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Riecht man im Alter anders?

Kein Mensch riecht wie der andere. Und niemand riecht sein Leben lang gleich. Der individuelle Körpergeruch wandelt sich ständig. Auch das Alter hat seinen eigenen Geruch


Wie eine Blume, hat auch jeder Mensch seinen eigenen Geruch

"Hier riecht’s nach Oma." Ein Kompliment klingt anders. Wenn jüngere Menschen so reden, meinen sie meist jene Geruch-Mixtur, die als „typisch“ für höheres Alter gilt. Riecht Oma wirklich anders? Weltweit gehen Forscher der Alltagsbeobachtung auf den Grund.

„Das Leben spiegelt sich im Körpergeruch wider“, sagt Professorin Dr. Jessica Freiherr, Geruchsforscherin am Universitätsklinikum Aachen. Der Körpergeruch verändert sich im Laufe des Lebens ebenso wie zum Beispiel der Körperbau, die Zähne oder die Stimme. Die zarte Haut eines Babys verströmt ein anderes Aroma als die eines Erwachsenen; Teenager riechen anders als Senioren. Darüber hinaus beeinflussen die Ernährung, Medikamente oder Krankheiten die Hautausdünstungen. Doch auch das Alter selbst ist offenbar ein Faktor für den Geruchswandel: „Das Fettsäuremuster der Haut verändert sich. Dabei spielen geruchsaktive Substanzen eine Rolle“, sagt Freiherr. Diese Veränderungen des Geruchs sind nicht nur chemisch nachweisbar, sie werden auch von der Umgebung wahrgenommen.


Klar, Babys riechen anders als Erwachsene oder Senioren

Die Aachener Expertin berichtet in diesem Zusammenhang von einer aktuellen, noch unveröffentlichten Studie am Monell Chemical Senses Center in Philadelphia. Dabei wurden Testteilnehmern T-Shirts mit Schweißproben von Vertretern der Altersgruppen 20 bis 30, 45 bis 55 und 75 bis 95 Jahre vorgelegt. Vor allem die weiblichen Versuchspersonen konnten überraschend deutlich drei unterschiedliche Qualitäten von Gerüchen unterscheiden. Diese entsprachen tatsächlich der Aufteilung nach Altersklassen.

Wie sich der Körpergeruch genau mit fortschreitendem Alter verändert, ist erst ansatzweise erforscht. Das Interesse insbesondere der Kosmetikindustrie an diesem Thema ist groß. Ein teures Parfüm soll mit Jugend assoziiert, aber von der zahlungskräftigen älteren Dame gekauft werden. Altersspezifischer Hautgeruch und künstliche Duftmarke sollten also möglichst harmonieren.

Das Gros der Erkenntnisse zum Thema Geruch basiert auf Tierversuchen. Im Tierreich sind Gerüche unverzichtbarer Bestandteil der Kommunikation. Der Hund zum Beispiel gibt mittels seiner Harnmarkierung Auskunft über seinen Rang im Rudel, über Krankheit, Fortpflanzungsstatus und Alter – ein offenes Buch für den, der es lesen kann. Der Code der „Pheromone“, wie die Geruchsbotenstoffe genannt werden, ist für den Menschen noch längst nicht hinreichend entschlüsselt. „Dass die Pheromon-Produktion im Alter nachlässt, wissen wir. Allerdings nur bei Mäusen und Käfern“, bestätigt Dr. Freiherr.

Sprechen Menschen auf Pheromone an?

Umstritten war lange Zeit, ob Menschen überhaupt auf Pheromone ansprechen. Ein Forscherteam um Claire Wyart von der University of California in Berkeley identifizierte vor fünf Jahren ein menschliches Pheromon im Schweiß von Männern: das sogenannte Androstadienon, ein Abbauprodukt des männlichen Sexualhormons Testosteron. Die Wissenschaftler stellten fest, dass junge Frauen, denen man Androstadienon unter die Nase hielt, eine bessere Stimmung bekamen, körperlich leichter aktiviert und sexuell schneller erregbar waren. Eine ähnliche Wirkung erzielt offenbar auch ein synthetisch hergestelltes Pheromon, das in einem handelsüblichen Parfum steckt. Es erhöht die sexuelle Attraktivität nicht nur von jungen Frauen, sondern auch von Frauen jenseits der Wechseljahre, so das Ergebnis einer Studie von Joan Friebely an der Harvard University in Boston.

Unangenehmer Körpergeruch hat viele Ursachen

Bei der altersbedingten Veränderung des natürlichen Körpergeruchs spielt ein Molekül, das sogenannte 2-Nonenal, offenbar eine wichtige Rolle. Bereits vor einigen Jahren hatten japanische Forscher diesen flüchtigen chemischen Stoff als Übeltäter für unangenehmen Körpergeruch entlarvt – und überdies einen engen Zusammenhang mit der Ernährung belegt. In einer Studie im Auftrag eines Kosmetikkonzerns hatten sie herausgefunden, dass die Hautausdünstungen älterer Japaner, die sich ihr Leben lang von Fisch ernährt hatten, von Probanden als besonders unangenehm wahrgenommen wurden. In den Schweißproben entdeckten die Wissenschaftler einen erhöhten Anteil des geruchsaktiven 2-Nonenal. Duftforscher George Preti vom Monell Chemical Senses Center fand diese Substanz ebenfalls in den Ausdünstungen junger und älterer Amerikaner, allerdings in einer entschieden geringeren Konzentration.

Auch Krankheiten beeinflussen den Körpergeruch. Das ist eindrucksvoll belegt in Studien mit Hunden, die anhand von Ausatemluft, Urin oder Schweiß die Erkrankung an Lungen-, Blasen-, Prostata- oder Hautkrebs beim Menschen erschnüffeln können. Die Aachener Geruchsforscherin Dr. Freiherr berichtet von einer aktuellen Studie, der zufolge auch Menschen eine Infektion eines anderen Menschen zweifelsfrei wahrnehmen. Das auf Hochtouren arbeitende Immunsystem verändert offenbar den Körpergeruch.

Eigene Ausdünstungen riecht man kaum

Gerüche entziehen sich weitgehend unserem Bewusstsein. „Der Geruchssinn ist der einzige Sinn, der die sensorische Information von der Nase direkt an jene Stelle im vorderen Teil des Gehirns schickt, wo sie emotional verarbeitet und bewertet wird“, erklärt Professorin Freiherr. Alle anderen Sinne nehmen einen Umweg über den Thalamus, jenes als „Tor des Bewusstseins“ bezeichnete Areal im Mittelhirn, wo die Geruchsinformationen interpretiert und weiterverarbeitet werden. Dass sich der eigene Körpergeruch mit den Jahren ändert, sei vielen Menschen vermutlich nicht bewusst. Gegenüber den eigenen Ausdünstungen ist man weitgehend immun. Hinzu kommt, dass der Geruchssinn, wie alle Sinne, nach und nach schwächelt. Männer sind gleich doppelt betroffen, sie nehmen von Natur aus Gerüche schlechter wahr als Frauen.

Um zu vermeiden, dass es im eigenen Heim unangenehm nach Alter riecht, helfen im Alltag einfache Dinge wie Lüften, dezente Raumparfüms, häufiger Wechsel der Bettwäsche und gelegentliche Erneuerung von Decken, Kissen und Matratze. Kleidungsstücke, die selten getragen werden wie der schwarze Anzug, sollten nach der Benutzung in die Reinigung gebracht werden, bevor sie wieder im Schrank landen. Sollte dagegen der Duft eines von der Großmutter gebackenen Kuchens durchs Haus ziehen, dann bedeutet der Ausruf des Enkels „Hier riecht’s nach Oma!“ das höchste Kompliment.




Bildnachweis: Thinkstock/Stockbyte

Ingrid Kupczik / www.senioren-ratgeber.de; 09.05.2012
Bildnachweis: Thinkstock/Stockbyte

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