Rente: Was darf ich dazuverdienen?

Viele ältere Menschen arbeiten neben der Rente. Ab 2017 gelten hier einige neue Regeln. Wir klären Sie über Hinzuverdienstgrenzen auf
von Stephan Soutschek , 02.01.2017

Hinzuverdienstgrenzen: Rentner solten ihre Abzüge vor Arbeitsbeginn durchrechnen

iStock/Squared Pixels

Senioren in Deutschland arbeiten aus unterschiedlichen Gründen neben der Rente. Die einen möchten auch im Ruhestand aktiv bleiben, nutzen den Beruf zum Austausch mit anderen Menschen. Andere arbeiten, um ihre spärliche Rente aufzubessern.

Was auch immer die Gründe sind: Rentner sollten sich vor Beginn einer Beschäftigung gut über die gültigen Hinzuverdienstgrenzen informieren. Denn überschreitet der Lohn bestimmte Grenzen, kann sich das auf die Rentenbezüge auswirken. Mit der beschlossenen Flexi-Rente gelten ab 1. Januar und 1. Juli 2017 einige neue Regelungen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Hinzuverdienstgrenzen für Rentner – zusammengestellt mit Unterstützung von Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund.


Auf einen Blick: Das ändert sich 2017

Mit dem im Oktober 2016 vom Bundestag und im November vom Bundesrat verabschiedeten Flexirentengesetz sollen Senioren mehr Freiheit bei der Erwerbstätigkeit neben der Rente erhalten. Die wichtigsten Neuregelungen im Überblick:


1. Höhere Ansprüche nach Rentenantritt

Wer bereits seine Regelaltersgrenze erreicht hat und Rente bezieht, kann sich eine Erwerbstätigkeit auf künftige Ansprüche anrechnen lassen. Dazu muss er sich auf freiwilliger Basis dazu entscheiden, seinen Arbeitnehmeranteil an die Rentenversicherung zu bezahlen. Das muss er seinem Arbeitgeber mitteilen. Bislang zahlte lediglich der Arbeitgeber seinen Beitragsanteil. Mit den Anteilen können die Rentenansprüche ab dem 1. Juli des darauffolgenden Jahres entsprechend steigen. Diese Regelung tritt zum 1. Januar 2017 in Kraft.


2. Hinzuverdienst bei vorzeitigem Rentenantritt

Bei vorzeitigem Renteneintritt dürfen Senioren bislang maximal 450 Euro pro Monat nebenbei sowie zweimal im Jahr 900 Euro pro Monat verdienen, ohne Abschläge auf die Rente zu erhalten. Andernfalls werden stufenweise je nach Verdienst die Bezüge gekürzt. Ab 1. Juli 2017 gilt ein einfacheres System: Bis zu 6300 Euro Verdienst im Jahr sind kein Problem. Alles darüber wird zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet.


3. Ausgleichszahlung bei Frühverrentung

Wer frühzeitig in Rente geht, muss Abschläge bei der Rente in Kauf nehmen. Neu ab 1. Juli 2017 ist, dass diese Kürzung sich bereits ab einem Alter von 50 Jahren durch eine Einmalzahlung ausgleichen lässt, um die volle Rente zu erhalten. Bislang war das erst ab 55 Jahren möglich. Hat jemand diese Zahlung getätigt, arbeitet dann aber doch länger als geplant, wird die Summe auf die Rentenansprüche angerechnet.


1. Wird mein Verdienst immer von der Rente abgezogen?

Derzeit gilt: Jede Nebentätigkeit, die den Grundfreibetrag von 450 Euro monatlich nicht überschreitet, stellt kein Problem dar. Der Verdienst wirkt sich nicht auf die Rente aus. Dies gilt sowohl für Altersrenten als auch für Erwerbsminderungsrenten.

Außerdem können alle, die eine Altersrente beziehen und die Regelaltersgrenze erreicht haben, unbegrenzt dazuverdienen, ohne dass die Rente sich kürzt. Wer über 450 Euro im Monat verdient, ist aber vor Erreichen der Regelaltersgrenze sozialversicherungspflichtig. Gegebenenfalls sind auch Steuern zu zahlen.

Bei Witwen- und Witwerrenten sind die monatlichen Freibeträge für einen anrechnungsfreien Hinzuverdienst höher. Je nach Wohnsitz des Hinterbliebenen beträgt der Freibetrag im Osten 756 Euro und im Westen 803 Euro. Übersteigt das eigene Einkommen der Witwe oder des Witwers den Freibetrag, wird die Hinterbliebenenrente gekürzt. Die Hinzuverdienstgrenzen und Freibeträge zu kennen ist daher sehr wichtig.

2. Wo kann ich mich über meine Hinzuverdienstgrenzen informieren?

Die Freibeträge und Rentenkürzungen werden zum Teil individuell berechnet. Wer wissen möchte, wie viel er dazuverdienen darf, sollte sich bei seinem Rentenversicherungsträger danach erkundigen. Darüber hinaus bieten Sozialverbände Beratungen zu diesem Thema an. Auch im Rentenbescheid stehen die Hinzuverdienstgrenzen.

3. Was kann ich dazuverdienen, wenn ich vorzeitig in Rente gegangen bin?

Die Regelaltersgrenze liegt für alle, die vor dem 1. Januar 1947 geboren sind, bei 65 Jahren. Für alle später Geborenen hebt der Gesetzgeber diese Grenze nach und nach auf 67 Jahre an. Wer eine vorzeitige Altersrente bezieht, darf von 1. Juli 2017 an 6300 Euro im Jahr abzugsfrei verdienen. Jeder Betrag, der darüber hinausgeht, wird zu 40 Prozent auf die Rente angerechnet. Eine Einschränkung gibt es: Übersteigt die Summe aus gekürzter Rente und Verdienst das höchste Jahreseinkommen der letzten 15 Jahre, wird der darüber liegende Verdienst von beidem komplett auf die Rente angerechnet.

Beim alten System (gültig bis Ende Juni 2017) durften Senioren bei vorzeitiger Altersrente monatlich bis zu 450 Euro nebenbei verdienen, ohne Abzüge fürchten zu müssen. Der monatliche Hinzuverdienst konnte außerdem zweimal pro Jahr den doppelten Betrag aufweisen, also 900 Euro. Bei höherem Verdienst wurde stufenweise nur eine Teilrente ausgezahlt.

4. Was darf ich bei einer Erwerbsminderungsrente dazuverdienen?

Die Hinzuverdienstgrenzen bei einer Erwerbsminderungsrente werden individuell berechnet. Dabei kommt es darauf an, ob Sie eine Voll- oder Teilrente beziehen, auf das Einkommen vor Rentenbeginn und ob Sie Ihren Hinzuverdienst in den alten oder neuen Bundesländern erzielen. Unter Umständen können die Kürzungen bei einer Erwerbsminderungsgrenze sich so schwer auswiegen, dass Sie keine Bezüge mehr erhalten oder der Anspruch auf die Rente entfällt. 450 Euro können Sie aber immer hinzuverdienen, ohne dass diese auf die Rente angerechnet werden. Wollen sie mehr zur Rente hinzuverdienen, dann unbedingt vorab bei der Rentenversicherung über die Hinzuverdienstgrenzen informieren.

5. Wie sieht es bei der Witwenrente aus?

Witwen und Witwer dürfen nach derzeitigem Stand (Dezember 2016) in den alten Bundesländern bis zu 803,88 Euro netto zusätzlich zu ihrer Hinterbliebenenrente verdienen, in den neuen Bundesländern 756,62 Euro. Bekommen sie mehr, werden 40 Prozent des übersteigenden Betrags von der Rente abgezogen. Ein Beispiel: Eine Witwe verdient zu ihrer Rente 903,88 Euro zusätzlich. Sie überschreitet den Freibetrag also um 100 Euro. Davon 40 Prozent sind 40 Euro. Um diesen Betrag kürzt sich also ihre Witwenrente.

6. Welche Hinzuverdienstgrenzen gibt es bei zwei Renten?

Wer eine eigene Rente und eine Witwenrente bezieht, sollte seine Finanzen unbedingt genau nachrechnen, bevor er einer Nebentätigkeit nachgeht. Denn die eigene Rente wird bereits auf den Freibetrag der Witwenrente angerechnet. Deshalb überschreitet man gegebenenfalls schon bei einem zusätzlich ausgeübten geringfügigen Beschäftigungsverhältnis die Grenze des Freibetrags. Schon ein kleiner Nebenjob kann damit die Witwenrente kürzen.



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