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Tagespflege: Der neue Alltag in den Einrichtungen

Für viele pflegende Angehörige waren die vergangenen Wochen und Monate besonders hart. Wer sonst auf Entlastung durch die Tagespflege angewiesen war, musste wegen der Corona-Pandemie mehr als sonst schultern. Nun öffnen die Tagespflege-Einrichtungen wieder – unter strengen Auflagen.

von Orla Finegan, 25.06.2020

Endlich gibt es wieder Entlastung für viele pflegende Angehörige: Tagespflege-Einrichtungen dürfen mehr als nur die Notbetreuung anbieten und wieder ihre regelmäßigen Besucher aufnehmen. Wer die Türen nicht schon wieder geöffnet hat, steht zumindest kurz davor – immerhin muss für den neuen Alltag einiges vorbereitet werden: Räume müssen angepasst, Gruppen und Personal eingeteilt und Abläufe neu organisiert werden.

Besonders wichtig: Abstand halten und Maske tragen

"Wir haben ein sechsseitiges Hygienekonzept für die Tagespflege", erzählt Christoph Siebler, Geschäftsführer einer Sozialstation im baden-württembergischen Klettgau. Denn das ist eine der wichtigsten Vorgaben, bevor eine Tagespflege wieder Gäste aufnehmen darf: ein Hygienekonzept, das Ansteckung und Verbreitung des neuartigen Coronavirus so gut wie möglich verhindert. Hier ist geregelt, wie viele Besucher in einer Gruppe oder in einem Raum sein dürfen, wie Mahlzeiten möglichst kontaktlos ablaufen oder wie sichergestellt wird, dass die Gäste immer saubere Masken tragen. Was auf jeden Fall eingehalten werden muss, bestimmt die Landesregierung des jeweiligen Bundeslands. Für Baden-Württemberg beispielsweise finden Sie hier mehr Informationen. Das Gesundheitsamt des Landkreises, in dem die Tagespflege liegt, ist für die Einhaltung der Regeln zuständig. Die Hygienekonzepte müssen zwar nicht abgegeben, aber auf Verlangen vorgezeigt werden.

Welche Hygienevorschriften in Ihrer Tagespflege gelten, kann sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden. Und dann kommt es auch auf die Gegebenheiten vor Ort an. Erkundigen Sie sich am besten direkt bei der Einrichtung, wie Ihr Angehöriger dort vor Covid-19 geschützt wird.

Zentral sind neben dem Hygienekonzept in den Handlungsempfehlungen die Maskenpflicht und der Mindestabstand von 1,5 Metern. Es gibt aber auch Ausnahmen: "Pflegebedürftige, denen das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung wegen einer Behinderung oder aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich oder unzumutbar ist, sind von der Trageverpflichtung befreit", teilt beispielsweise das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege mit.

Um trotzdem alle Besucher der Tagespflege zu schützen – ob ohne Maske oder mit viel Bewegungsdrang – ist es umso wichtiger, dass sie die Abstände einhalten können. "Wir brauchen natürlich viel mehr Platz als vorher", erzählt Siebler. In seiner Einrichtung im südlichen Baden-Württemberg kamen vor Corona 140 Besucher: manche täglich, manche wöchentlich – je nach Bedarf. Jetzt, während der Pandemie, sei die Einrichtung nur zu 50 Prozent belegt. Um die Abstände einzuhalten, seien die Gruppen kleiner. "Nicht jeder kann an seinem Wunschtag kommen, aber alle haben großes Verständnis", sagt Siebler. "Viele bleiben aber auch noch zuhause, weil sie Angst vor Ansteckung haben." Im Großen und Ganzen, sagt er, funktioniert der neue Alltag trotz Herausforderungen aber ganz gut. Das Essen werde nicht mehr am Tisch aufgetan, sondern gleich serviert, an den Tischen sitzen statt acht Bewohnern nur drei bis vier. Auch Toiletten und Badezimmer sind nach Gruppen aufgeteilt.

Fiebermessen gehört zu den neuen Routinen

Ganz schwierig: die Fahrdienste. Die Klettgauer Sozialstation hat schon mehrere Minibusse professionell umrüsten lassen, um die Sitzreihen mit Plexiglas-Scheiben abzutrennen. Wer mitfährt, muss trotzdem eine Maske tragen. "Die bringt der Fahrdienst mit, um sicherzustellen, dass die Maske wirklich sauber ist", sagt Siebler. Auch Fiebermessen gehört zu den neuen, täglichen Routinen, um eine Infektion frühzeitig zu entdecken. Die Angehörigen seien zwar angehalten, selbst auch auf Krankheitsanzeichen zu achten, sicherheitshalber wird aber von jedem Besucher die Temperatur kontrolliert.

Das Video der Apotheken Umschau erklärt, welche Arten, Fieber zu messen, es gibt und was dabei jeweils zu beachten ist

Auch in einer Münchner Tagespflege-Einrichtung, geleitet von Angelika Jofer und Boris Kardum, kehrt langsam der neue Alltag ein. Der Betrieb lief in den vergangenen Wochen ebenfalls auf Sparflamme, nur wenige Pflegebedürftige ohne Angehörige kamen in die Notbetreuung, erzählt Jofer. Mittlerweile kommen viele Besucher wieder. Trotzdem: Die Gruppen sind aufgrund des Platzes nur noch halb so groß wie vor Corona. Doch Jofer hat Glück: Im ersten Obergeschoss können noch Räume umgebaut werden, und auch von ihren Besuchern bleiben einige sicherheitshalber noch zuhause. Wenn sich die Situation weiter entspannt, können bald wieder mehr Angehörige ihre Familienmitglieder in die Hände von Jofer und ihrem Team geben.

So können Sie Ihren Angehörigen und andere schützen:

  • Achten Sie auf Krankheitsanzeichen bei Ihrem Angehörigen. Ist er schlapper als gewöhnlich? Messen Sie täglich die Temperatur.
  • Wenn möglich, verzichten Sie auf den Fahrdienst, und bringen Sie Ihren Angehörigen selbst zur Tagespflege.
  • Minimieren Sie die Gefahr, das Virus in Ihren Haushalt zu bringen, indem Sie sich streng an die allgemeinen Hygienemaßnahmen halten und unnötige Kontakte mit vielen Menschen vermeiden.

 


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