Pflege-WG: Alternative zum Heim

Betreutes Wohnen in kleinen Gemeinschaften – ein Modell für die Zukunft? Ein Interview mit der Soziologin Romy Reimer

von Juliane Gutmann, aktualisiert am 08.09.2015

Wohngemeinschaft: Das fördert im Alter die Selbstbestimmung

dpa Picture-Alliance GmbH/Jens Büttner

Frau Dr. Reimer, in einer Studie bewerten Sie Wohn-Pflege-Gemeinschaften als gute Alternative zu der Betreuung im Heim und der Pflege durch Angehörige. Warum?

Ja, die Wohn-Pflege-Gemeinschaft hat Zukunft. Die kleinteilige Versorgungsform, in der vier bis zwölf Bewohner zusammen leben und rund um die Uhr von ambulanten Pflegekräften betreut werden, fördert Selbst- und Mitbestimmung, auch bei den Angehörigen. Die familienähnliche Versorgung macht es möglich, auf persönliche Bedürfnisse der Bewohner einzugehen. Das führt auch zu zufriedenen Fachkräften und Angehörigen.


Dr. Romy Reimer arbeitet als Soziologin mit dem Schwerpunkt Care-Forschung an der Universität Paderborn

W&B/Fritz Stockmeier

Ist dieses Versorgungsmodell für jede Art von Pflegebedarf geeignet?

Prinzipiell ja. Nur leider führen die knappen Fördergelder bei vielen Pflege-WGs dazu, dass Bewohner mit hohen Pflegestufen bevorzugt aufgenommen werden. Dabei profitieren gerade Menschen mit Pflegestufe 0 oder 1 von den Strukturen der Wohngruppen, die die Unterstützung bei der Bewältigung alltäglicher Abläufe in den Vordergrund stellen. Auch in Hinblick auf den Pflegeengpass sollten Pflege-WGs besser gefördert werden. Sie sind ein wichtiger Baustein im Pflegeangebot-Mix.

Wie kann ich mich über Angebote informieren?

Viele Wohn-Pflege-Gemeinschaften werden von Angehörigen selbst verwaltet, eine zunehmende Zahl von karitativen, einige von privatwirtschaflichen Trägern. Bei der Suche nach Adressen ist das Internet hilfreich. Mancherorts gibt es öffentliche Beratungsstellen.



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