekunden mit Seife) und oft die Hände und versuchen Sie, sich nicht ins Gesicht zu fassen.
  • Verzichten Sie auf Händeschütteln, Umarmungen oder Küsschen zur Begrüßung.
  • Bitten Sie Angehörige oder Nachbarn, Einkäufe für Sie zu erledigen oder versuchen Sie, nur einmal in der Woche in den Supermarkt zu gehen.
  • Verschieben Sie den Besuch von Kindern und Enkeln, bis sich die Lage beruhigt hat.
  • Meiden Sie öffentliche Verkehrsmittel.
  • Das Corona-Virus legt sich ähnlich wie eine Erkältung auf die Rachenräume und die Lunge. Was also im Kampf gegen eine Erkältung hilft, kann auch gegen Corona unterstützen: Regelmäßig lüften und die Schleimhäute feucht halten.
  • Komplettieren Sie Ihre Impfungen.

Was pflegende Angehörige wissen müssen

Zuhause pflegen ist in Corona-Zeiten oft doppelt schwer. Einerseits gehören pflegebedürftige Menschen zur Risikogruppe und müssen besonders geschützt werden. Andererseits brechen Angehörigen gerade viele Unterstützungsangebote weg – etwa Tagespflegen, Kurzzeitpflegeplätze oder Selbsthilfegruppen. Auch Handschuhe und Desinfektionsmittel sind oft schwer zu bekommen. Pflegebegutachtungen des Medizinischen Dienstes finden vorübergehend per Telefon statt. Was Angehörige tun können, haben wir hier für Sie zusammengefasst. Speziell in Bezug auf Demenz können diese Tipps helfen. Auf unserer Plattform www.an-deiner-seite.de finden Sie allgemein Tipps und Erfahrungsberichte rund um den Alltag in der Pflege.

Wann und wie kann man sich testen lassen?

Wer bei sich oder bei seinem Partner Symptome bemerkt, sollte nicht zu seinem Hausarzt gehen, sondern in der Praxis anrufen und besprechen, ob ein Test sinnvoll ist, ob er in die Praxis kommen sollte oder ob der Arzt eventuell einen Hausbesuch macht. Typische Symptome sind: trockener Husten, Fieber und Atemnot. Sie können auch den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 anrufen.

Jetzt abonnieren – unser Podcast zum Thema:

PCR- oder Antikörpertests: Wie unterscheiden sich die unterschiedlichen Tests, die in der Corona-Pandemie eingesetzt werden? Wie zuverlässig sind diese überhaupt? Das beantwortet Dr. Marc Becker.

Jetzt noch gegen Pneumokokken, Grippe und Keuchhusten impfen – bringt das was?

Die STIKO rät Menschen ab 70, Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen und Menschen mit eingeschränktem Immunsystem im Zuge der Corona-Ausbreitung zur Pneumokokken-Impfung. So können mögliche Komplikationen einer Corona-Infektion abgemildert werden. Genau wie Corona-Viren können Pneumokokken eine Lungenentzündung auslösen.

Für Grippe und Keuchhusten gilt: Wer geimpft ist, ist besser vor schweren Atemwegserkrankungen geschützt. Die Ständige Impfkomission der Bundesregierung (STIKO) empfiehlt Menschen ab 60 diese Impfungen ganz generell.

Kostenloser Download

Auf unserem leicht verständlichen Plakat werden die wichtigsten Fakten zum Coronavirus erklärt: Vom richtigen Händewaschen bis wie wird der Erreger übertragen und wie erkenne ich eine Ansteckung. Das Plakat steht als A4 download kostenlos zur Verfügung.
Hier gibt es das Plakat auch noch in englischer, türkischer und arabischer Sprache.

Lieferengpässe – verstärkt sich das Problem durch das Corona-Virus?

Viele Medikamente, die Patienten in Deutschland einnehmen, stammen aus China oder Indien. Durch den Corona-Ausbruch stehen gerade in China viele Fabriken still. Mit Lieferengpässen aufgrund von Corona ist trotzdem frühestens im Herbst zu rechnen – und auch nur, wenn andere Hersteller nicht rechtzeitig reagieren und die Ausfälle ausgleichen. Lieferengpässe sind in deutschen Apotheken aber schon seit Jahren ein Thema. Die Corona-Epidemie könnte vielleicht sogar den positiven Nebeneffekt haben, dass sich die Politik intensiver um Lösungen kümmert.


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