Eine Zahnprothese soll sich nahezu anfühlen wie die eigenen Zähne. Damit die „Dritten“ perfekt im Mund halten, müssen sie optimal angepasst, gepflegt und regelmäßig vom Zahnarzt kontrolliert werden. Schließlich soll ein künstliches Gebiss nicht nur gut aussehen, es soll auch die Kau- und Sprachfunktion optimal wiederherstellen. Bei fehlenden eigenen Zähnen verlangsamt eine gut sitzende Prothese außerdem den natürlichen Knochenabbau im Kiefer und gibt eingefallenen Lippen und Wangen das ursprüngliche Aussehen zurück.
Am perfekten Sitz der dritten Zähne hängt ein großes Stück Lebensqualität. Eine sorgfältige Anpassung durch den behandelnden Zahnarzt ist daher das A und O. Mindestens fünf Termine sind nötig, um eine Zahnprothese anzupassen. Dr. Michael Gleau, Zahnarzt in München und Referent der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Bayerns, erklärt die einzelnen Schritte:
Die perfekte Anpassung
Eines vorweg: Eine Zahnprothese anzupassen ist in der Regel nicht schmerzhaft – Angstpatienten haben keinen Grund zur Panik. Wichtig ist, dass die Behandlung sorgfältig geplant wird. Dazu gehört ein eingehendes Gespräch zwischen Arzt und Patient, in dem die individuellen Wünsche geklärt werden, etwa was Farbton und Form der neuen Zähne angeht. Der Zahnarzt wird außerdem den Zustand von Kiefer und Schleimhäuten untersuchen, da dieser wesentlich den Halt der Prothese beeinflusst.
Nach abgeschlossener Diagnose erstellt der Zahnarzt den sogenannten Heil- und Kostenplan, den gesetzlich versicherte Patienten bei ihrer Krankenkasse einreichen. Bewilligt die Kasse den Kostenplan – der Zuschuss ist abhängig vom individuellen Befund und daher bei jedem Patienten unterschiedlich – kann die konkrete Anpassung beginnen. „Die Form des Kiefers ermitteln wir mit verschiedenen Abdrücken“, sagt Gleau.
Auf der Basis von Gipsmodellen wird ein sogenannter individueller Abdrucklöffel hergestellt, mit dem noch einmal die exakten Konturen, besonders von Mundbogen, Zunge und Wange festgestellt werden. Extrem wichtig bei der Anpassung einer Zahnprothese ist, dass der Zahnarzt den Biss sorgfältig ermittelt. „Beim Beißen lastet der größte Druck auf Prothese, Schleimhäuten und Kieferknochen. Dieser sollte optimal verteilt sein, damit die Prothese keine Schmerzen bereitet“, erklärt Gleau.
Danach können die künstlichen Zähne in ein Wachsmodell eingearbeitet werden – das Wachs ermöglicht schnelle Änderungen, bietet aber auch genügend Halt für eine Anprobe. Die Prothese soll perfekt sitzen, wie ein maßgeschneiderter Anzug. Hierfür sind natürlich einige „Anproben“, also Zahnarzttermine, nötig. „Wenn alles reibungslos klappt, kann der Patient aber nach wenigen Wochen mit seiner Zahnprothese nach Hause gehen“, so Gleau.
Die Nachsorge nicht vergessen
Die späteren Nachsorgeuntersuchungen, bei denen der korrekte Sitz nochmals geprüft und die Mundschleimhäute auf eventuelle Druckstellen untersucht werden, sollten Patienten unbedingt wahrnehmen. Druckstellen sind bei einer neuen Zahnprothese nicht ungewöhnlich, weil sich Mundschleimhaut und Kiefermuskulatur erst an das neue Gebiss gewöhnen müssen. Umso wichtiger ist es, mögliche Druckstellen durch Nachbesserungen an der Prothese zu beseitigen, da sie zu schmerzhaften und gefährlichen Entzündungen führen können.
Und selbst wenn die Dritten nach der Eingewöhnungszeit optimal sitzen, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen notwendig – mindestens einmal jährlich. Denn der menschliche Körper verändert sich ständig, etwa durch den Knochenabbau im Kiefer oder aufgrund von Gewichtsschwankungen. Schon ein paar Kilo mehr oder weniger auf der Waage können sich negativ auf die Passform der Prothese auswirken.
Simone Herzner / www.senioren-ratgeber.de;
05.08.2005, aktualisiert am 11.10.2011
Bildnachweis: Digital Vision/ RYF
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