Anmelden | Registrieren
Drucken

Verdauung: Was sich im Alter ändert

Die Verdauungsprozesse verändern sich mit steigendem Lebensalter. Wer dies weiß und berücksichtigt, kann Darm-Beschwerden und Verstopfung vorbeugen


Nichts geht mehr? Die Einnahme von Abführmitteln sollten Sie mit Ihrem Arzt besprechen

„Glück besteht aus einem hübschen Bankkonto, einer guten Köchin und einer tadellosen Verdauung“, behauptete einst der französische Philosoph Jean-Jacques Rousseau. Zumindest in Teilen dürfte er Recht haben: Eine gute Verdauung hat erheblichen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Allerdings stellen wir das meist erst fest, wenn Verdauungsprobleme auftauchen. Und diese nehmen mit steigendem Lebensalter zu.

Die Verdauung setzt sich aus einer Fülle von Funktionen zusammen, die von den Zähnen bis zum Enddarm reichen. Verminderter Speichelfluss, Parodontose, Zahnverlust und falsch sitzende Prothesen, welche Schmerzen verursachen, wirken sich gravierend auf das Essverhalten und damit auf die Verdauung aus. Die gleiche Wirkung haben Schluckstörungen, die unter anderem durch einen trockenen Mund oder nachlassende Muskelbewegung der Speiseröhre ausgelöst werden können.


Sämtliche Verdauungsorgane altern. Die Leber etwa büßt an Leistungsfähigkeit ein, weshalb man Alkohol nicht mehr so gut wie in jungen Jahren verträgt. Auch die Wirkung von Medikamenten kann sich dadurch verändern. Die Bewegungen des Darms (Peristaltik), die den Nahrungsbrei bzw. Stuhl weitertransportieren, nehmen ab. Dies kann Verstopfungen begünstigen. Ein Problem, das ebenfalls vorwiegend in höherem Alter auftritt sind die sogenannten Divertikel. Es handelt sich dabei um Ausstülpungen der Darmschleimhaut. Sie können sich entzünden und dann zu starken Schmerzen führen.

Kein Wunder also, dass Beschwerden und Erkrankungen der Verdauungsorgane zu den häufigeren Begleiterscheinungen des Alterns gehören: Viele Senioren leiden unter chronischer Verstopfung, auch Blähungen, Durchfall und unwillkürlicher Stuhlabgang (Stuhlinkontinenz) sind Beschwerden, die manchen älteren Personen zu schaffen machen. Aber darüber spricht man nicht gerne.

„Es ist ein Tabuthema“, bestätigt der Bielefelder Facharzt Dr. Siegfried Heuer. Als Leiter des Gastroenterologischen Zentrums Bielefeld behandelt er häufig ältere Patienten, die mit schmerzhaften Bauchkrämpfen zu ihm kommen. Der Arzt muss klären, ob sich dahinter eine Magenschleimhautentzündung, Dickdarmreizung, Bauchspeicheldrüsenentzündung, Nierenreizung oder anderes verbirgt. In den meisten Fällen ergibt sich die vergleichsweise harmlose Diagnose: Verstopfung. Frauen seien doppelt so häufig betroffen wie Männer, sagt Dr. Heuer. Falsche Ernährung, zu geringe Flüssigkeitsaufnahme, Bewegungsmangel, aber auch die Nebenwirkungen von Medikamenten – das sind die Hauptgründe für quälende Verstopfung. Manchmal steckt jedoch auch eine Krankheit hinter dem Symptom. Anhaltende oder ständig wiederkehrende Verstopfung sollte man daher vom Arzt abklären lassen.

In den meisten Fällen lässt sich durch eine gezielte Änderung der Lebensweise und Ernährung gegensteuern. Bei manchen Patienten herrsche allerdings eine falsche Vorstellung von der „normalen“ Verdauung, hat Dr. Heuer festgestellt. „Sie glauben, man müsse einmal am Tag Stuhlgang haben, sonst sei etwas nicht in Ordnung.“ Der Bielefelder Spezialist gibt Entwarnung: „Zwischen drei Mal am Tag und drei Mal in der Woche ist alles normal.“

Unmerklich, aber regelmäßig – so soll unsere Verdauung sein, und das bitte auch in höherem Lebensalter. Das funktioniert am besten, wenn man das Verdauungssystem anregt: durch eine gesunde und ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeit. Und durch Bewegung: Sport hält auch den Darm auf Trab. Die Einnahme von Abführmitteln oder verdauungsfördernden Medikamenten sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt oder Apotheker erfolgen. Der Philosoph Jean-Jacques Rousseau bemerkte in diesem Zusammenhang recht süffisant: „Wenn man seine Gesundheit durch ein zügelloses Leben verdorben hat, will man sie durch Arzneimittel wiederherstellen.“




Bildnachweis: Panthermedia/Michael Rerych

Ingrid Kupczik, www.senioren-ratgeber.de; 29.09.2011
Bildnachweis: Panthermedia/Michael Rerych

Newsletter abonnieren

Hier können Sie unseren kostenlosen Newsletter abonnieren »

Bauen Sie Obst und Gemüse daheim selbst an?

Auf www.apotheken-umschau.de

Medikamentencheck

Nebenwirkungen und Wechselwirkungen von Arzneien überprüfen »

Sudoku

Lieben Sie es, mit Zahlen zu knobeln? Dann können Sie sich auf unserer Sudoku-Seite so richtig austoben »

Memo-Spiele

Unsere Kartenaufdeck-Spiele, die ähnlich wie das klassische Memory® funktionieren »

© Wort & Bild Verlag Konradshöhe GmbH & Co. KG

Weitere Online-Angebote des Wort & Bild Verlages

Apotheken Umschau mit den Themen Krankheiten von A-Z, Symptome, Medikamentencheck, Laborwerte, Heilpflanzen, Hausapotheke, Abnehmen, Gesundheitsvideos, Apothekensuche, Gehirn-Jogging und Sport
Diabetes Ratgeber mit Informationen zu Diabetes Typ 1 und Diabetes Typ 2: Symptome, Behandlung und Ernährung bei Zuckerkrankheit
Baby und Familie mit Themen rund um Schwangerschaft, Geburt, Vorsorge, Kinderkrankheiten, Homöopathie und Erziehung

55 34