Hautkrebs-Screening: Früherkennung nutzen

Hautveränderungen wie ein neuer dunkler Fleck können auf einen Tumor hinweisen. Je eher Hautkrebs entdeckt wird, desto leichter lässt er sich entfernen. Die wichtgsten Fakten zur Früherkennung
von Petra Haas, 29.03.2017

Veränderungen auf der Haut sind meist harmlos – dennoch besser zügig abklären lassen

Getty Images/Stone Sub

Nervös bittet die ältere Dame um einen Termin. "Der braune  Fleck auf meinem Arm kam ganz plötzlich", schildert sie dem Sprechstundenhelfer und seufzt erleichtert, als dieser einen Termin in der nächsten Woche anbietet.

"Gut gemacht", lobt Dr. Josef Pilz von der Gemeinschaftspraxis am Forstenrieder Park in München die vorbildlich handelnde Patientin. Der Hautarzt ist froh über jeden Senior, der von sich aus zum Arzt geht. "Jeden Fleck, der neu auftritt, sich vergrößert, verfärbt, verformt, anschauen lassen", rät der Experte vom Berufsverband der Dermatologen in Bayern  und schiebt beruhigend hinterher: "Die meisten Veränderungen, mit denen Ältere zu uns kommen, sind harmlos." Oft handele es sich um Alterswarzen oder Altersflecken.

Hautkrebs-Anzeichen zügig untersuchen lassen

Dennoch erhalten laut Angaben der Deutschen Krebsgesellschaft jedes Jahr schätzungsweise 190.000 Deutsche die beängstigende Diagnose "Hautkrebs". Doch Hautkrebs ist nicht gleich Hautkrebs. Vor allem Frauen und Männer ab 60 erkranken meist an der weißen Variante, die nur selten Tochtergeschwülste bildet und fast immer heilbar ist. Schwarzer Hautkrebs, auch Melanom genannt, gilt dagegen als viel gefährlicher und besonders tückisch. Denn diese sehr seltene Krebsform bildet schnell Metastasen.

Umso wichtiger ist es, mögliche Vorstufen so früh wie möglich zu erkennen. Bei gesetzlich Versicherten übernehmen die Krankenkassen alle zwei Jahre die Kosten für einen solchen Vorsorge-Check beim Arzt (siehe Liste unten). Raue, schuppende, manchmal auch schmerzhafte Hautstellen auf der Glatze älterer Männer etwa seien eine ganz typische Frühform, "die man wirklich gut behandeln kann", versichert Dermatologe Pilz. 

"Die Haut hat ein Elefantengedächtnis"

Doch was bringt gesunde Hautzellen oder bestehende harmlose Leberflecke überhaupt dazu, sich bösartig zu verändern? Experten wissen heute: Ursache für die Entstehung eines weißen Hautkrebses ist in erster Linie die UV-Belastung. Eine helle, sonnenempfindliche Haut, Sonnenbrände in der Kindheit sowie Solarienbesuche in der Jugend erhöhen das Risiko deutlich. "Die Haut hat ein Elefantengedächtnis, sie vergisst nicht. Das erklärt, dass sich manche Sünden erst Jahrzehnte später bemerkbar machen", schildert Pilz.

Melanom: Risikofaktor Muttermale

Auch beim Melanom kann die UV-Belastung eine Rolle spielen. Ein höheres Risiko für diese Krebsart haben etwa Menschen, die als Kind viele Sonnenbrände hatten. Als gefährdet gelten zudem Menschen, deren nahe Verwandte bereits an schwarzem Hautkrebs erkrankt sind – oder die von Geburt an sehr viele Muttermale  haben. Letzteres wird unter Experten diskutiert – Josef Pilz etwa glaubt vielmehr, dass bei zahlreichen Muttermalen eher die Gefahr besteht, ein Melanom zu übersehen.

Leider nutzt nur jeder dritte Senior die Früherkennung. "Einige hält die eigene Angst ab, andere unterschätzen die Erkrankung und das Risiko, das mit ihr verbunden ist", weiß die Münchner Allgemein- und Hautkrebsscreeningärztin Dr. Margit Kollmer aus Gesprächen mit Patienten. Doch ist der Check für Ältere überhaupt so wichtig, wenn sie doch viel häufiger den weißen Hautkrebs entwickeln? "Aber ja doch!", ermutigt Expertin Kollmer. Selbst wenn diese Variante selten lebensbedrohlich sei, wachse auch weißer Hautkrebs weiter, wenn er unbehandelt bleibe.

Früher Hautkrebs leicht entfernbar

Typischerweise sind die Kopfhaut, aber auch Ohren, Nase oder Lippen betroffen. "Zu 80 Prozent taucht weißer Hautkrebs an diesen Stellen auf – wer zu lange abwartet, riskiert Entstellungen oder aufwendige Eingriffe", weiß Dermatologe Pilz. Die jeweilige Therapie richtet sich danach, welcher Hautkrebstyp vorliegt – und in welchem Stadium er sich befindet. Frühformen des weißen Hautkrebses kann der Arzt in der Regel unkompliziert mit einer speziellen Creme oder mit verdünnter Säure behandeln. Auch eine Laserbehandlung kommt prinzipiell infrage.

Alle Methoden zielen darauf ab, die betroffenen Hautschichten zu lösen, sodass sich von unten neue, gesunde Haut bildet. Liegt bereits Hautkrebs vor, wird operiert. Ob bei einem Melanom eine Immun- und Strahlentherapie nötig ist, hängt davon ab, wie weit der Tumor schon in die Haut eingedrungen ist und ob sich Metastasen gebildet haben. Sicher ist: Jeder, der bereits an Hautkrebs erkrankt ist, muss eng­maschig kontrolliert werden – ein Nachsorgepass kann Betroffenen helfen, den Überblick über anstehende Arztbesuche zu behalten.

Im Zweifel eine Zweitmeinung einholen

Verantwortungsvolle Ärzte besprechen die erforderlichen Therapieschritte ausführlich mit dem Patienten. Wer sich nicht sicher ist, kann sich für eine zweite Meinung an eine Hautklinik wenden. Hauptsache, man überwindet seine Scheu oder Bequemlichkeit und nutzt die Möglichkeit zur Früherkennung – so wie die ältere Dame.

Hautkrebs-Check: Das sollten Sie wissen

  • Für wen? Gesetzliche Krankenkassen zahlen Versicherten ab 35 alle zwei Jahre einen Hautkrebs-Check. Manche Kassen bieten ihn jährlich.
  • Wer macht das? Ob Hausarzt, Internist oder Allgemeinmediziner: Nicht nur der Hautarzt, auch Ärzte anderer Fachrichtungen bieten die Früherkennung an. Voraussetzung für die Kostenübernahme ist eine spezielle Fortbildung.
  • Wie läuft es ab? Der Arzt untersucht die Haut vom Scheitel bis zur Sohle. Dabei inspiziert er auch die Kopfhaut, die Mundhöhle und den Intimbereich, etwa die Pofalte. Der Patient muss sich dazu komplett oder bis auf die Unterhose ausziehen.
  • Wie vorbereiten? Neben der erforderlichen Hygiene für die Ganzkörperunter­­suchung ist es sinnvoll, Nagellack vorher zu entfernen, auf Make-up, aufwendige Frisuren und Haarspray zu verzichten.
  • Wie wird untersucht? Manche Ärzte nehmen eine Speziallupe, andere ein Auflichtmikroskop, wieder andere arbeiten mit Kamera und Bilddokumentation. Fragen Sie bei Ihrer Kasse nach, für welche Methode sie die Kosten trägt. Eventuell mit dem Hausarzt besprechen, was sinnvoll ist.
  • Ein Verdacht, was nun? Vermutet der Arzt weißen Hautkrebs, entnimmt er unter örtlicher Betäubung eine Probe. Bei Verdacht auf ein Melanom entfernt er dieses in der Regel komplett. Die Hautprobe wird in einem Labor analysiert. Nach etwa zehn Tagen liegt das Ergebnis vor.
  • Ein neuer Fleck? Wer zwischen den Untersuchungen Veränderungen beobachtet, sollte um einen neuen Termin bitten. Wie bei vielen anderen Tumorleiden auch kann die Eigenbeobachtung die Vorsorge sinnvoll ergänzen.
  • Vorbeugen? Die Früherkennung ist die Gelegenheit, mit dem Arzt zu besprechen, worauf es beim Umgang mit der Sonne ankommt. Grundsätzlich gilt: Sonnenbrände vermeiden. 20 Minuten ungeschützte Sonne am Tag sind genug. Lange Kleidung und breitkrempige Hüte schützen ganz natürlich.

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