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Es ist ja nicht leicht: Die lieben Kleinen sollen mitreden können. Das hilft der Entwicklung, sagt man. Aber es ist auch einfach wahnsinnig anstrengend. Kein Wunder, wenn Eltern manchmal zwischen klaren Ansagen und gemein­samen Entscheidungen ins Schlingern kommen. Mehr noch: Manchmal will man nur noch aufgeben und brüllen: „Macht doch, was ihr wollt!“

Deshalb haben wir zwei Profis an Bord geholt und sie gebeten, zu klassischen Dauerbrennerthemen klare Ansagen zu machen: Wer sollte in welcher Situation das Sagen haben? Wer darf wie mitmischen? Inke Hummel ist Pädagogin aus Bonn und erfahren in Fragen der Kindererziehung. Sie hat selbst drei Kinder. Dr. Gerd Sparrer aus Seeshaupt ist Kinder- und Jugendtherapeut und außerdem Vater und Großvater.

Wie führt man Kinder an eine gesunde Ernährung heran?

Inke Hummel: „Ernährung sollte kein Erziehungsfeld mit Vorgaben oder Zwängen sein. Stattdessen sollten Eltern Lebensmittel im Haus haben, die sie bedenkenlos anbieten möchten. Wenn Kinder dann noch bei der Essensplanung, beim Einkauf und beim Kochen einbezogen werden, vermittelt ihnen das ein Gefühl von Selbstwirksamkeit – und verringert die Diskussionen um das Essen. Es sollten auch Süßigkeiten im Haus sein, den Umgang damit müssen Kinder ja lernen. Das läuft über Vorbilder und Erklärungen. Man kann aber auch Mengen ausmachen, die man in Ordnung findet.“

Dr. Gerd Sparrer: „Beim Thema gesunde Ernährung ist es die Aufgabe von Eltern, auch mal unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Das gehört dazu, wenn man für das Wohl des Kindes sorgt. Das heißt nicht, dass Eltern alles alleine bestimmen. Sie können ihren Kindern zum Beispiel die Möglichkeit geben, zwischen zwei oder drei gesunden und nahrhaften Lebensmitteln auszuwählen. Süßigkeiten sollten nicht tabu sein. Aber man kann sie mit kleinen Spielen etwas unattraktiver machen und die Kinder zum Beispiel Gummibärchen, wenn sie nichts anderes essen wollen, mit Messer und Gabel essen lassen – ein paradoxes, aber hilfreiches Vorgehen. Es helfen aber auch klare Ansagen: ‚Ich mag nicht, dass du die Gummibärchen isst.‘“

Wie bringt man Kindern Hygiene bei?

Inke Hummel: „Bei der Hygiene helfen klare Absprachen. Was ist das Minimum, das passieren muss? Etwa zweimal täglich Zähneputzen, vor dem Essen die Hände waschen und regelmäßig baden. In diesem Rahmen kann man dem Kind dann Wahlmöglichkeiten anbieten. Zum Beispiel, wann gebadet oder geduscht wird und ob die Zähne am Waschbecken oder im Liegen auf dem Badteppich geputzt werden. Das erhöht die Kooperationsbereitschaft.“

Gerd Sparrer: „Fest steht: Zähneputzen gehört dazu. Wenn Kinder nicht wollen, steht dahinter meist der Wunsch nach Selbstbehauptung. Eltern können darauf einmal eingehen und ausmachen, dass ab morgen wieder geputzt wird. Die Zähne gehen schließlich nicht kaputt, wenn man einmal ohne Putzen ins Bett geht. Ansonsten kann es helfen, für Spaß beim Zähneputzen, Duschen oder Händewaschen zu sorgen oder sich vom Kind zeigen zu lassen, wie toll es das alles schon kann.“

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Wie viel Medienkonsum ist in Ordnung?

Inke Hummel: „Je jünger das Kind, desto mehr sollten Eltern die Medienzeit im Auge haben und bestimmen, was geschaut wird. Familien können gemeinsam überlegen, wann die Zeit vor dem Fernseher oder vor der Konsole gut in den Tag passt – zum Beispiel in der Mittagspause oder gegen Abend. Eltern können eine Vorauswahl treffen, aus der die Kinder sich dann aussuchen dürfen, was sie sehen oder spielen möchten. Und wenn zum Beispiel vereinbart ist, dass nach 30 Minuten Schluss ist, ruhig nach 25 Minuten fragen: ‚Wann kannst du ausmachen?‘ Ab der Grundschule kann man vereinbaren, dass die Hausaufgaben fertig sein müssen, bevor es Medienzeit gibt.“

Gerd Sparrer: „Je älter die Kinder sind, desto mehr sollten sie bei diesem Thema einbezogen werden. Am besten gemeinsam besprechen und einen guten Kompromiss zur Auswahl und Dauer finden, den man mit Handschlag und eventuell sogar schriftlich besiegelt. Um zu einer Entscheidung zu kommen, ist es wichtig, dass Eltern wissen, worüber sie reden. Heißt: die Dinge schauen und mitspielen, um die es dem Kind geht, am besten auch erklären lassen. Wichtig: nicht schlechtreden, sondern die sogenannte Forscher-Perspektive einnehmen. So kann man herausfinden, was dem Kind daran so gefällt, und darüber reden.“

Sollten Kinder in die Urlaubsplanung einbezogen werden?

Inke Hummel: „Je größer die Kinder werden, desto mehr sollten Eltern sie in die Planungen einbeziehen. Sie fragen, ob sie lieber ans Meer oder in die Berge möchten, ob ihnen im Urlaub zum Beispiel ein Spielplatz in der Nähe wichtig ist. Bei Ausflügen sollte man es ernst nehmen, wenn die Kinder nicht möchten – manche sind froh, einfach mal zu Hause zu sein. Für Unterneh­mungen kann sich eine Familie auch mal aufteilen.“

Gerd Sparrer: „Kinder bei der Entscheidung über Reiseziele einzubeziehen ist schön, und natürlich soll es ihnen auch gefallen. Kinder haben oft ungewöhnliche Ideen, die sie gerne einbringen dürfen. Aber grundsätzlich ist Urlaub Elternsache. Die berücksichtigen bei der Entscheidung ohnehin die Interessen der ganzen Familie. Wenn sie etwas ausgesucht haben, sollten sie auch dazu stehen. Bei Ausflügen ist das ganz ähnlich.“

Sollten Kinder selbst über ihre Kleidung bestimmen?

Inke Hummel: „Es sollte das im Schrank sein, was Kinder kombinieren können, wie sie möchten. Und womit die Eltern leben können. Wenn es um die Frage ‚Dicke oder dünne Jacke?‘ geht, immer daran denken: Das Kind kann eine andere Wahrnehmung haben. Im Zweifel die warme Jacke mitnehmen, damit nicht alle nach Hause müssen, weil das Kind friert. Und zu Anlässen wie Hochzeiten oder Beerdigungen sollte man den Kindern erklären, welche Kleidung passend ist und dass die den Gastgebern wichtig sein kann.“

Gerd Sparrer: „In vielen Familien ist das Anziehen gerade am Morgen ein Riesenthema. Die Eltern stehen unter Strom, weil sie zur Arbeit müssen. Da gilt es, klar zu sagen, dass die Arbeit wichtig ist und man pünktlich dort sein muss. Wenn die Kinder kunterbunt oder verkleidet loswollen, kann man ein Spiel draus machen und zum Beispiel noch einen bunten Hut dazu vorschlagen oder sich selbst verkleiden. Mit Humor lassen sich manche Machtkämpfe umschiffen. Und: An solchen Übertreibungen merken Kinder oft, dass ihre Idee nicht so passend ist.“

Wie motiviere ich mein Kind zum Aufräumen?

Inke Hummel: „Hier ist für mich entscheidend: Bleiben Spielsachen und Co. auch in der Unordnung heil? Ist das Zimmer noch hygienisch und ist es so zu nutzen, wie wir es brauchen? Also: Kann ich ans Bett kommen, ohne mir die Füße zu verletzen, wenn mein Kind mich nachts braucht? Wenn das nicht der Fall ist, sind das Gründe zum Aufräumen. Das sollten Eltern mit den Kindern gemeinsam machen.“

Gerd Sparrer: „Hier kann vielleicht Übertreibung und natürlich Humor helfen. Eltern können zum Beispiel fragen, ob sie noch etwas von ihren Sachen dazutun können. Oder dem Kind vorschlagen, Wege zu bauen und das Chaos noch höher aufzutürmen. So merken Kinder, dass das nicht das Wahre ist. Und natürlich klappt auch oft das gemeinsame Aufräumen. Dabei können Eltern sich erklären lassen, was wo hingehört – das sorgt für mehr Motivation bei den Kindern.“


Quellen: