Blähungen: Neun Fakten über Pupse

Jeder tut es und niemand spricht es an. Aber die Wissenschaft weiß eine Menge darüber. Hier lesen Sie, was Sie über Blähungen garantiert noch nicht wussten
von Heidi Loidl, 20.01.2017

Knigge rät: Bei ungewollten Winden taktvoll schweigen

W&B/Dr. Ulrike Möhle

1. Durch die Hintertür

Der Darm ist ein langer Schlauch, damit betraut, alles Brauchbare aus unserem Essen zu holen. Was der obere Bereich, der Dünndarm, nicht verwerten kann, gelangt in den Dickdarm. Dort futtern Millionen von Bakterien, die hier wohnen, diese Reste und produzieren dabei nützliche Säuren, aber auch reichlich Gase. Außerdem verschlucken wir beim Essen immer ein bisschen Luft mit. Darum sind Gase im Darm ganz normal. Das meiste davon gelangt in das Blut und wird über die Lunge abgeatmet. Der Rest verlässt den Körper über die Hintertür – als Wind.

2. Knigge sagt, ...

... quälende Luft muss raus, aber bitte nicht in Gesellschaft! "Verlassen Sie den Raum, je nach Situation mit einem kurzen ,Entschuldigung, bitte‘", rät Inge Wolff vom Arbeitskreis Umgangsformen International.

Und wenn doch mal ein Wind unversehens entwischt? "Dann ist Schweigen die richtige Reaktion." Empfehlung an die anderen im Raum: "Überhören Sie das unfreiwillige Körpergeräusch taktvoll, um die betroffene Person nicht in eine peinliche Situation zu bringen."

3. Mehr als heiße Luft

Der amerikanische Magen-Darm-Forscher Michael Levitt untersuchte Winde im Labor und fand: 15 Prozent Kohlendioxid, 20 Prozent Wasserstoff, 60 Prozent Stickstoff und 5 Prozent Sauerstoff, bei jedem Dritten außerdem Methan. Zum Stinker wird ein Wind erst, wenn er Abbauprodukte aus Eiweiß (etwa Schwefelwasserstoff) enthält. Für den Effekt reichen aber Spuren.

4. Frage des Essens

Der Bohneneintopf war’s – manchmal ist die Sache ganz einfach. Hülsenfrüchte erzeugen zehnmal so viel Gas wie die übliche Kost. Auch Obstdicksäfte sind starke Gasbildner. Manchem machen schon Birnen oder Pflaumen Druck im Bauch. Geruchsintensiv wird die Abluft vor allem durch Zwiebeln, Lauch, Kohl und Eier. Vollkornbrot ist für viele ungewohnt – Menge langsam steigern. Achtung: Wer unter Stress oder in Eile isst oder sich dabei unterhält, schluckt besonders viel Luft.

5. Kleiner Unterschied

Nach Bohnen flatulieren Männer mehr, die Winde von Frauen riechen aber übler. Das fand der amerikanische Magen-Darm-Forscher Michael Levitt schon 1998 heraus.

6. Was für ein Lärm!

Welches Geräusch ist besonders störend? Mehr als eine Million Menschen haben zum Tag des Lärms 2013 darüber abgestimmt. Abgehende Winde landeten auf Platz sieben, noch vor dem Zahnarztbohrer. Der englische Akustikprofessor Trevor Cox hatte 34 zur Wahl gestellt.

7. Jetzt zum Doktor

Blähungen, die Sie sich nicht durch Ihre Essgewohnheiten erklären können, sollte der Doktor auf die Spur kommen. "Spätestens wenn Blut im Stuhl, Fieber, starke Schmerzen oder Krämpfe, Schluckstörungen oder Nachtschweiß hinzukommen oder wenn jemand in kurzer Zeit spürbar abnimmt, ist ein Arzttermin fällig", rät der Magen-Darm-Experte Professor Thomas Frieling aus dem Vorstand der Gastro-Liga.

8. Der Pups in Zahlen

15-mal am Tag gehen beim Menschen Winde ab, ein Grund zur Besorgnis besteht nicht. Je nach Zusammensetzung des Essens sind das 500 bis 1500 Milliliter Gas, abgegeben in schnapsgläschengroßen Portionen von jeweils 40 Millilitern. Der Flatus (wissenschaftlich für Wind) verlässt mit 0,1 bis 1,1 Metern pro Sekunde den Darm. Die entweichenden Darmgase sind zu 99 Prozent geruchsfrei, nur ein Prozent riecht übel.

9. Gegenwind

Eine Reihe von Erkrankungen des Verdauungstrakts können Blähungen auslösen. In der Regel sind diese dann aber nicht das einzige Symptom. Ist eine ernste Ursache ausgeschlossen, helfen rezeptfreie Arzneimittel, etwa Pflanzenkombinationen mit Kümmel und Schleifenblume, Kapseln mit Pfefferminz- und Kümmelöl. Sind krampfartige Schmerzen das Hauptproblem, hilft Butylscopolamin, ein chemisch veränderter Wirkstoff aus dem Stechapfel. Dimethicon lässt Blähungen leichter abgehen, sodass das unangenehme Völlegefühl schwindet. Löst eine gestörte Verdauung Blähungen und Völlegefühl aus, können Enzympräparate helfen. Reden Sie mit Ihrem Apotheker!


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