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Zahl der Demenzkranken steigt

Mit höherem Alter wächst das Risiko einer Demenzerkrankung. Jeder kann aber viel tun, um sich davor so gut wie möglich zu schützen, berichtet die Weltgesundheitsorganisation.

von dpa, 06.09.2021
Seniren schaut sich alte Fotos an

Die Zahl der Demenzkranken wird nach einer Studie der
  Weltgesundheitsorganisation (WHO) rasant steigen. Bis 2030 dürften 
rund 40 Prozent mehr Menschen weltweit mit Demenz leben als heute.
Betroffen waren 2019 nach Schätzungen weltweit etwa 55 Millionen
  Menschen, wie die WHO am Mittwoch in Genf berichtete. In Deutschland
 leben nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums etwa 1,6
 Millionen Menschen mit Demenz.

Die positive Botschaft: Viele Menschen könnten ihr Risiko, an Demenz
 zu erkranken, deutlich reduzieren, etwa durch einen gesünderen
 Lebensstil, gute Schulbildung und intakte Sozialkontakte.
"Schulbildung baut Hirnreserven auf", sagte WHO-Expertin Katrin
 Seeher in Genf. Als Risikofaktoren für Demenz nannte sie Übergewicht,
 Bluthochdruck, Diabetes, Depressionen und soziale Isolation. Rauchen
 und Alkohol trinken gehören nach WHO-Angaben ebenfalls dazu. Auch ein 
Schutz des Gehirns, etwa bei bestimmten Aktivitäten Helmen tragen,
dämme das Risiko von Demenz ein, sagte Seeher.

Einer der Hauptgründe für die steigenden Zahlen ist die Tatsache,
 dass Menschen dank besserer Lebensbedingungen deutlich älter werden
als frühere Generationen. Mit dem Alter steigt generell das Risiko
 nicht übertragbarer Krankheiten, darunter Demenz. "Demenz raubt
 Millionen Menschen das Gedächtnis, die Unabhängigkeit und die Würde,
 aber sie raubt uns anderen auch die Menschen, die wir kennen und 
lieben", sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Demenz ist meist eine fortschreitende Krankheit, in deren Verlauf
 Betroffene kognitive Fähigkeiten verlieren, etwa beim Gedächtnis, der 
Orientierung und der Sprache, dem Verstehen, Lernen, Planen und
 Einschätzen. Auch die emotionalen und sozialen Fähigkeiten können 
langsam verloren gehen. Dies passiert öfter mit fortschreitendem 
Alter, aber Krankheiten oder Verletzungen können auch Veränderungen 
im Gehirn und damit Demenz auslösen, darunter Schlaganfälle, Unfälle
 oder die Alzheimer-Krankheit.

Die meisten Länder seien auf die wachsende Zahl von Demenzkranken 
nicht genügend vorbereitet, so die WHO. "Die Welt lässt Menschen mit 
Demenz im Stich", sagte Tedros. Es müsse mehr getan werden, um
 Betroffene bei einem Leben in Würde zu unterstützen und Betreuerinnen
 und Betreuer nicht allein zu lassen. "Menschen mit Demenz sowie ihre
 Familien und Betreuerinnen und Betreuer erleben Diskriminierung
 aufgrund des Alters, Stigma und soziale Ausgrenzung. Das darf in
 unseren Gesellschaften keinen Platz haben", so die WHO.

Die WHO stellt die seit 2019 in Deutschland entwickelte nationale
 Demenzstrategie als gutes Beispiel vor. Sie soll dafür sorgen, dass
 Menschen mit Demenz "in der Mitte der Gesellschaft" bleiben, wie es 
darin heißt. Sie lobt auch die regionalen Alzheimer-Gesellschaften
für ihren Einsatz während der Corona-Pandemie. Sie hätten 
Informationsmaterial, Podcasts und Videos erstellt, um Menschen mit 
Demenz und ihre Betreuer in der Zeit zu unterstützen.

Das Interesse an der Erforschung von Medikamenten gegen Demenz sei
 nach vielen enttäuschenden klinischen Studien gesunken, schreibt die
 WHO. Allerdings hätten die USA beispielsweise ihre jährlichen 
Investitionen in die Alzheimer-Forschung von 631 Millionen Dollar
 2015 auf 2,8 Milliarden Dollar (rund 2,4 Mrd Euro) 2020 ausgeweitet.