Patientenverfügung richtig verfassen

Eine Patientenverfügung sorgt für den Fall vor, dass Sie Ihren Willen nicht mehr äußern können. Wie Sie das Dokument richtig verfassen, welche Angaben es enthalten muss

von Stephan Soutschek, aktualisiert am 12.05.2014

Mit einer Patientenverfügung sorgen Sie für den Krankheitsfall vor. Aber wie?

W&B/Jan Greune

Natürlich wünschen wir uns, bis zum Ende unseres Lebens gesund zu bleiben. Doch vor einem Unfall oder einer schweren Erkrankung ist niemand gefeit. Dann ist es gut, eine Patientenverfügung zu besitzen. Wir beantworten die häufigsten Fragen zu diesem wichtigen Schriftstück.

1. Für welche Fälle benötige ich eine Patientenverfügung?

Eine Patientenverfügung regelt, welche Maßnahmen zur medizinischen Versorgung bei ihnen im Krankheitsfall durchgeführt oder unterlassen werden sollen. Sie greift dann, wenn Sie ihren Willen nicht mehr selbstständig äußern können, etwa weil Sie im Koma liegen oder bei einer Demenz. Mit Hilfe der Patientenverfügung können die Ärzte Ihren Wünschen entsprechend handeln – und zum Beispiel lebenserhaltende Maßnahmen einleiten oder diese unterlassen.


2. Was passiert, wenn ich keine Patientenverfügung besitze?

Viele glauben, wenn sie keine Patientenverfügung hinterlegt haben, können der Partner oder ein anderer naher Angehörige entscheiden, was mit ihnen geschehen soll. Das ist aber nicht der Fall. "Ohne Patientenverfügung muss der behandelnde Arzt versuchen, Ihren mutmaßlichen Willen zu ermitteln", sagt Christoph Kranich, Leiter der Fachabteilung Gesundheit und Patientenschutz bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Dazu befragt der Arzt zwar beispielsweise Ihre näheren Angehörigen. Wer sich nicht darauf verlassen möchte, dass diese Ihren Vorstellungen entsprechend Auskunft geben und dass dann auch mit dem Arzt eine entsprechende Entscheidung getroffen wird, sollte unbedingt eine Patientenverfügung verfassen.

3. Ist eine Patientenverfügung immer gültig?

In der Regel müssen Ärzte sich an die Bestimmungen in der Patientenverfügung halten. Allerdings greift diese nur dann, wenn genau die Situation vorliegt, die darin beschrieben steht. Angaben, die aktive Sterbehilfe beinhalten, sind ungültig. Weitere Voraussetzungen: Der Autor muss zum Zeitpunkt des Verfassens volljährig und einwilligungsfähig sein und die Verfügung aus freien Stücken erstellen.

4. Was muss eine Patientenverfügung formal enthalten?

Eine Patientenverfügung muss immer in schriftlicher Form vorliegen. Ob handgeschrieben oder am Computer, spielt dabei keine Rolle. Das Dokument muss außerdem Ihren Namen, ein Datum sowie Ihre Unterschrift enthalten. Hilfreich ist, wenn ein Zeuge zudem mit einer Unterschrift bezeugt, dass Sie zum Zeitpunkt des Verfassens im Vollbesitz Ihrer geistigen Kräfte waren. So verhindern Sie, dass die Aussagen der Patientenverfügung angezweifelt werden. Dieser Zeuge kann ein naher Verwandter sein, dem Sie vertrauen, oder der Hausarzt. Eine Beglaubigung durch einen Notar ist nicht notwendig.

5. Wie formuliere ich eine Patientenverfügung richtig?

Auch wenn es Vordrucke im Internet gibt: Nehmen Sie sich auf jeden Fall die Zeit, die Patientenverfügung eigenständig zu formulieren. Beschreiben Sie in ihr jeden Fall, für den Sie Dinge ablehnen oder besondere Maßnahmen wünschen. Also zum Beispiel, wenn Sie im Koma liegen, an einer unheilbaren Krankheit leiden, unabwendbar im Sterben liegen oder dement sind. Soll in jedem Fall von allen Möglichkeiten moderner Medizin Gebrauch gemacht werden? Hat Lebenserhalt Vorrang vor Schmerzen – oder umgekehrt? Sollen nach Ihrem Tod Ihre Organe entnommen werden? Je konkreter Sie werden, desto besser. Das fällt natürlich leichter, wenn eine bestimmte Krankheit schon vorliegt. "Gerade Gesunde können kaum alle möglichen Fälle in ihrer Patientenverfügung berücksichtigen", sagt Kranich. Dann kann es sinnvoll sein, ein paar allgemeinere Angaben niederzuschreiben: Was ein menschenwürdiges Leben für Sie bedeutet, zum Beispiel. Sie erlauben dem behandelnden Arzt im Bedarfsfall Rückschlüsse darauf, was ihr möglicher Wille ist.

6. Was kann mir beim Verfassen helfen?

Bevor Sie die Patientenverfügung schreiben, kann ein Gespräch mit Ihrem Hausarzt sinnvoll sein. Dieser hat eine gute Übersicht über Ihre persönliche Krankengeschichte. Außerdem kennt er sich mit den schwierigen medizinischen Fragen, um die es in einer Patientenverfügung geht, meist gut aus und kann Sie dabei beraten. Zudem ist es sinnvoll, mit Ihren Angehörigen über Ihre Vorstellungen zu reden. So können diese im Ernstfall die Gründe für Ihre Entscheidung besser nachvollziehen. Auch die Verbraucherzentralen bieten Beratung zur Patientenverfügung an.

7. Wo bewahre ich eine Patientenverfügung am besten auf?

Eine Patientenverfügung nützt nichts, wenn sie im Bedarfsfall nicht auffindbar ist. Idealerweise tragen Sie das Schriftstück immer bei sich. Wer das nicht möchte, hinterlegt im Portemonnaie zumindest ein Hinweiszettel, wo sich die Patientenverfügung befindet – etwa bei einem Angehörigen oder beim Hausarzt. Wer sich einer schwierigen Operation unterziehen muss, nimmt das Dokument am besten mit ins Krankenhaus und macht das Klinikpersonal darauf aufmerksam.

8. Muss ich eine Patientenverfügung regelmäßig erneuern?

Nein. Auch eine Patientenverfügung die vor einem, zwei oder zehn Jahren verfasst wurde, behält ihre Gültigkeit, sofern sie nicht widerrufen wurde oder es Anhaltspunkte dafür gibt, dass es nicht mehr ihrem Wunsch entspricht, diese gelten zu lassen. In Ihrem eigenen Interesse sollten Sie die Angaben aber regelmäßig darauf überprüfen, ob sie noch mit Ihren derzeitigen Ansichten übereinstimmen. Eine kürzlich aktualisierte Patientenverfügung lässt sich außerdem meist schlechter anzweifeln als eine, die schon das eine oder andere Jahrzehnt auf dem Buckel hat.

9. Was ist eine Vorsorgevollmacht?

Die Vorsorgevollmacht regelt, wer stellvertretend für Sie entscheiden darf, wenn Sie Ihren Willen nicht mehr äußern können. Da Sie in einer Patientenverfügung kaum alle Möglichkeiten berücksichtigen können, ist es sinnvoll, zusätzlich noch eine Vorsorgevollmacht anzufertigen. Eine entsprechend bevollmächtigte Person darf beispielsweise auch Rechtsgeschäfte und Behördenangelegenheiten für Sie erledigen. Die Vorsorgevollmacht muss wie die Patientenverfügung schriftlich vorliegen. "Soll der Bevollmächtigte auch Vermögensfragen regeln dürfen, müssen Sie die Vorsorgevollmacht von einem Notar beglaubigen lassen", sagt Kranich. Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sind eine gute Ergänzung zueinander und können auch als ein gemeinsames Dokument verfasst werden.

10. Was ist eine Betreuungsverfügung?

Bei der Betreuungsverfügung bennen Sie dem Betreuungsgericht eine Person, die Sie vertreten soll, wenn Sie nicht mehr entscheidungsfähig sind und ein Betreuer bestellt werden muss. Tritt der Ernstfall ein, prüft das Gericht erst, ob der gewählte Betreuer für die Aufgabe geeignet ist. Leidet dieser inzwischen beispielsweise selbst an einer Demenz, kann das Gericht ihn ablehnen. In diesem Fall ernennt es eine andere Person zu Ihrem rechtlichen Betreuer, in der Regel einen nahen Angehörigen.



Bildnachweis: W&B/Jan Greune

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