Sicher auf dem Fahrrad unterwegs

Wer bis ins hohe Alter in die Pedale tritt, bleibt länger fit. So achten Sie auf die richtige Sicherheit am Lenker
von Raphaela Birkelbach, 08.05.2017

Eine Radtour macht Spaß – und hält jung

F1online digitale Bildagentur GmbH/Image Source

Sein Faible für den Drahtesel hat Robert Marchand erst mit 79 entdeckt, sagt er. Heute hält der 105-jährige Franzose in seiner Altersgruppe den Weltrekord. In einer Stunde radelt der fitte Rentner knapp 23 Kilometer. Eine Spitzenleistung!

"Warum die Messlatte gleich so hoch legen?", fragt Dr. Ulrike Dapp vom Albertinen-Haus, einem Zentrum für Geriatrie und Gerontologie in Hamburg, und schmunzelt. "Hauptsache, Senioren fahren Rad!"

Rundumpaket für die Fitness

Radfahren ist beliebt, auch unter Senioren. Jeder Dritte in der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen nutzt es regelmäßig, bei den 60- bis 75-Jährigen sitzt immerhin jeder Fünfte mehrmals pro Woche im Sattel. Das zeugt von Rüstigkeit, urteilt die Fachwelt. "Radfahrer müssen verschiedene Dinge gleichzeitig tun", erläutert Dapp. Aufsteigen, in die Pedale treten, lenken, abbiegen, auf Autos achten. Ein Rundumpaket für die Fitness, das Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit sowie Koordination schult. "Also ein toller Freizeitsport, um so lange wie möglich im Alter selbstständig zu bleiben", weiß die Gerontologin.

Defizite lassen sich ausgleichen

Mehr noch: Wer sein Fahrrad nutzt, bleibt in der Regel länger selbstständig. "Zu Fuß sind Ältere unterwegs, solange es geht", resümiert die Alterswissenschaftlerin aus ihren Forschungsarbeiten. "Die Fähigkeit, Rad zu fahren, lässt unter Senioren deutlich eher nach." Ein Warnsignal, wertet Dapp: "Das kann ein erstes Anzeichen für Gebrechlichkeit sein." Das Gefährt stehen zu lassen sei zwar verständlich, meint die Hamburger Expertin. "Defizite lassen sich aber oft beheben oder durch vorhandene Reserven ausgleichen."

Professor Petra Wagner, Institut für Gesundheitssport und Public Health der Universität Leipzig

W&B/Michael Bader

Betagte Verkehrsteilnehmer länger bei der Stange zu halten ist auch das Anliegen von Professor Petra Wagner. "Senioren fühlen sich im Straßenverkehr zusehends unsicher", so die Direktorin des Instituts für Gesundheitssport und Public Health an der Universität Leipzig.

Mit dem Alter lassen Beweglichkeit, Kraft oder Reaktionsvermögen nach, auch das Sehen und Hören nimmt ab. "Wenn ältere Radfahrer in Unfälle verwickelt sind", sagt Wagner, "verlaufen diese meist drastischer." Auch weil viele das Fahren mit einem Pedelec falsch einschätzen.

Fit gegen Stürze auf dem Fahrrad

Um Stürzen vorzubeugen, hat die Gesundheitswissenschaftlerin aus Leipzig ein spezielles Übungsprogramm (Auswahl siehe unten) entwickelt, "die Fähigkeiten im Straßenverkehr schulen". Etwa sicher um die Kurve fahren, effektiv bremsen oder trotz Rollsplit die Balance wahren. Geübt wird in der Sporthalle, "vergleichbar der Skigymnastik, die einen fit für die Piste macht", erklärt Wagner. Wer mag, kann allein oder zu zweit daheim trainieren.

Doch bringt dieses Üben wirklich etwas fürs Radfahren? Die Leipziger Forscherin zieht eine positive Bilanz: Ältere bewegen sich nach dem Training weniger ängstlich im Straßenverkehr. Ein ausbaufähiger Ansatz, betont Petra Wagner: "Künftig werden wir in unser Bewegungsprogramm das Rad mit einbauen."

So machen Sie Ihr Rad fit:


Sattel etwas niedriger
: Erleichtert das Absteigen.

Lenker näher an den Oberkörper: Aufrechtes Sitzen entspannt – man fährt aufmerksamer.

Akkulicht anbauen: Dauerstrom sorgt für helles Licht – auch bei langsamem Fahren.

Reifencheck: Risse und ausgeblichene Stellen im Mantel sind ein sicheres Verschleißzeichen.

Passender Kopfschutz: Damit ein Helm seinen Zweck erfüllt, muss er gut sitzen.

Neues Fahrrad? Auf einen niedrigen Durchstieg achten. Die Bremsen sollten sich gut dosieren lassen.


Fachliche Beratung: Christian Burmeister, Radfahrlehrer, Hamburg


Training: So werden Sie fit fürs Fahrrad

Übungen mindestens zwei Mal in der Woche wiederholen

W&B/Astrid Zacharias

Mehr Balance: Im hüftbreiten Stand mit einer Hand an der Wand abstützen. Nun abwechselnd das rechte und das linke Bein anheben. Steigerung: angehobenes Bein vor- und rückwärts schwingen.

W&B/Astrid Zacharias

Fest im Sattel: Auf einen Stuhl setzen. Die Beine sind hüftbreit auseinander. Verlagern Sie Ihr Gewicht nun ein wenig nach rechts, nach links, nach vorn und nach hinten. Steigerung: weiches Kissen unterlegen und ein Bein anheben.

W&B/Astrid Zacharias

Kräftiger Tritt: Mit einer Hand am Handlauf der Treppe festhalten. Nun auf unterster Treppenstufe auf die Zehen hochdrücken, kurz halten, wieder senken. Steigerung: wechselseitig üben.

W&B/Astrid Zacharias

Sicher am Lenker: Stab waagerecht mit ausgestreckten Armen vor sich halten, während der Partner leicht daran zieht und drückt. Steigerung: Der Partner verstärkt seinen Krafteinsatz.

W&B/Astrid Zacharias

Alles im Blick: Beidhändig an Wand abstützen. Linke Hand auf Schulterhöhe nach hinten führen und sagen, was der Partner, der neben Ihnen steht, auf dem Zettel notiert hat.

Steigerung: mit Softball in der Hand abstützen.


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