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Achtung, Lungenentzündung: So beugen Sie vor

Wie Sie möglichen Erregern aus dem Weg gehen und mehr Luft in Ihr Atmungsorgan bringen.

von Elke Schurr, 04.02.2019
Frau streckt sich am Fenster

Drei Dinge spielen bei der Entwicklung einer Lungenentzündung oder Pneumonie eine Rolle: Kontakt mit Keimen, eine geschwächte Abwehr und eine schlechte Lungenbelüftung. An allen drei Stellschrauben lässt sich drehen, um vorzubeugen. Vor allem ältere Menschen sollten das beherzigen. Immerhin trifft es mehr als eine halbe Million Frauen und Männer jährlich in Deutschland, Erkrankungen in der Klinik noch gar nicht mitgerechnet. Die traurige Statistik: Die Lungen­entzündung zählt unter den Infek­­tionskrankheiten zu den häufigsten Todesursachen.

Die Auslöser einer Lugenentzündung:

Pneumokokken: Bis zu 80 Prozent der Lungenentzündungen werden von Bakterien verursacht, am häufigsten von Pneumokokken.
Viren und Bakterien: Auch Grippeviren können Pneumonien hervorrufen. Oft gesellen sich Bakterien dazu: ein Doppelangriff auf die Lunge.  
Verschluckte Fremdkörper können – häufig bei Schluckstörungen – in die Bronchien gelangen und dort zu einer Lungenentzündung führen.
Vorerkrankungen: COPD oder Asthma begünstigen eine Entzündung der Lungenbläschen. Auch Diabetes,  Herzerkrankungen oder Tumorleiden können eine Pneumonie befeuern. 

Ansteckung vermeiden

Bakterien, wie etwa Pneumokokken, lösen am häufigsten eine Pneumonie aus. Sie oder andere mögliche Erreger befallen die Atemwege und bewirken, dass sich die Lungenbläschen entzünden und häufig immer mehr Schleim und Flüssigkeit entsteht. Die Lungenbläschen sind der Ort, an dem der Gas­­austausch stattfindet: Hier geht der Sauerstoff ins Blut, und hier nimmt das Kohlendioxid den Weg zurück, um ausgeatmet zu werden. Sind die Bläschen jedoch angefüllt mit Entzündungszellen, Bakterien und Viren, beeinträchtigt das den Gas­austausch. Der Betroffene erkrankt, und das mehr oder weniger schwer – je nach Art der Erreger und abhängig vom Alter und Gesundheitszustand des Patienten. Raucher sind besonders gefährdet. Gerade jetzt in der Erkältungszeit sollten Ältere deshalb die typischen Infektionsquellen so gut es geht meiden. Dazu gehört, "peinlichst genau auf die Händehygiene zu achten", rät der Internist und Lungenfachmann Dr. Peter Kardos aus Frankfurt. Die ­Erreger sitzen überall: auf Türklinken, Haltegriffen oder Einkaufswägen. Ob nach einer Bahnfahrt, einem Einkauf oder einem Konzert: Waschen Sie sich nach jedem Außenkontakt die Hände gründlich mit Seife, 20 Sekunden lang! Und sehen Sie besser von einem Besuch der verschnupften Cousine oder des erkälteten Enkels ab. "Meiden Sie insbesondere Menschen, die bereits eine Lungenentzündung haben", rät Kardos. "Die Ansteckungsgefahr ist einfach zu groß."

Lunge

Die Abwehr stärken

Vor allem sollten Senioren ihr Abwehrsystem auf Vordermann bringen. "Lassen Sie sich impfen!", mahnt Kardos. Für den Lungenexperten die erste Pflichtübung zum Winteranfang. Die alljährliche Grippeimpfung können alle ab 60 beim Hausarzt vornehmen lassen. Die Spritze wappnet einen besser gegen Grippeviren, die gerade Ältere häufig schnell schachmatt setzen. Denn wenn die Bronchien erst mal entzündet sind, haben Bakterien ein leichteres Spiel – eine Lungenentzündung kann die Folge sein. Gesunden wie chronisch kranken Senioren, vor allem mit COPD und Asthma, empfehlen Ärzte außerdem, sich gegen Pneumokokken impfen zu lassen. Das kann jederzeit, also un­abhängig von der Jahreszeit, erfolgen. "Vom Impfstoff hängt es ab", betont Lungenfachmann Kardos, "ob und wann Sie die Impfung wiederholen sollten. Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt dazu beraten." Und noch eine andere Abwehrstrategie sollten Ältere nicht unterschätzen: Wer sich körperlich betätigt, steigert nicht nur die Immunkraft, sondern auch seinen Bedarf an Sauerstoff. "Dadurch wird die Lunge besser belüftet", ermuntert Kardos. Also immer raus ins Freie und viel spazieren gehen! Nicht umsonst ist die Gefahr einer Pneumonie bei bettlägerigen Menschen größer. Im Liegen atmet man flacher. Die tieferen Bereiche der Lunge werden weniger belüftet, Schleim sammelt sich an – ein idealer Nährboden für Keime.

Atemwege frei räumen

Wer bereits erkältet ist, sollte aus diesem Grund alles tun, um die Atemwege wieder frei zu bekommen. Hustenlöser und Inhalationen können dabei helfen. "Halten Sie die Schleimhäute feucht, damit sich Erreger nicht festsetzen", erklärt Apothekerin Annika Schulze aus Goslar. "Lüften Sie regelmäßig, denn Heizungsluft trocknet aus. In hartnäckigen Fällen empfiehlt die Apothekerin Inhalationen mit Kochsalzlösung. "Das klappt mit einem Vernebler, den man sich in der Apotheke ausleihen kann. Er befeuchtet die Atemwege und löst gut den Schleim." Befreien Sie gegebenenfalls Ihre verstopfte Nase für einige Tage mit abschwellenden Sprays, damit Sie nicht ausschließlich durch den Mund atmen. Über diesen Weg fließt kalte, ungefilterte, trockene Luft in die Lungen. Die Nasenschleimhaut dagegen mit ihren Flimmerhärchen erwärmt, befeuchtet und reinigt die Luft und bewahrt so vor Infektionen. "Die Nasenatmung hat eine besondere Schutzfunktion", bestätigt Sabine Weise, Physio- und Atemtherapeutin aus München. Mit ihren Übungen (s. Bildergalerie) lässt sich dieser Atemweg besonders pflegen. Sie stärken zudem die Atemmuskulatur, damit auch die unteren Bronchien mit genug Luft versorgt werden.


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