Tipps zur Grabpflege

So kümmern Sie sich gut um das Grab eines Angehörigen – mit Ideen zur Pflanzenauswahl und Gärtnertipps
von Silke Becker, aktualisiert am 10.05.2017

Ein schön gepflegtes Grab hält die Erinnerungen wach

W&B/Martina Ibelherr

Wenn ein lieber Mensch gegangen ist, zeigt eine schön gestaltete letzte Ruhestätte, wie sehr wir ihn vermissen. Das geht auch ohne grünen Daumen. "Ein pflegeleichtes Grab muss nicht trist aussehen", sagt Birgit Ehlers-Ascherfeld, Vorsitzende des Bunds deutscher Friedhofsgärtner. Inzwischen findet man Pflanzen für jeden Geschmack, die unproblematisch sind, aber trotzdem sehr schön blühen.

"Der Pflegeaufwand entsteht vor allem durch die sogenannte Wechselbepflanzung, die mehrmals pro Jahr erneuert werden muss", erklärt Dieter Neumaier von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Die Lösung des Problems sind pflegeleichte Stauden und Gehölze, die jahrelang stehen bleiben können.


Blüten und Immergrünes kombinieren

Der Unterschied: Gehölze blühen oft nicht, sind aber das ganze Jahr über grün. Stauden dagegen haben meist schönere Blüten, sterben jedoch im Herbst ab und treiben erst im Frühjahr wieder aus. "Ideal ist es, beides zu kombinieren, damit das Grab im Winter nicht kahl aussieht", sagt Neumaier. Sein Tipp: "Kleinwüchsige Gräser oder Farne sind immergrün und wirken sehr apart."

Für ein pflegeleichtes Grab ist es außerdem wichtig, dass keine nackte Erde zu sehen ist. Neumaier empfiehlt deshalb, sogenannte Bodendecker zu pflanzen. "Dadurch hat Unkraut kaum eine Chance, und der Boden hält die Feuchtigkeit besser." Besonders wichtig sind sie am Rand des Grabs, damit der Boden bei Regen nicht weggeschwemmt wird.

"Viele klassische Gartenpflanzen sind für das Grab nicht geeignet, weil sie zu pflegeintensiv sind oder zu stark wachsen", warnt Birgit Ehlers-Ascherfeld. Beim Kauf sollte man sich deshalb beraten lassen, am besten in einer Friedhofsgärt­nerei. Die Spezialisten kennen die örtlichen Besonderheiten. Tipp: Ein Foto des Grabs mitbringen!

Farben auf dem Grab: Mut zum Ausprobieren

Birgit Ehlers-Ascherfeld empfiehlt, die Pflanzen vor dem Einsetzen erst einmal auf dem Grab auszulegen, damit man die Wirkung beurteilen kann. "Höhere Pflanzen gehören nach hinten, niedrigere nach vorn", erklärt die Expertin. Bei einem stehenden Grabstein sollten die Pflanzen nicht höher als der Stein sein. Rund um liegende Steine kommen ohnehin nur kleinwüchsige Sorten infrage.

Bei der Gestaltung ist erlaubt, was gefällt. Man kann die Pflanzen beispielsweise unregelmäßig anordnen oder in Herzform setzen. "Im Schatten sollte man Pflanzen mit hellen Blütenfarben wie Weiß oder Gelb wählen. In der Sonne kommen auch kräftige Farben wie Violett oder Dunkelrot zur Geltung", rät Ehlers-Ascherfeld. Ansonsten ist die Farbwahl Geschmackssache, der eine mag es bunt, der andere Ton in Ton. Viele wählen die Lieblingsfarben des Verstorbenen. Und natürlich sollte die Bepflanzung zum Stein passen.


Checkliste Grabpflege:

1. Pflegeleicht

  • Zum Transport von Gartengerät oder der Gießkanne einen Trolley benutzen.
  • Auf einer Sitz- und Kniebank arbeiten – das ist gelenkschonend, und man muss sich weniger bücken.
  • Geräte mit halblangem Stiel wählen. Sie sind praktischer als kurzstielige Modelle und lassen sich trotzdem leicht transportieren.
  • Kiesflächen zwischen den Pflanzen machen wenig Arbeit. Vorher bei der Friedhofsverwaltung fragen, ob Kies erlaubt ist. Unter die Steine gehört eine Folie.

2. Gärtnerregeln

Wie viele Pflanzen man benötigt, hängt von der Größe des Grabs ab. Als Faustregel kann man 20 bis 25 Pflanzen pro Quadratmeter rechnen. Das raten Friedhofsgärtner:

  • Standort: Schatten oder Sonne? Die Pflanze muss es vertragen.
  • Höhe: Kleine Sorten bevorzugen, damit der Grabstein nicht überdeckt wird.
  • Breite: Wuchernde Pflanzen vermeiden, sie müssen oft zurückgeschnitten werden.
  • Blüte: Auf unterschiedliche Blütezeiten achten, damit das ganze Jahr über etwas blüht.
  • Pflege: Nur Pflanzen wählen, die wenig Wasser und Dünger brauchen und unempfindlich gegen Schädlinge sind. Pflanzenschutzmittel bringen nichts, da Schädlinge über die Nachbargräber blitzschnell wiederkommen.

3. Pflegeleichtes Grün

Es muss nicht immer Efeu sein. Tipps für Pflanzen, die nicht jeder hat:

  • Bodendecker: Fette Henne (niedrig), Waldsteinia
  • Gehölze/Immergrüne 
  • Pflanzen: Zwergrhododendron, Japanische Azalee, Christrose, Lenzrose, Farne, Gräser
  • Stauden: Sonnenhut, Purpurglöckchen, Fette Henne (hoch), Tränendes Herz, Lavendelheide

4. Saisonkalender

Ist das Grab richtig angelegt, genügen zwei Besuche pro Jahr, damit alles gepflegt aussieht. Perfektionisten entfernen außerdem im Lauf des Sommers verwelkte Blüten. Bei Hitze und Trockenheit muss extra gegossen werden. Wer das nicht schafft, kann den Gießservice der Friedhofsgärtnerei nutzen (ab circa zehn Euro/Monat).

Frühjahr:

  • Pflanzen zurückschneiden und abgestorbene Teile entfernen
  • Bei Bedarf neue Pflanzen einsetzen
  • Düngen: organischer Dünger, etwa gemahlene Hornspäne

Spätsommer:

  • Vertrocknete Blüten entfernen
  • Nochmals zurückschneiden, danach alles bis zum Frühjahr stehen lassen


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