Warum Zahnseide so wichtig ist

Zähne putzen allein reicht nicht. Einmal täglich sollte man die Zwischenräume mit Zahnseide pflegen. Eine Anleitung
von Stephan Soutschek, aktualisiert am 28.10.2015

Zahnzwischenräume reinigen: Das gelingt nur mit Zahnseide

Thinkstock/Bananastock

Dreimal täglich Zähne putzen: Wie wichtig das ist, haben wir schon in frühester Kindheit gelernt. Dass auch Zahnseide ein Bestandteil der täglichen Zahnpflege ist, haben dagegen die wenigsten mit auf den Weg bekommen. So überrascht es nicht, dass laut einer Umfrage der Universität Witten/Herdecke nur etwa die Hälfte der Deutschen Hilfsmittel wie Zahnseide oder Interdentalbürsten beim Putzen verwendet.

Selbst wer seine Zähne noch so gründlich mit der Bürste reinigt, wird sie nie vollständig sauber bekommen. Die Zahnbürste erreicht höchstens 70 Prozent der Zahnoberfläche. In die Zwischenräume, die immerhin rund ein Drittel der Oberfläche ausmachen, gelangt sie nicht – Zahnseide aber schon.


Zahnseide: Meist genügt einmal täglich

Auch in diesen Zahnzwischenräumen können sich Beläge – sogenannte Plaque – bilden, mit Auswirkungen auf die Gesundheit: Karies oder Entzündungen sind mögliche Folgen. Deshalb sollten Sie Ihre Zähne etwa einmal täglich auch mit Zahnseide reinigen. Unter Umständen, etwa bei größeren Lücken zwischen den Zähnen, auch öfter.

"Idealerweise verwendet man Zahnseide zwischen zwei Putzvorgängen", sagt Joachim Hoffmann, Zahnarzt aus Kirchhundem. Das heißt: Erst Zähne mit der Bürste reinigen, dann mit Zahnseide in die Zwischenräume und zum Schluss noch einmal mit der Zahnbürste ran. So verhindern Sie, dass Plaque aus den Zwischenräumen an der freien Oberfläche zurückbleibt und umgekehrt.

Gewachst oder ungewachst?

Bei Zahnseiden haben Sie die Wahl zwischen ungewachsten Produkten und solchen mit Wachs beziehungsweise Teflon-Beschichtung. Welche Zahnseide die richtige ist, hängt vor allem davon ab, wie nah die Zähne beieinander stehen. In vielen Fällen ist ungewachste Zahnseide die bessere Wahl. Sie fasert auf, trägt dadurch Partikel besser ab und hat einen höheren Pflegeeffekt.

Stehen die Zähne jedoch sehr dicht beieinander, kann gewachste Zahnseide vorteilhaft sein: "Sie gleitet besser in den Zwischenraum", sagt Dr. Karim El-Mahdy, Oberarzt an der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Zähne mit Zahnseide reinigen – so geht’s:

1. Ein ausreichend langes Stück Zahnseide von der Packung abklemmen. Etwa 30 bis 50 Zentimeter sollten es sein. Jede Stelle der Zahnseide nur für einen Zwischenraum verwenden.


Halten Sie die Zahnseide mit Zeigefinger und Daumen

W&B/ Kursawe

2. Am besten wickeln Sie die Zahnseide um den Zeige- oder Mittelfinger Ihrer beiden Hände. Anschließend die Zahnseide so mit Daumen und Zeigefinger festhalten, dass sich zwischen den Fingern ein wenige Zentimeter langes Stück befindet (siehe Grafik links). Straff anspannen.

3. Jetzt die Zahnseide in den ersten Zahnzwischenraum einführen. Die Handflächen dabei am besten nach unten halten. Langsam auf und ab bewegen. Wichtig: "Die Zahnseide soll dabei dicht am Zahn anliegen", sagt Hoffmann. Anschließend seitlich herausziehen.

4. Wiederholen, bis alle Zahnzwischenräume gereinigt sind.


Richtige Anwendung zeigen lassen

Die Zähne mit Zahnseide zu pflegen ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Wer Probleme hat, kann sich die richtige Anwendung von seinem Zahnarzt oder einem Dentalhygieniker zeigen lassen. Manchmal blutet anfangs das Zahnfleisch, wenn man Zahnseide verwendet. In diesem Fall ist möglicherweise die Putztechnik falsch oder das Zahnfleisch ist entzündet.

Das Zahnfleischbluten kann sogar eine Folge davon sein, dass man bislang keine Zahnseide benutzt hat. In diesem Fall können sich verstärkt Bakterien zwischen Zahn und Zahnfleisch ansiedeln, was die Entzündung hervorruft. Auf Zahnseide wieder zu verzichten, wäre genau der falsche Weg. Tritt es nach einiger Zeit immer noch auf, sollte man aber unbedingt seinen Zahnarzt aufsuchen.

Interdentalraumbürsten bei größeren Zahnlücken

Stehen die Zähne dicht beeinander, reicht in der Regel Zahnseide zur Pflege der Zwischenräume aus. Bestehen größere Lücken, ist zusätzlich eine Interdentalraumbürste sinnvoll. Der Zahnarzt kann beraten, welche Variante angebracht ist. Interdentalraumbürsten sind eine Ergänzung zur Zahnseide – ein Ersatz sind sie nicht. "In die Kontaktstelle zwischen zwei Zähnen gelangt nur Zahnseide", sagt El-Mahdy.

Mundspüllösungen verringern Keimzahlen

Auch Mundspüllösungen sind kein Ersatz für Zahnseide. Sie können zwar die Anzahl der Bakterien im Mundraum verringern. Zahnseide beseitigt aber zusätzlich die Beläge, auf denen Bakterien gedeihen. Darum sollte Zahnseide ein ebenso selbstverständlicher Bestandteil der täglichen Zahnpflege sein wie die Zahnbürste. Wenn Sie bislang keine Zahnseide verwendet haben: Gewöhnen Sie sich den kleinen Mehraufwand am besten sofort an. Für eine optimale Zahnpflege ist es nie zu spät.



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