Fischkauf: Diese Siegel sollten Sie kennen

Aquakultur, Wildfang, bio oder besonders geschützt – wer Fisch kauft, hat die Wahl. Die Siegel auf der Verpackung sollen Orienteriung bieten. Hier werden die wichtigsten erklärt:

von Orla Finegan, 29.11.2018
Gegrilltes Lachsfilet

MCS Logo

Das MSC-Siegel

Im deutschen Handel finden Sie knapp 5000 Fischprodukte aus Wildfang, die das blaue Siegel des Marine Stewardship Council (MSC) tragen. Der MSC wurde 1997 vom Lebensmittelkonzern Unilever und dem World Wide Fund for Nature (WWF) gegründet, ist mittlerweile aber eine selbstständige Organisation. Nach eigenen Angaben garantiert das Siegel, dass das Produkt aus nachhaltiger Fischerei stammt. Demnach dürfen die Fischer nur so viel fangen, dass sich die Population wieder erholen kann. Auch die Fangmethoden sollen "angemessen" sein, und in den befischten Regionen muss geltendes Recht eingehalten werden. Erst vor wenigen Monaten wurde der MSC von 60 internationalen Umwelt- und Meeresschutzorganisationen scharf angegriffen. Der Vorwurf: Umstrittene Fischereien sollen zu Unrecht als nachhaltig zertifiziert worden seien. Auf die Kritik angesprochen erklärte das Unternehmen im Herbst, dass alle fünf Jahre die Umweltstandards überarbeitet werden. Bis zur vollständigen Umsetzung könnten aber bis zu zehn Jahre vergehen.

Das ASC-Siegel

Auch für den Aquaculture Stewardship Council (ASC) war der WWF Wegbereiter. Gemeinsam mit einer niederländsichen Initiative für nachhaltigen Handel gründete der WWF im Jahr 2010 den ASC. Wie der Name schon sagt, konzentriert sich die Arbeit des ASC auf Aquakultur, also auf Fischfarmen. Die Organisation will dafür sorgen, "die wichtigsten negativen Auswirkungen der Fischzucht zu reduzieren oder eliminieren, dabei aber für alle Interessensvertreter akzeptabel zu bleiben". Das Siegel ähnelt optisch dem Siegel des MSC, die Grundfarbe ist türkis. Durch die kontrollierte Aquakultur soll das ASC-Siegel Wasserverschmutzung, Zerstörung der Ökosysteme oder schlechte Arbeitsbedingungen verhindern. Die Lebensbedingungen der Fische und auch Futter- und Medikamenteneinsatz richtet sich nicht nach ökologischen Richtlinien wie bei den Biosiegeln der EU oder bei ökologischen Anbauverbänden.

EU-Bio-Siegel

Das EU-Biosiegel

Dieses Siegel wurde im Juli 2010 EU-weit eingeführt und kennzeichnet Lebensmittel, die nach der EU-Öko-Verordnung hergestellt wurden. Die Produkte werden ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und Gentechnik kontrolliert ökologisch angebaut. Für Fisch, Krebstiere und Algen aus Aquakultur gilt: Künstliche Hormone dürfen in der Zucht nicht eingesetzt werden und das Fischfutter muss auch nach den ökologischen Standards hergestellt werden.

Bioland Logo

Das Bioland-Siegel

Bioland ist ein eigener Anbauverband in Deutschland und Südtirol, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, "den organisch-biologischen Landbau zu fördern und weiterzuentwickeln". Bioland-Bauern züchten Karpfen in Teichen – die Menge der Fische muss an die Größe des Teiches angepasst werden. Über 50 Prozent des Futters muss aus dem Teich stammen, pflanzliches Zusatzfutter muss aus dem eigenen Anbau kommen, zumindest aber auch Bioland-zertifiziert sein. Auch die Schlachtung ist in den Richtlinien geregelt: "Die Fische müssen vor dem Schlachten betäubt werden und dürfen nicht durch Ersticken getötet werden."

Naturland Logo

Das Naturland-Siegel

Im Gegensatz zu Bioland ist Naturland nicht regional beschränkt. Der Anbauverband hat Mitglieder in der ganzen Welt und zertifiziert auch größere Betriebe. Die ökologischen Vorgaben sind, genau wie die von Bioland, in manchen Bereichen strenger als das EU-Siegel. Für Aquakultur sieht Naturland vor, dass Fischmehl und Fischöl im Futter aus Resten der Verarbeitung von Speisefischen und nicht, wie sonst üblich, aus industrieller Fischerei eigens zur Futterproduktion stammen muss. Für Wildfisch gibt es eigene Richtlinien: Da bei Wildfisch unter anderem nicht das Futter der Tiere kontrolliert werden kann, liegt der Fokus hier auf nachhaltiger Fischerei. Naturland gibt an, hier eng mit kleinen Fischereibetrieben zusammenzuarbeiten und darauf zu achten, dass soziale und ökologische Standards auf allen Ebenenen der Wertschöpfungskette eingehalten werden.

Geschützte Geographische Angabe Logo

Geschützte Geografische Angabe

Dieses EU-Siegel zeigt dem Verbraucher, dass der Titel hält, was er verspricht. Eine Schwarzwaldforelle hat demnach tatsächlich Bezug zum Schwarzwald: Laut Siegel muss das Produkt vor Ort erzeugt, verarbeitet oder hergestellt werden.


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