Tipps zum Abnehmen über 65

Auch im höheren Lebensalter kann es sinnvoll sein, Übergewicht abzubauen. Ältere Menschen sollten besonders darauf achten, dabei nicht zu sehr an Muskelmasse zu verlieren

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 06.03.2015

Abnehmen: Das gelingt durch gesundes Essen und viel Bewegung

W&B/Marcel Weber

Rund zwei Drittel der Männer und etwas über die Hälfte der Frauen über 65 Jahren in Deutschland sind übergewichtig, ergab eine Studie des Robert Koch-Instituts im Jahr 2012. Jeder Dritte in diesem Alter ist sogar fettleibig, hat also einen Body-Mass-Index (BMI) von über 30. Das sind mehr als in jeder anderen Altersgruppe. Oft sind mehrere Ursachen daran beteiligt, wenn jemand im Alter übergewichtig wird. Zum einen verlangsamt sich der Stoffwechsel in der zweiten Lebenshälfte, sodass der Körper weniger Nahrung braucht, um seinen Energiebedarf zu decken. Auch hormonelle Umstellungen wirken dabei mit, dass jemand, der als junger Mensch rank und schlank war, ab 40 Jahren langsam aber stetig an Gewicht zulegt.

Abnehmen kann Beschwerden bessern

Ob es aus medizinischer Sicht sinnvoll ist, diese überzähligen Kilos im Alter wieder loszuwerden, lässt sich nicht pauschal sagen. "Letztlich muss man immer Vorteile und Risiken gegeneinander abwägen", sagt Dr. Eva Kiesswetter, Diplom-Ernährungswissenschaftlerin am Institut für Biomedizin des Alterns an der Universität Erlangen-Nürnberg. Auf der einen Seite hat eine Gewichtsverringerung viele günstige Auswirkungen: Sie kann den Stoffwechsel verbessern, Beschwerden am Halteapparat und an den Gelenken lindern und das Risiko für Herz-Kreislaufkrankheiten senken. Auf der anderen Seite besteht gerade im höheren Alter die Gefahr, dass es zu einer Mangelernährung oder einem verstärktem Muskelschwund kommt. Denn beim Abnehmen baut der Körper auch Muskelgewebe ab. Das kann den natürlichen Verlust an Muskelmasse im Alter deutlich verstärken, gebrechlicher machen und die Gefahr von Stürzen sowie Knochenbrüchen erhöhen.


Vor dem Abnehmen zum Arzt

Auch Hans Hauner, Professor für Ernährungsmedizin an der TU München, rät dazu, bei älteren Menschen immer im Einzelfall zu prüfen, ob sich eine Gewichtsabnahme tatsächlich lohnt. "Wer abnehmen möchte, sollte sich deshalb vorab von einem Arzt beraten lassen", sagt Hauner. Bei einem leichten Übergewicht mit einem BMI zwischen 25 und 30 muss ein über 65-Jähriger in der Regel nicht unbedingt abnehmen. Ratsam kann es ab einem BMI von 30 oder mehr werden, gerade wenn Krankheiten wie ein Typ-2-Diabetes, Arthrose oder eine Herzschwäche vorliegen. Die Beschwerden können sich deutlich bessern, wenn jemand sein Übergewicht verringert.

Aus einem weiteren Grund ist es wichtig, vor dem Abnehmen einen Arzt aufzusuchen. Denn wer Medikamente etwa gegen seinen Diabetes oder Bluthochdruck einnimmt, braucht dann möglicherweise eine andere Dosierung. Das kann der Arzt am besten beurteilen. Patienten sollten nicht selbstständig die Dosis ändern.

Energiebedarf nimmt im Alter ab

Zum Abnehmen muss der Körper mehr Energie verbrauchen, als er aufnimmt. Klingt in der Theorie ganz einfach – stellt in der Praxis aber eine Herausforderung dar, an der viele scheitern. Bei älteren Menschen kommt erschwerend hinzu, dass ihr Körper weniger Energie benötigt als der von jüngeren. "Insgesamt nimmt zwischen 30 und 80 Jahren der tägliche Kalorienbedarf um etwa 600 Kilokalorien ab", sagt Kiesswetter. Im Alter ist es deswegen oft besonders schwierig, Übergewicht wieder loszuwerden.

Keine Radikaldiäten

Deswegen auf eine Radikaldiät zu setzen, wäre aber der falsche Weg. Solche Hungerkuren haben den unschönen Nebeneffekt, dass nach ihnen häufig der Jojo-Effekt auftritt. Die mühsam verlorenen Pfunde sammeln sich schnell wieder an Bauch und Hüften. Zum anderen besteht bei Diäten, bei denen man nur sehr wenig isst oder auf bestimmte Lebensmittelgruppen ganz verzichtet, die Gefahr eines Nährstoffmangels. Anstatt sich an einer schnellen Diät zu versuchen, ist es deshalb in der Regel günstiger, sich für das Projekt Abnehmen Zeit zu nehmen. Und sich mit veränderten Lebensgewohnheiten langsam, aber nachhaltig dem Wunschgewicht anzunähern.

500 Kilokalorien am Tag einsparen

"Wer abnehmen möchte, sollte etwa 500 Kilokalorien am Tag einsparen", rät Ernährungsexpertin Kiesswetter. Wer wenig Muskelmasse besitzt, sollte nach Möglichkeit noch langsamer das Gewicht verringern und gerade einmal um die 200 Kilokalorien am Tag weniger zu sich nehmen, als er verbrennt.

Abwechslungsreich, aber kalorienarm essen

Das Kaloriendefizit erreichen Abnehmwillige zum einen, indem sie sich weniger kalorienreich ernähren. Dazu sollten sie energiereiche Lebensmittel, die viel Fett und Zucker enthalten, nur in Maßen essen. Eine Kalorienfalle sind auch Säfte, Limonaden und alkoholische Getränke. Zum Abnehmen deshalb besser auf Wasser, ungezuckerte Tees und Saftschorlen zurückgreifen.

Günstig sind auch Obst und Gemüse. Sie sind überwiegend kalorienarm und haben meist auch eine hohe Dichte an Vitaminen und anderen Nährstoffen. Insgesamt ist es beim Abnehmen wichtig, sich abwechslungsreich zu ernähren, um einem Nährstoffmangel vorzubeugen. Auch eiweißreiche Lebensmittel wie Quark oder fettarmes Fleisch sollten nicht fehlen. Etwa 1,5 Gramm Eiweiß pro Kilogramm Körpergewicht sollten ältere Menschen beim Abnehmen zu sich nehmen, empfiehlt Ernährungsmediziner Hauner.

Aktiv sein baut Muskulatur auf

Bewegung ist beim Abnehmen in doppelter Hinsicht wichtig. Zum einen verbrennt körperliche Aktivität zusätzlich Kalorien, sodass sich ein Energiedefizit leichter erreichen lässt. Zum anderen hilft sie, Muskulatur aufzubauen oder zumindest den Muskelabbau zu verringern. Kiesswetter rät, im Alter immer nur in Kombination mit viel Bewegung abzunehmen. Wer eine schwach ausgeprägte Muskulatur hat, sollte unter Umständen vor einer Gewichtsverringerung erst einmal an Muskelmasse zulegen. Auch das mit dem Arzt abklären. Dieser kann zudem Tipps zum passenden Trainingspensum und der richtigen Belastungsintensität geben.

Ideal ist eine Mischung aus Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining. Doch vor allem ist es wichtig, Spaß bei dem zu haben, was man macht. Denn Abnehmen geht nicht von heute auf morgen. Und wer sich widerwillig zu einem Sportprogramm zwingt, kann die Motivation verlieren, wenn schnelle Erfolge ausbleiben. Ob jemand joggt, Schwimmen geht oder ausgiebige Spaziergänge macht, ist deshalb nicht nur eine Frage der individuellen Leistungsfähigkeit – sondern auch der Lebensfreude, die er dabei gewinnt.



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