Für den Lieblingssport ist man nie zu alt

Kicken, turnen, Körbe werfen: Nach einer Pause wieder mit dem Lieblingssport von früher starten? Das ist meist kein Problem, wenn Sie einige Dinge beherzigen

von Petra Haas, aktualisiert am 29.12.2015

Tennis: Gute Technik gleicht körperliche Defizite aus

Banana Stock/RYF

Denken Sie manchmal noch daran? An das Volleyballmatch, bei dem Sie perfekt aufschlugen? An die rhythmische Sportgymnastik, in der Sie auf nackten Fußsohlen rasant durch die Halle turnten? Oder an das Fußballspiel, in dem Sie es Karl aus der Parallelklasse beim Konter so richtig zeigten?

Zu alt, zu unfit? Von wegen!

Wie sieht es heute mit Ihren sportlichen Leidenschaften aus? Knüpfen Sie nach einer langen berufsbedingten Pause in einer Seniorenmannschaft an alte Leistungen an? Oder lassen Sie es auf Ihrer Couch ruhig angehen, weil das Knie zwickt oder Sie nach einem Stockwerk schon ins Schwitzen kommen? Aktuelle Zahlen belegen eher Letzteres. Demnach ist gerade mal jeder siebte Senior über 65 regelmäßig aktiv.


Fußball schlägt Krafttraining

Das ist schade! Experten warnen, geliebte Aktivitäten aufgrund erster Zipperlein einfach aufzugeben, wo doch Studien zeigen: Schon 30 Minuten Bewegung täglich senken den Blutdruck, stärken das Selbstvertrauen – und heben die Laune. Dass ein flotter Spaziergang guttut, wissen viele. Geht es nach einer aktuellen Studie, sind es aber gerade die schweißtreibenden Sportarten von früher, die viel bringen.

Dänische Sportmediziner von der Universität Kopenhagen wählten bewusst ganz unsportliche Senioren zwischen 63 und 75 Jahren. Eine Gruppe traf sich wöchentlich zum Kicken, die zweite Gruppe absolvierte Krafttraining. Nach einem Jahr zeigte sich: Die Fußballer hatten ein größeres Lungenvolumen und eine bessere Ausdauer – und bei Anstrengung eine niedrigere Herzfrequenz, was die Gefäße schont. Das Krafttraining brachte Muckis hervor, erzielte jedoch weit weniger medizinische Erfolge.

Bewegung: Viel hilft auch viel

Die kickenden Senioren spürten auch unmittelbare positive Wirkungen: Sie bewältigten Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen und Gartenarbeiten besser. Eine Ballsportart, so die Forscher, ist eine perfekte Mischung aus Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination – ideale Voraussetzungen, bis ins hohe Alter selbstständig zu bleiben.

"Bei Aktivität gilt: Viel hilft viel", ermutigt Klaus-Michael Braumann, Präsident des Deutschen Sportärztebundes und Leiter des Instituts für Sport- und Bewegungsmedizin in Hamburg. Das Blut inaktiver Menschen enthalte viele Entzündungsstoffe. Bewegungsfreudige dagegen produzieren reichlich antientzündliche Substanzen, die wie ein Schutzschild gegen Krankheiten wie Schlaganfall oder Krebs wirken.

Hauptsache, es macht Spaß

Also Fußballschuhe in die Tasche packen und bei den Alten Herren mitkicken? Warum nicht! Der Sportwissenschaftler Christian Lusch vom Sport-Gesundheitspark Berlin, der selbst in einer Freizeit-Basketball-Mannschaft mit Älteren dribbelt, rät, sich in einem ersten Schritt Gedanken zu machen: Was macht mir Spaß, weckt meine Lebenslust? "Nur so trainiert man auch regelmäßig und bleibt am Ball", sagt er. Ob Handball oder Badminton – noch nie gab es so viele Seniorenmannschaften wie heute. Ideal sei eine Gruppe, in der nicht die Leistung, sondern der Spaß und sozialer Austausch im Vordergrund stehen.

Doch Braumann weiß, wie wichtig eine sportmedizinische Untersuchung vorab ist. "Bluthochdruck oder verengte Herzkranzgefäße machen sich erst bei Belastung bemerkbar" – zuvor müsse ein Arzt grünes Licht geben. Die gute Nachricht: "Wer es langsam angehen lässt, wird spüren: Leistung und Wohlbefinden verbessern sich enorm", verspricht der Sportmediziner. Wann machen Sie den ersten Schritt?


Tipps fürs Comeback

In der Jugend sportlich aktiv, mit 60 wieder? Gibt der Arzt sein Okay, spricht nichts dagegen, die Lieblingssportart wieder aufzunehmen. Oft sind jedoch Anpassungen sinnvoll:

1. Fußball

Eine aktuelle Studie der Universität des Saarlandes ergab: Ältere Amateurfußballer haben ein ähnlich hohes Verletzungsrisiko wie Profisportler. Ein Grund: Ihre Muskeln, Bänder und Sehnen sind weniger belastbar. Ein guter Trainer verkleinert das Spielfeld, verkürzt Spielzeiten, verbietet Grätschen und Stollenschuhe, bremst übertriebenen Ehrgeiz – und zeigt Übungen, die Verletzungen vorbeugen wie das FIFA-11+-Programm. Letztere Maßnahme wirkt jedoch erst bei zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche, so die Forscher.

2. Basketball/Volleyball

Das Verletzungsrisiko – besonders gefährdet sind Sprunggelenk, Hand und Fingergelenke – lässt sich durch ausgiebiges Aufwärmen, begleitende Koordinationsübungen und gezieltes Muskeltraining verringern. Gute Trainer berücksichtigen Defizite, achten auf häufige Trinkpausen, verkürzen Spielzeiten, was Erschöpfung vorbeugt. Gute Hallenturnschuhe reichen über den Knöchel und stabilisieren das Sprunggelenk.

3. Tennis/Badminton

Analysen von älteren Spielern zeigen: Ihr Körper ist steifer, nach langen Ballwechseln ermüden sie rascher. Profis kennen Tricks, ein Match weniger anstrengend zu gestalten. Etwa: besser Doppel spielen, ein elastischer Boden schont Gelenke. Defizite ausgleichen kann ein besserer Schlagstil oder eine ausgefeiltere Taktik.

4. Gymnastik

Hektische Ausfallschritte? Bloß nicht! Fachkundige Kursleiter für Rehasport etwa achten auf langsame, fließende Bewegungen. Der Ablauf sollte in jeder Stunde variieren – das fordert den Kopf. Wichtig sind zugleich koordinative Übungen, denn sie bewahren vor Stürzen.

5. Krafttraining

Gute Trainer entlarven altersbedingte Defizite in Rücken-, Schulter- und Oberarmmuskulatur und setzen bewusst auf Übungen mit hoher Intensität, was nachweislich vor Knochenbrüchen schützt.



Bildnachweis: Banana Stock/RYF

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