So schützen Sie Ihre Leber

Fettleber, Hepatitis und Zirrhose sind gefährliche Lebererkrankungen. Vor allem Alkohol und Übergewicht setzen dem Organ zu. Was jeder selbst tun kann
von Elke Schurr, 04.05.2016

Kaffee soll das Risiko von Leberleiden verringern

F1online/Caia Images/Tom Merton

Haben Sie doch ein bisschen Mitleid! Da schuftet sie, zerlegt, filtert und entgiftet und wandelt all das um, was Sie ihr Jahr für Jahr so alles zumuten. Und macht keinen Mucks! Dabei wäre das durchaus wünschenswert: So käme der eine oder andere viel eher auf die Idee, die Kläranlage seines Körpers ins Visier zu nehmen und endlich damit anzufangen, gesünder zu leben.

Nicht-alkoholische Fettleber: Jeder dritte Erwachsene betroffen

Es ist der falsche Lebensstil, der dem großen Stoffwechselorgan vor allem zusetzt. Positiv formuliert: Wer auf seine Gesundheit achtet, macht manchen Schaden an der stumm leidenden Leber wieder gut. Das bequeme, kalorienüberschüssige Leben gilt inzwischen als Hauptauslöser einer Erkrankung, die weltweit zunimmt. Die sogenannte "nicht-alkoholische Fettleber" gilt als häufigstes Leberleiden der westlichen Welt. Jeder dritte Erwachsene ist betroffen, bei den über 60-Jährigen sieht es sogar noch schlechter aus. Alkohol ist zum Erstaunen vieler nicht der Übeltäter Nummer eins. Wer sich wenig bewegt und zu viele Pfunde auf die Waage bringt, riskiert ebenfalls jene raumgreifenden Fettanhäufungen in den Zellen des Organs.

Andreas Geier, Hepatologe Universitätsklinikum Würzburg

W&B/Privat

Das ist doch alles nicht so schlimm, meinen Sie? Mit dem bisschen Fett können Sie und Ihre Leber 100 Jahre alt werden? Stimmt. Theoretisch. "Besser ist es, wenn Sie Ihrer Leber möglichst bald Schonung gönnen", warnt Professor Andreas Geier, Leberexperte an der Würzburger Uniklinik. "Sonst müssen Sie eines Tages vielleicht doch mit Schlimmerem rechnen."

Hepatologen wissen: Auch eine nicht-alkoholische Fettleber kann sich irgendwann entzünden – selten zwar, doch rund zwei Millionen Deutsche leiden unter dieser Form der Fettleber-Hepatitis, mit hoher Dunkelziffer. Bei einem Fünftel der Betroffenen entwickelt sich sogar eine Zirrhose, bei der Leberzellen absterben und die mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergeht.      

Fettleber oft zufällig entdeckt

Dass das Organ langsam verfettet, entdecken Ärzte oft durch Zufall. Denn Leberzellen füllen sich nun mal laut- und schmerzlos. Eine Ultraschalluntersuchung kommt dieser Veränderung zuallererst auf die Spur. "Das Ultraschallbild gibt dem Arzt den ersten Hinweis auf eine Fettleber", betont Professorin Elke Roeb, Leiterin der Gastroenterologie am Uniklinikum Gießen. Sie empfiehlt, den Hausarzt oder Internisten um eine Ultraschall-Kontrolle zu bitten, wenn er diesen Check nicht ohnehin regelmäßig vorsieht. "So würden die meisten Fettleberpatienten frühzeitiger erkannt."

Die Krux bei der Leber ist: Eine Blutuntersuchung lässt zunächst keinen Verdacht auf eine vermehrte Fetteinlagerung aufkeimen. Die Leberwerte erhöhen sich oft erst, wenn die Leber bereits entzündet ist. Einen genauen Aufschluss über den Leberzustand erlaubten die Werte aber trotzdem nicht, bedauert Geier: "Nur eine Gewebeprobe, eine Biopsie, kann letztlich einen Leberschaden sicher diagnostizieren." Dieser Eingriff, den viele Patienten scheuen, sei als Routine-Untersuchung auch nicht praktikabel, findet der Hepatologe.

Hepatitis: Viren greifen die Leber an

Einen weniger eingreifenden Schritt in Richtung Diagnose schlägt die Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen vor. Ein Test im Internet kann zumindest den Verdacht auf einen Leberschaden erhärten: "Der Computer errechnet anhand Ihrer Laborwerte, Ihres Gewichts und anderer Daten Ihr persönliches Risiko. Ihr Arzt kann den Test für Sie erledigen", rät Andreas Geier. 

Hinter schlechten Leberwerten stecken manchmal aber auch Viren – die Ansteckung kann Jahre oder Jahrzehnte zurückliegen. Viele, gerade Ältere leiden unter einer chronischen B- oder C-Hepatitis, ohne es zu wissen. In Deutschland sind immerhin rund 1,2 Millionen Menschen infiziert. Ein spezieller Test auf Hepatitis B oder C sichert die Diagnose: die Voraussetzung einer leberrettenden Therapie. Gegen beide Hepatitis-Formen (siehe unten) gibt es inzwischen verlässliche, wenn auch teure Medikamente, die das Virus in Schach halten oder sogar ganz ausmerzen, berichtet Geier. "Jede B- und C-Hepatitis mit Zeichen einer deutlichen Vernarbung sollte heute behandelt werden."

Wissenswertes zur Virus-Hepatitis

Elke Roeb, Leiterin der Gastroenterologie am Uniklinikum Gießen

W&B/Bert Bostelmann

Bei der Fettleber ist dagegen der Patient selbst gefordert. "Ein Medikament, mit dem Sie das Fett aus der Leber holen, gibt es leider nicht", sagt Leberspezialistin Roeb. Was bleibt, ist anstrengender: sich mehr bewegen und langsam abnehmen, zwei Hausaufgaben für alle Fettleberpatienten "und gleichzeitig die Basistherapie aller anderen Lebererkrankungen", ergänzt Roeb.

Aktiv werden: Leber erholt sich schnell

Das fleißige Organ reagiert schnell, wenn man ihm entgegenkommt. Diese Tatsache ist durchaus motivierend, weiß die Gießener Ärztin aus der Erfahrung mit Patienten. "Im Gegensatz zu einer Alkoholschädigung entsteht eine nicht-alkoholische Fettleber-Zirrhose manchmal erst im Laufe von vierzig, fünfzig Jahren", erklärt die Leberexpertin. Zeit genug, das Steuer in einem Stadium herumzureißen, das noch hundertprozentig umkehrbar ist. Die Zahlen sprechen für sich: "Gut wäre es, drei bis fünf Prozent des Körpergewichts abzunehmen. Das kann bei vielen eine Leberverfettung zurückdrängen", stellt der Würzburger Kollege in Aussicht. Wer noch mehr abspecke, schaffe es sogar, eine Entzündung zu lindern.

Sport gehört zum Übergewichtsabbau aber zwingend dazu. Die Leber speichert Fett als Energiereserve. Nur mit regelmäßiger Ausdauerbewegung werden die Fettreserven überhaupt angesteuert und verbraucht und so eine Leberverfettung rückgängig gemacht. "Es reicht nicht, dreimal am Tag kurz die Treppe hochzugehen", erklären beide Fachleute einstimmig. "Sie müssen schon 30 Minuten lang in Bewegung sein, und das am besten täglich." Körperliche Aktivität hat außerdem einen wichtigen Zusatzeffekt: "Mehr Bewegung schafft es, dass das Insulin im Blut besser wirkt", ergänzt Geier. "Das Risiko, einen Typ-2-Diabetes zu entwickeln, sinkt."

Medikamente können Leber schaden

Wenn Patienten das schweißtreibende Schonprogramm für die Leber konsequent befolgen, ist viel erreicht. Der Erfolg lässt sich im Ultraschallbild ablesen. Trotzdem sollte der Hausarzt gerade bei älteren Patienten auch einen Blick auf die Medikamentenliste werfen. Menschen über 70 nehmen im Schnitt fünf verschiedene Präparate am Tag, Wirkstoffe, die in der Regel über die Leber abgebaut werden und das Organ belasten. Nur wenige verursachen aber dauerhafte Schäden an der Stoffwechselzentrale, versichert Professor Andreas Geier. Dazu gehören bestimmte Rheumamittel, Antibiotika und Pilzmittel sowie Paracetamol. Nebenwirkungen hängen aber immer auch von der Dosis ab.

Daher sollten Sie Medikamente nie eigenmächtig absetzen! Bei leberschädlichen Stoffen überwacht Ihr Arzt ohnehin Ihre Leberfunktion. "Manchmal kann der Neurologe oder Rheumatologe alternativ Arzneimittel verschreiben, die über die Nieren ausgeschieden werden", rät Expertin Elke Roeb. "Vorausgesetzt der Arzt weiß, dass Ihre Leber vorgeschädigt ist."

Die Schlüssel zu einer leberfreundlichen Lebensweise haben Patienten selbst in der Hand. Fangen Sie am besten heute mit dem Schon-Programm an. Die Leber ist nicht nur gutmütig, sie ist auch dankbar.

Das können Sie selbst tun

Ob alkohol- oder lebensstilbedingt: Eine Fettleber kann sich vollständig regenerieren, vorausgesetzt der Lebensstil ändert sich. Sogar eine bereits entzündete Leber profitiert von diesem Programm:

  • Mehr bewegen: Sport baut Fett in der Leber ab. Aber nur, wenn Sie auf Ausdauer trainieren, zum Beispiel mindestens fünf Mal pro Woche am Stück 30 Minuten walken oder zügig spazieren gehen. Leistungssport ist nicht notwendig.
  • Übergewicht runter: Nehmen Sie möglichst langsam ab. Empfohlen sind ein bis zwei Kilogramm pro Monat. 
  • Mediterran genießen: Essen Sie viel Gemüse, viel Fisch und weniger Fett. Wenn Fett, dann nur gutes pflanzliches, wie etwa Oliven- und Rapsöl. 
  • Das Richtige trinken: Forscher schreiben Kaffee leberschützende Effekte zu, wenn die Tagesration drei bis vier Tassen beträgt. Streichen Sie auf Ihrer Getränkeliste dagegen zucker- und fruchtzuckerhaltige Softdrinks und Limonaden. Auf Alkohol sollte verzichten, wer bereits unter einer Lebererkrankung leidet. Ansonsten gilt: Maß halten und regelmäßig eine längere Alkoholpause einlegen.
  • Stoffwechsel checken: Achten Sie auf gute Blutzucker- und Blutfettwerte. Eine Fettleber ist oft der Wegbereiter eines Typ-2-Diabetes. Umgekehrt erhöht die Erkrankung das Risiko, eine Fettleber zu entwickeln.
  • Impfen lassen! Wer schon ein Leberproblem hat, sollte nicht noch ein zweites hinzubekommen. Für die kombinierte Impfung gegen Hepatitis A und B genügt ein Piks, um auf Reisen, aber auch zu Hause vor Ansteckung über die Nahrung oder die Nahrungssekrete geschützt zu sein. Wer bereits unter einer Lebererkrankung leidet, bekommt die Impfung von der Kasse erstattet.

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