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Rheuma: Was Sie dagegen tun können

Mehr als die Hälfte der Senioren hat rheumatische Erkrankungen wie Arthrose, Arthritis oder Gicht. Wie Sie mit der richtigen Behandlung, Ernährung und Bewegung gegensteuern


Walken: Leichte Bewegung tut Rheuma-Patienten gut

Rheuma ist als Krankheit mit vielen verschiedenen Ausprägungen bekannt. Mit mehr als 200 entzündlichen Erkrankungen kann es keinem eindeutigen Krankheitsbild zugeordnet werden. Das Wort Rheuma stammt aus dem Griechischen und bedeutet übersetzt „fließender Schmerz“ – und zumindest das haben alle Formen fast immer gemeinsam: zunehmende oder wiederkehrende starke Schmerzen in den Gelenken, Sehnen und Muskeln der Hände, Arme, Beine und in der Wirbelsäule. Gerade im höheren Alter schwächen die Beschwerden manchmal derart, dass sich Betroffene abgeschlagen und müde fühlen, wegen der Schmerzen aber sehr schlecht schlafen. Im schlimmsten Fall können sie sich kaum noch bewegen, weil bereits kleinste Bewegungen starke Schmerzen bereiten oder die Gliedmaßen geschwollen oder verformt sind. „Mit den Entzündungsprozessen durch Rheuma hat der ganze Körper zu kämpfen. Manchmal sind sogar Organe wie Haut, Herz, Nieren, Leber oder Blutgefäße betroffen“, sagt Professor Andreas Radbruch, Wissenschaftlicher Direktor des Deutschen Rheuma-Forschungszentrums in Berlin (DRFZ). Viele ältere Betroffene haben Schwierigkeiten, ihren Alltag wie gewohnt zu bewältigen. Wer nicht aktiv wird, läuft sogar Gefahr, in eine Alters-Depression zu verfallen.

Entstehung von Rheuma wirft Rätsel auf

Bis heute lässt sich nur vermuten, woher Rheuma kommt und warum es vor allem die Gelenke angreift. Veranlagung spielt eine Rolle, aber das gilt für viele Krankheiten. Bei Rheuma geht die Wissenschaft davon aus, dass das Immunsystem der Betroffenen nicht mehr zwischen kranken und gesunden Zellen unterscheiden kann. Das führt dazu, dass die körpereigene Abwehr schließlich gesunde Körperzellen angreift, weshalb Rheuma auch zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen gerechnet wird. Vor allem bei den entzündlich-rheumatischen Krankheitsbildern, die rund vier Prozent der Senioren betreffen, tappt die Wissenschaft noch weitestgehend im Dunkeln. Der häufigste Vertreter ist etwa die Rheumatoide Arthritis, die auch mit einer Osteoporose einhergehen kann. Aber auch die Lyme-Arthritis, Morbus Bechterew oder Lupus Erythematodes sind verbreitet.


Bei anderen rheumatischen Erkrankungen sind zumindest bestimmte Einflüsse bekannt: Rund 60 Prozent der Senioren sind von verschleißbedingten Arthrosen betroffen, bei denen sich die Gelenke verstärkt abnutzen. Begünstigende Faktoren sind vor allem Über- und Fehlbelastung durch Übergewicht, schwere körperliche Arbeit oder Sport. Wer unter Gicht leidet, kann hingegen von einer Ernährungsumstellung profitieren: „Bei der Stoffwechselerkrankung fördern bestimmte Lebensmittel die Bildung von kleinen Harnsäure-Kristallen, die sich wie Sandkörner in den Gelenken ablagern und dort zu vermehrtem Abrieb führen“, erklärt Radbruch. Da die eigentliche Ursache all dieser Erkrankungen jedoch nicht geklärt ist, lässt sich Rheuma derzeit noch nicht heilen.

Je früher die Diagnose, desto besser

Sind erst einmal rheumatische Schäden in den Gelenken entstanden, so können diese zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden. Das Fortschreiten kann aber eingedämmt oder bestenfalls sogar gestoppt werden. Die frühzeitige Diagnose ist daher so wichtig. „Wer nur die geringsten Anzeichen von Rheuma-Symptomen bemerkt, sollte unbedingt sofort bei seinem Arzt vorsprechen“, so Andreas Radbruch. Grundsätzlich verdächtig sind Schmerzen oder Schwellungen in den Gelenken, zunehmende Schwierigkeiten beim Greifen, eine ausgeprägte Wetterabhängigkeit der Symptome und der sogenannte Anlaufschmerz. Das bedeutet, dass sich die Beschwerden vor allem am Morgen nach dem Aufstehen oder nach einer längeren Ruhepause zeigen und im Laufe des Tages wieder abflachen. Liegen solche Beschwerden vor, gilt es als nächstes herauszufinden, um welche rheumatische Erkrankung es sich handelt. Sie muss dann sofort gezielt behandelt werden, damit sie das Gelenk nicht weiter angreift und schließlich zerstört. Rheuma-Spezialisten verfügen mittlerweile über modernste Diagnoseverfahren, die einen sehr genauen Einblick etwa in die Gelenke oder das Immunsystem ermöglichen. Mit der richtigen Behandlung können Rheuma-Patienten daher auch im höheren Alter ein schmerzfreies Leben führen.

So können Sie die Entzündung stoppen

Der erste wichtige Therapieansatz ist es, das überaktive Immunsystem zu bremsen und auf ein normales Niveau herunterzufahren, so dass die Entzündung in den Gelenken zum Stillstand kommen kann. Hierzu dienen sogenannte Basismedikamente, welche im Gegensatz zu Schmerzmitteln nicht nur die Beschwerden nehmen, sondern auch den Verlauf der Erkrankung grundlegend verändern können. Die Arzneien heißen auch langwirksame Antirheumatika oder krankheitsmodifizierende Medikamente. Sie verändern die Immunantwort des Körpers. „Bei vielen Patienten reichen Basismittel aus, um einen guten Behandlungserfolg zu erzielen“, erklärt Dr. med. Thomas Schwingenschlögl, Facharzt für innere Medizin und Rheumatologie und Ernährungsmediziner aus Wiener Neudorf in Österreich.

Für manche Patienten sind diese Medikamente aber nicht zufriedenstellend wirksam. In diesem Fall kommen sogenannte Biologica, eine neuere Generation von Basismitteln, zum Einsatz. „Biologica greifen gezielt in das Immunsystem ein und blockieren Botenstoffe und Zellen des Immunsystems, die die Entzündung in den Gelenken auslösen“, so Schwingenschlögl weiter. Meist erhalten die Patienten die Medikamente als monatliche Infusion, oder sie spritzen sie sich selbst.

Wichtig ist, dass Sie nicht den Mut verlieren, wenn beim ersten Mittel nicht gleich die erhoffte Wirkung eintritt. Gerade wegen der vielen Ausprägungen von Rheuma liegt die therapeutische Kunst insbesondere darin, erst einmal das richtige Mittel zu finden. Ebenso wichtig sind folglich der enge Kontakt zum behandelnden Arzt sowie engmaschige Kontrollen, ob und wann sich eine Besserung zeigt.

So können Sie die Schmerzen stoppen

Ein Nachteil bei Basismitteln ist, dass diese oftmals erst nach zwei bis drei Monaten ihre volle Wirkung entfalten, da sie den Umweg über das Immunsystem nehmen, um die Entzündung zu stoppen. In dieser Zeit führt kein Weg an der Behandlung mit Schmerzmitteln vorbei. In der Regel kommen hier sogenannte normale Antirheumatika zum Einsatz. Diese wirken schmerzstillend und entzündungshemmend, allerdings nur für einige Stunden. Bei akuten Schmerzen sind sie jedoch das Mittel der Wahl. „Bei besonders aggressiven Entzündungen führt hingegen kein Weg an einer Behandlung mit Kortison vorbei. Wegen der sehr geringen Dosen und der kurzen Einsatzdauer ist es aber meist unbedenklich und verursacht kaum Nebenwirkungen“, erklärt Thomas Schwingenschlögl. Haben sich die Schmerzen schließlich durch das Basismittel gebessert, können Patienten fortan auf Schmerzmittel verzichten. Das Basismittel müssen sie aber ihr Leben lang einnehmen.

Bei diesen Lebensmitteln müssen Sie aufpassen

Wenn Sie Ihr gewohntes Leben trotz Rheuma beibehalten wollen, müssen Sie auch selbst aktiv werden. Vor allem mit der richtigen Ernährung und viel Bewegung können Sie Ihr Befinden verbessern. Einige Lebensmittel können die chronische Entzündung noch weiter verstärken, andere wirken entzündungshemmend: Schalten Sie bei zuckerhaltigen Lebensmitteln und tierischen Fetten wie etwa Schweinefleisch und fettigen Wurstgerichten einen Gang runter. Zu tierischen Fetten zählen auch Milchprodukte wie Butter, Käse, Milch oder Joghurt. Alle anderen Lebensmittelgruppen können Sie ohne Bedenken verzehren. „Wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen, setzen Sie vor allem auf pflanzliche Nahrungsmittel wie Obst, Gemüse und Salate sowie auf Vollkornprodukte. Aber auch Fisch und pflanzliche Öle wirken sich förderlich auf Ihre Gesundheit aus“, rät Ernährungsmediziner Schwingenschlögl.

Das können Sie für Ihre Muskeln und Gelenke tun

Bewegung ist für Rheuma-Patienten ebenfalls sehr wichtig, jedoch unbedingt mit Maß und Bedacht! Ist das Gelenk angeschwollen, sollten Sie es nicht übermäßig belasten, weil das nicht nur die Schmerzen verstärkt, sondern auch zu erhöhtem Verschleiß im Gelenk führen kann. Umgekehrt wäre es jedoch ein großer Fehler, das Gelenk komplett ruhig zu stellen. Am meisten profitieren Sie von körperlichen Betätigungen, mit denen Sie Ihre Gelenke zwar regelmäßig, aber nicht übermäßig belasten. Dazu gehören Ausdauersportarten wie Nordic Walking, Wandern, Radfahren, Schwimmen oder Gymnastik. Ihr Vorteil: „Wenn Sie sich bewegen, kurbeln Sie nicht nur Ihr Immunsystem an – Ihr Zentralnervensystem schüttet zudem bestimmte Botenstoffe aus, die schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken“, so Schwingenschlögl. Mit systematischem Training oder Physiotherapie können Sie außerdem gezielt Bindegewebe, Bänder und Muskeln trainieren, um das betroffene Gelenk zu entlasten. Auch regelmäßige Massagen und warme Kräuterbäder können helfen. Bei akuten Entzündungen und Schwellungen haben sich Wickel und Packungen als Kälte- und Wärmeanwendungen bewährt.



Bastian Fersch / www.senioren-ratgeber.de; 30.11.2011
Bildnachweis: W&B/Jan Greune

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