Der beste Sport bei Rheuma

Trotz Schmerzen: Bei Rheuma ist viel Bewegung wichtig für die betroffenen Gelenke. Dr. Blanche Piper erklärt, worauf Patienten achten sollten
von Nadja Katzenberger, 08.06.2017

Schwimmen: Gut geeigneter Sport bei Rheuma

iStock / Tom Merton

Welcher Sport eignet sich bei Rheuma?

Gut sind Sportarten, die die Gelenke nicht so stark belasten: Schwimmen, Wassergymnastik, Ergometertraining, Radfahren oder Walking. Kontakt- oder Mannschaftssport wie Tennis oder Fußball scheidet aus, das Verletzungsrisiko und die Belastung für die Gelenke sind zu hoch.

Dr. Blanche Piper ist Chefärztin der Klinik für Rheumatologie, Klinische Immunologie und Osteologie am Münchner Klinikum Bogenhausen

W&B/Bernhard Huber

Welchen Stellenwert hat das Funktionstraining?

Einen großen! In einem herkömm­lichen Fitnessstudio findet ein Rheumatiker nicht das, was er braucht. Rheuma ist eine hochentzündliche Erkrankung, daher ist es wichtig, dass Trainer und Physiotherapeuten sich gut damit auskennen und wissen, welche Übungen gleichzeitig schonen und fordern. Muskelaufbau ist auch ohne große Belastung der Gelenke möglich – und wichtig.

Um die Gelenke zu stützen und beweglich zu halten?

Das auch. Viele Patienten bekommen Kortison, das zu Knochenschwund führt, wenn es länger in hohen Dosen eingesetzt wird. Eine Osteoporose-Prophylaxe mit Vitamin-D-und Kalziumgabe sowie Muskelaufbau gehört daher zur Therapie.   

Das Funktionstraining findet auch im Wasser statt.

Lauwarmes Wasser ist genial, es entlastet die Gelenke, nimmt ihnen den Druck. Die Temperatur darf weder zu hoch noch zu niedrig sein. Zu große Wärme fördert die Entzündung eher, Kälte dagegen hilft in akuten, hochentzündlichen Phasen sehr gut. Das ist vergleichbar mit einem Wespenstich, da lindert Eis die Schmerzen ja auch am besten.

Wenn jeder Schritt schmerzt, ist doch an Sport kaum zu denken!?

In einer akuten Phase, während eines Schubs, bedeutet Sport tatsächlich Stress. Überforderung und falsche Belastung können einen neuen Schub sogar auslösen oder verstärken. Schmerzen sind deshalb ein Zeichen, Ruhe zu geben und das Gelenk zu schonen. An einem solchen Punkt ist die Therapie wichtig: Rheuma braucht starke Medikamente, wie zum Beispiel Kortison oder die neueren Biologika. Unser Ziel ist es, die Patienten zu stabilisieren. Wenn die akute Phase überstanden ist und der Patient keine Schmerzen mehr hat, kann er mit Krankengymnastik und Ergotherapie beginnen, später wieder trainieren.

Warum Ergotherapie?

Wenn die rheumatoide Arthritis Hände und Finger betrifft, ist vieles nicht mehr möglich, zum Beispiel die Drehung aus dem Handgelenk, wenn man eine Flasche oder ein Marmeladenglas öffnet. In der Ergotherapie lernen die Patienten Hilfsmittel kennen, mit denen sie solche Aufgaben bewältigen und wieder selbstständiger werden.

Trägt Bewegung auch allgemein dazu bei, besser mit der Krankheit zurechtzukommen?

Auf jeden Fall. Alles, was wohltut, ist schmerzlindernd. Zu erleben, dass sie ihren Körper nach einem Schub wieder aufbauen können, ist für die Betroffenen eine wichtige Erfahrung. Studien haben gezeigt: Patienten, die sich regelmäßig bewegen, verkraften Schmerzen oder Erschöpfung meist besser. Schon Kleinigkeiten helfen, etwa gegen die Morgensteifigkeit, unter der viele Rheumatiker leiden. Wer noch im Liegen seine Bewegungsübungen macht, kommt morgens besser aus dem Bett.


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