Schlaganfall: Zehn Tipps zur Vorsorge

Gesunde Ernährung, viel Bewegung, gute Blutdruckwerte: Um Ihr Risiko für einen Schlaganfall zu senken, können Sie selbst aktiv werden. Die zehn wichtigsten Tipps
von Stephan Soutschek, aktualisiert am 02.06.2017

Überzählige Kilos erhöhen das Schlaganfall-Risiko

Jupiter Images GmbH/Creatas

Ein fein verästeltes System von Blutgefäßen durchzieht unser Gehirn. Die Gefäße transportieren Sauerstoff und Nährstoffe zu den Nervenzellen, befördern das nährstoffarme Blut wieder zurück zum Herzen. Ohne sie könnte unser Denkorgan nicht arbeiten – und wir nicht leben. Doch lagern sich beispielsweise Fette und Entzündungszellen in den Blutgefäßen ab, bilden sich sogenannte Plaques. Sie sind typisch für eine Arteriosklerose, auch Gefäßverkalkung genannt. Die Plaques verengen oder verschließen das betroffene Gefäß. Erhalten die in dem Versorgungsgebiet liegenden Gehirnzellen nicht ausreichend Nährstoffe, sterben sie ab. Manchmal löst sich ein Teil der Ablagerungen auch und verstopft eine kleinere Arterie. Das Ergebnis kann in beiden Fällen ein Schlaganfall sein.

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall, bei dem Umstehende sofort den Notarzt (112) anrufen müssen. Oft sind Behinderungen die Folge, vielfach endet er sogar tödlich. Neben der beschriebenen Verstopfung eines Blutgefäßes kann auch eine Hirnblutung Ursache für einen Schlaganfall sein.

Schlaganfall: Viele Risikofaktoren lassen sich beeinflussen

Eine Reihe von Risikofaktoren erhöhen die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden. Nicht alle lassen sich beeinflussen, etwa die Gene oder das Alter: ab 60 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls beispielsweise stark an. Dennoch kann jeder Mensch selbst einiges tun, um vorzubeugen. Wir haben zehn wichtige Maßnahmen zusammengetragen.

1. Bluthochdruck vermeiden

"Erhöhter Blutdruck ist der Hauptrisikofaktor für einen Schlaganfall", sagt Professor Joachim Röther, Chefarzt der Neurologischen Abteilung an der Asklepios Klinik Altona und Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. Tückisch am Bluthochdruck: Er verursacht zunächst keine Beschwerden. Betroffene bemerken ihn daher oft erst spät. Deshalb ist es wichtig, regelmäßig den Blutdruck zu messen und erhöhte Werte behandeln zu lassen. Klären Sie mit Ihrem Arzt, welche Werte Sie anstreben sollten.
Anleitung: So messen Sie zu Hause richtig den Blutdruck

2. Mit dem Rauchen aufhören

Nikotin verengt die Blutgefäße und erhöht den Blutdruck. Raucher haben ein doppelt so hohes Schlaganfall-Risiko wie Nichtraucher. Allerdings gibt es gute Nachrichten: Wer mit dem Rauchen aufhört, verringert sein Schlaganfallrisiko wieder.

3. Bei Übergewicht: Abnehmen

Auch Übergewicht ist ein wichtiger Risikofaktor für Schlaganfälle. Wer zu viele Kilos auf die Waage bringt, sollte abnehmen. Übergewicht kann näherungsweise mit dem Body-Mass-Index, kurz BMI, berechnet werden: Gewicht (in Kilogramm) geteilt durch die Größe (in Metern) zum Quadrat. Bei Werten über 25 beginnt Übergewicht. Besser als kurzfristige Diäten ist zum Abnehmen eine langfristige Ernährungsumstellung in Kombination mit mehr Bewegung. Ältere Menschen besprechen vor dem Abnehmen besser mit ihrem Arzt, in welchem Umfang eine Gewichtsreduktion sinnvoll ist.

Frau mit Bund Möhren

Tipps zum Abnehmen über 65 »

Auch im höheren Lebensalter kann es sinnvoll sein, Übergewicht abzubauen. Ältere Menschen sollten besonders darauf achten, dabei nicht zu sehr an Muskelmasse zu verlieren »

4. Cholesterinspiegel im Blick haben

Bei erhöhten Cholesterinwerten steigt die Gefahr von Ablagerungen in den Blutgefäßen. Als schädlich gelten vor allem erhöhte LDL-Cholesterin-Werte. Welchen Wert sie anstreben müssen, sollten Patienten individuell mit ihrem Arzt klären. Denn die Grenzwerte hängen zum Beispiel davon ab, wie viele weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorliegen. Das sogenannte HDL-Cholesterin hat wohl einen gewissen Schutzeffekt. Hohe Werte gelten hier als positiv. Eine gesunde Lebensweise, insbesondere eine ausgewogene Ernährung und reichlich Bewegung, können die Cholesterinwerte und weitere Blutfettwerte günstig beeinflussen.

5. Gesund ernähren

Gut für die Gefäße ist eine Ernährungsweise, die gemeinhin als "Mittelmeerkost" bekannt ist. Das heißt: Viel Obst und Gemüse, Nüsse, Olivenöl anstatt Butter zum Braten, weniger Wurst und Fleisch auf dem Teller, dafür öfter Fisch. Schlaganfall-Experte Röther hat gute Nachrichten für alle Genießer: "An einzelnen Tagen darf man auch einmal über die Stränge schlagen." Es kommt darauf an, dass man sich insgesamt gesund ernährt.

6. Alkohol nur in Maßen trinken

Übermäßiger Alkoholkonsum erhöht das Risiko, einmal einen Schlaganfall zu erleiden. Völlig verzichten müssen Sie aber nicht. "Ein Glas Rotwein am Tag ist in Ordnung", sagt Röther.

7. Ausreichend bewegen

Bewegung ist mitunter das beste, was Sie für Ihren Körper tun können. So bauen Sie Übergewicht ab, verbessern Blutdruck- und Blutfettwerte und halten die Gefäße elastisch. Ideal ist eine Ausdauerbelastung, bei der man leicht ins Schwitzen gerät; etwa Walken, Schwimmen oder schnelles Spazierengehen. Dauer und Intensität hängen vom individuellen Fitnesszustand ab. Röther empfiehlt, etwa jeden zweiten Tag eine Dreiviertelstunde zu trainieren. Wichtig: Untrainierte über 35 Jahren sollten sich zunächst von einem Arzt untersuchen lassen, bevor sie mit dem Sport beginnen.

8. Herzrhythmusstörungen: Auf das Herz hören

Eine Reihe von Herzerkrankungen begünstigt die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden. Dazu gehören Vorhofflimmern und andere Herzrhythmusstörungen. Mögliche erste Anzeichen für Herzprobleme dürfen Sie auf keinen Fall ignorieren. Lassen Sie sich von einem Arzt untersuchen und gegebenenfalls behandeln.

9. Diabetes gut einstellen

Menschen mit der Zuckerkrankheit erleiden mehr als doppelt so häufig einen Schlaganfall als der Rest der Bevölkerung. Der Grund ist unter anderem, dass erhöhte Zuckerspiegel die Gefäße schädigen und die Ablagerung von Plaques begünstigen. Zudem haben Diabetiker – vor allem Menschen mit Typ-2-Diabetes – oft weitere Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder erhöhte Blutfettwerte. Betroffene sollten deshalb darauf achten, ihre Blutzuckerwerte gut einzustellen.

10. Unnötigen Stress vermeiden

Gelegentlicher Stress ist nichts Schlimmes, kann sogar motivieren. Dauerstress dagegen kann den Blutdruck erhöhen und anfälliger für Krankheiten machen. Damit ist er indirekt ein Risikofaktor für einen Schlaganfall. Ein Patentrezept gegen chronische Belastungen gibt es nicht. Finden Sie heraus, was Ihrer Psyche am besten hilft: Sport, ein interessantes Hobby oder vielleicht Entspannungsübungen.


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