Endlich in Rente: Finanzen im Ruhestand

Wie optimiert man die Rente? Ist sie steuerfrei? Was kann man von der Steuer absetzen? Ein kleiner Wegweiser durch den Bürokratie-Dschungel.

von Silke Becker , 09.10.2018
Geld

Bald ist es so weit, die Rente naht mit großen Schritten. So mancher will schon vor dem gesetzlichen Rentenalter von 65 + x Jahren in den Ruhestand gehen. Damit der Übergang in diesen neuen Lebensabschnitt gut gelingt, müssen wichtige Entscheidungen getroffen und einige Dinge neu geregelt werden. 

Rente rechtzeitig beantragen

Die Rente wird keineswegs automatisch ausgezahlt, sobald man das gesetzliche Rentenalter erreicht. Ohne Antrag beim Rentenversicherungsträger kein Geld! Wer die Rente erst später beantragt, erhält maximal drei Monate rückwirkend Leistungen. Zum Glück verschickt die Rentenversicherung eine Info, dass man einen Antrag stellen kann.

Zur gesetzlichen Rente berät die Rentenversicherung kostenlos unter Telefon: 08 00/10 00 48 00. Infos gibt es auch unter www.deutsche-rentenversicherung.de

Endlich in Rente

Rentenabschläge ausgleichen

Wer vorzeitig in den Ruhestand gehen will, dem wird die Rente gekürzt – jeden Monat um 0,3 Prozent. Man kann aber ab dem 50. Lebensjahr freiwillig Geld einzahlen, um trotzdem die volle Rente zu bekommen. Auf Antrag berechnet die Rentenversicherung die individuell notwendige Zuzahlung.       
Rechenbeispiel  Wer bei einer Rente von 1000 € zwei Jahre früher in den Ruhestand gehen will, hätte einen Abschlag von 72 €. Um ihn auszugleichen, müsste man derzeit rund 17 600 € an den Versicherungsträger überweisen. 

Wer vorzeitig in den Ruhestand gehen will, dem wird die Rente gekürzt – jeden Monat um 0,3 Prozent. Man kann aber ab dem 50. Lebensjahr freiwillig Geld einzahlen, um trotzdem die volle Rente zu bekommen. Auf Antrag berechnet die Rentenversicherung die individuell notwendige Zuzahlung.       

Rechenbeispiel: Wer bei einer Rente von 1000 € zwei Jahre früher in den Ruhestand gehen will, hätte einen Abschlag von 72 €. Um ihn auszugleichen, müsste man derzeit rund 17 600 € an den Versicherungsträger überweisen. 

Rente und Steuern 

Frau Dr. Klocke, ist die Rente steuerfrei?
Nach dem ersten Jahr des Bezugs ermittelt das Finanzamt, inwieweit die Rente ­steuerfrei ist. Dabei handelt es sich um einen Festbetrag, der das ganze Leben lang gleich bleibt. Alle Renten­zahlungen, die über diesen Betrag hinausgehen, sind voll steuerpflichtig. Da die Rente regelmäßig erhöht wird, wachsen viele Rentner im Laufe der Jahre in die Steuerpflicht hi­nein.
Muss also jeder Rentner Steuern zahlen?
Nein, denn zusätzlich zu diesem Rentenfreibetrag ist das gesetzliche Existenzminimum von derzeit 9000 Euro pro Jahr steuerfrei. Außerdem kann der Rentner – wie jeder andere Steuerpflichtige auch – außergewöhnliche Belastungen und Ähnliches steuerlich geltend machen.
Wie gestaltet man den Übergang in den Ruhestand steuerlich optimal?
Rentner haben normalerweise ein deutlich geringeres Einkommen als Erwerbstätige und deshalb einen niedrigeren Steuersatz. Wer hohe Einmalzahlungen erwartet, etwa 
von einer privaten Renten­versicherung, sollte diese möglichst in das Jahr nach Rentenbeginn schieben, weil dadurch weniger Steuern ­anfallen. Das gilt auch für planbare Gesundheitskosten, etwa eine teure Brille, kostspielige Zahnbehandlungen, die man als außergewöhnliche Belastungen geltend machen kann. Aufgrund des niedri­geren Einkommens muss man dann einen geringeren Eigenanteil selbst tragen.
Haben Sie noch einen Tipp?
Ich empfehle, bei der Deutschen Rentenversicherung die sogenannte "Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt" ­anzufordern, die anschließend jedes Jahr automatisch kostenlos zugeschickt wird. Dort sind alle Zahlungen so aufgeschlüsselt, wie man es für das Ausfüllen der Steuererklärung braucht.

Ist die Rente steuerfrei?

Nach dem ersten Jahr des Bezugs ermittelt das Finanzamt, inwieweit die Rente ­steuerfrei ist. Dabei handelt es sich um einen Festbetrag, der das ganze Leben lang gleich bleibt. Alle Renten­zahlungen, die über diesen Betrag hinausgehen, sind voll steuerpflichtig. Da die Rente regelmäßig erhöht wird, wachsen viele Rentner im Laufe der Jahre in die Steuerpflicht hi­nein.

Muss also jeder Rentner Steuern zahlen?

Nein, denn zusätzlich zu diesem Rentenfreibetrag ist das gesetzliche Existenzminimum von derzeit 9000 Euro pro Jahr steuerfrei. Außerdem kann der Rentner – wie jeder andere Steuerpflichtige auch – außergewöhnliche Belastungen und Ähnliches steuerlich geltend machen.

Wie gestaltet man den Übergang in den Ruhestand steuerlich optimal?

Rentner haben normalerweise ein deutlich geringeres Einkommen als Erwerbstätige und deshalb einen niedrigeren Steuersatz. Wer hohe Einmalzahlungen erwartet, etwa von einer privaten Renten­versicherung, sollte diese möglichst in das Jahr nach Rentenbeginn schieben, weil dadurch weniger Steuern ­anfallen. Das gilt auch für planbare Gesundheitskosten, etwa eine teure Brille, kostspielige Zahnbehandlungen, die man als außergewöhnliche Belastungen geltend machen kann. Aufgrund des niedri­geren Einkommens muss man dann einen geringeren Eigenanteil selbst tragen.

Haben Sie noch einen Tipp?

Ich empfehle, bei der Deutschen Rentenversicherung die sogenannte „Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt“ ­anzufordern, die anschließend jedes Jahr automatisch kostenlos zugeschickt wird. Dort sind alle Zahlungen so aufgeschlüsselt, wie man es für das Ausfüllen der Steuererklärung braucht.

Dr. Isabel Klocke, Abteilungsleiterin Steuerrecht und -politik beim Bund der Steuerzahler 

Steuererklärung – das können Sie absetzen

 

  • Krankheitskosten, etwa Zahnbehandlung, Brille, Zuzahlungen. Für Fahrten zum Arzt und Ähnliches werden ohne Belege 30 Cent pro Kilometer akzeptiert.
  • Handwerkerleistungen (20% der Lohnkosten)
  • Helfer im Haushalt wie Putzfee, Hausmeister, Winterdienst, Gärtner (20% der ­Kosten). Tipp: Mieter können die entsprechenden Positionen der Nebenkostenabrechnung ansetzen
  • Pflegekosten 
  • Kosten aufgrund einer Behinderung laut Schwerbehindertenausweis
  • Unterhaltszahlungen
  • Steuerberaterkosten in bestimmten Fällen
  • Versicherungsbeiträge zu Reisekranken-, privater ­Pflegeversicherung, Unfall-, Haftpflicht-, Kfz-Haftpflichtversicherung
  • Spenden, Mitgliedsbeiträge an Parteien und manche gemeinnützigen Vereine

Sparen, wenn das Einkommen sinkt

  • Nicht mehr „für später“ sparen, sondern sich vom Ersparten etwas gönnen. „Später“ ist jetzt!
  • Ein Haushaltsbuch führen und kontrollieren, wo das Geld bleibt  
  • Abos für kaum gelesene Zeitschriften kündigen
  • Mitgliedschaft in Vereinen kündigen, wenn nicht mehr genutzt
  • Spenden an die Kirche, Parteien usw. verringern oder einstellen
  • Versicherungen überprüfen, überflüssige Policen kündigen
  • Stromtarif kontrollieren, ggf. Anbieter wechseln; uralte Haushaltsgeräte gegen Energiesparmodelle austauschen
  • Elektrogeräte nicht auf Stand-by schalten, sondern richtig ausschalten
  • Heizung nicht zu hoch drehen, Fenster nicht zum Dauerlüften auf „Kipp“ stellen
  • Auf ein kleineres, preiswerteres Automodell umsteigen
  • Prüfen, ob sich die Monatskarte für Bus und Bahn noch rechnet oder ob Einzelfahrten günstiger sind
  • Seniorenrabatte nutzen

Versicherungen: Kündigen oder nicht?

Unverzichtbar: Haftpflicht, Gebäudeversicherung (für Immobilienbesitzer)

Empfehlenswert: Hausratversicherung, Private Pflegeversicherung, Unfallversicherung, Elementarschadenversicherung (für Immobilienbesitzer), Verkehrsrechtsschutz (für Autofahrer)

Überflüssig: Glasbruchversicherung, Garantieverlängerung bei Elektrogeräten, Sterbegeldversicherung, Versicherung einzelner Dinge wie Handy, Brille, Rad, Berufsunfähigkeitsversicherung (ggf. kündigen), Kapitalbildende Lebensversicherung/Rentenversicherung (auszahlen lassen)

Fachliche Beratung: Thorsten Rudnik, Versicherungs­experte für die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein


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