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Bei Rheuma auch ans Herz denken

Die Entzündungen betreffen nicht nur die Gelenke, sondern oft auch die Herzgefäße. Wie Sie Ihr Herz schützen.

von Karin Priehler, 01.11.2021
Rheuma und Herzerkrankungen vorbeugen

Wer Rheuma hat, setzt meist auf mehrere Therapiebausteine: Medikamente, die das Voranschreiten der Erkrankung aufhalten oder zumindest verlangsamen. Eine Physiotherapie, um Verspannungen zu lösen und die Gelenkigkeit zu fördern. Oder eine Ergotherapie, die einem hilft, den Alltag möglichst gelenkschonend zu meistern.

Herzgefäße leiden mit

Doch was viele Patientinnen und Patienten nicht wissen: Rheuma, speziell die rheumatoide Arthritis, greift nicht nur die Gelenke an. Die chronischen Entzündungen im Körper können auch andere Organe in Mitleidenschaft ziehen. Auch das Herz. Gefährdet sind vor allem die Arterien, die das Herz mit Sauerstoff und wichtigen Nährstoffen versorgen. Durch die entzündlichen Aktivitäten verkalken die Wände der Blutgefäße leichter. Das erschwert unter anderem den Blutfluss. Die möglichen Folgen der Arteriosklerose reichen bis zum Herzinfarkt.

Hinzu kommt, dass Menschen mit Rheuma häufiger an Diabetes, Übergewicht, Bluthochdruck und erhöhtem Cholesterin leiden. All dies erhöht zusätzlich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. So leiden laut der Deutschen Herzstiftung ältere Patienten mit rheumatoider Arthritis beispielsweise doppelt so häufig an einer Herzschwäche wie Gleichaltrige ohne Rheuma.

Eine gute Vorsorge ist für Rheumapatienten deshalb besonders wichtig. Die "Europäische Liga gegen rheumatische Erkrankungen" empfiehlt allen Betroffenen, mindestens alle fünf Jahre ihr Herz ärztlich untersuchen zu lassen. Für den Vorsorge-Check kann man auch zum
Hausarzt gehen. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten. Zum Screening gehört ein Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin, eine Blutdruckmessung und eine Blutabnahme, um Blutzucker und Blutfette zu überprüfen, sowie ein Urintest.

Basistherapie entscheidend

Bei den Untersuchungen geht es vor allem darum, "Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und optimal zu behandeln", sagt Dr. Daniel Dumitrescu, Kardiologe am Herz- und
Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen. Wenn sich Auffälligkeiten ergeben oder bereits Beschwerden vorliegen, sollte man diese von einem Kardiologen oder einer Kardiologin abklären lassen. Entscheidend ist aber eine individuelle und konsequente Einstellung der entzündungshemmenden Therapie, betont Experte Dumitrescu: "Je besser man die Entzündungsaktivität im Körper im Griff hat, desto besser sind Herz und Gefäße geschützt."

Bei manchen Beschwerden sollten Rheumapatienten jedoch hellhörig werden, raten die Experten. Zum Beispiel, wenn Menschen mit Rheuma sich mit Belastungen, die sie früher problemlos bewältigt haben, plötzlich sehr mühen. Auch bei plötzlichen Wassereinlagerungen oder bei einer starken, unerklärlichen Gewichtszunahme sollten sie  einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen und die Beschwerden beizeiten abklären lassen. Vorsicht: bei Brustschmerzen und plötzlicher Luftnot sofort den Notarzt rufen! Diese gelten als Warnzeichen für einen Herzinfarkt.

Neben regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen können Patientinnen und Patienten selbst viel tun, um den entzündlichen Prozessen entgegenzuwirken und die Gelenke und ihr Herz zu schützen.

Bewegen Sie sich:

Moderate und regelmäßige Bewegung ist für ein gesundes Herz unerlässlich. Bereits ein täglicher Spaziergang von zehn Minuten tut gut und senkt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Achten Sie auf Ihr Gewicht:

Wer das Gewicht im Blick behält, schont die Gelenke. Außerdem wirkt sich Normalgewicht positiv auf die Herzgesundheit aus.

Kontrollieren Sie Ihre Werte:

Bluthochdruck ist einer der größten Risikofaktoren für Herzkrankheiten. Idealerweise sollten die Blutdruckwerte unter 135 zu 85 mmHg liegen. Besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin, welche Werte für Sie optimal sind.

Gehen Sie zur Vorsorge:

Manche Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Diabetes und schlechte Cholesterinwerte kommen bei Menschen mit Rheuma häufiger vor. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Vorsorgetermine, bei denen diese Werte gemessen werden.

Inzwischen wissen Forscher: Auch eine gesunde, ausgewogene Ernährung spielt dabei eine Rolle. So fördert der regelmäßige Verzehr von Weißmehlprodukten, stark verarbeiteten Lebensmitteln und rotem Fleisch sogar Entzündungen.

Herzgesund essen

Antientzündlich wirken dagegen viel Gemüse, nicht zu süßes Obst sowie Nüsse und Öle, die gesunde Omega-3-Fettsäuren enthalten. Dazu gehören Lein-, Raps- und Walnussöl. Raffinierte Pflanzenöle wie Sonnenblumen-, Distel- oder Maiskeimöl liefern hingegen vor allem entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäuren.

Ebenfalls wichtig: Zu viel Salz kann den Blutdruck erhöhen. Große Mengen stecken zum Beispiel in Fertigprodukten und Konserven. Wer darauf verzichtet und beim Kochen frische Kräuter und Gewürze verwendet, tut seinem Herz ebenfalls viel Gutes.