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Interview: Marianne Koch

Mit dem "Senioren Ratgeber" sprach Dr. Marianne Koch über ihre Liebe zur Medizin und erzählt, warum sie sich früher für eindimensionaler hielt.

von Thomas Röbke , 18.09.2018
Marianne Koch

Senioren Ratgeber: Gehe ich recht in der Annahme, dass Sie über Ihre 70 Filme nicht viele Worte verlieren möchten? 

Marianne Koch: Ja, weil die ganze Filmerei für mich meilenweit zurückliegt. Damit aufzuhören und wieder zur Medizin zu gehen war der entscheidende berufliche Impuls in meinem Leben. 

Trotzdem sei die Frage gestattet: Welcher Ihrer Filmpartner hat Sie am meisten beeindruckt?

Umwerfend fand ich Gregory Peck.

Mit Clint Eastwood spielten Sie in "Für eine Handvoll Dollar".

Zuerst weigerte ich mich, den Film zu machen, die Handlung war mir zu blutig. Daraufhin wurde meine Gage verdoppelt. Die Dreharbeiten in Madrid und Rom waren so angenehm und nett – das war ein ganz tolles Filmteam.

Spielfilm

Ist die Marianne Koch von damals für Sie eine völlig fremde Person? 

Fremd nicht. Aber viel eindimensionaler. In ihr ist noch nichts von dem, was ich alles miterlebt, mitgemacht habe. Allein der Umgang mit Patienten hat mich unglaublich bereichert, in diese fremden Schicksale hineinzublicken, ihre psychosoziale Umgebung wahrzunehmen. Das ist ja heute unglaublich schwierig geworden, weil die Ärzte mit so viel Bürokratie belastet sind, diesem ganzen Dokumentationswahn. Die "sprechende Medizin" kommt viel zu kurz.

Wann stand für Sie fest, dass Sie Ärztin werden wollen?  

Ich erinnere mich, dass ich mit zwölf Jahren fest entschlossen war. Weil ich zwei Klassen überspringen durfte, konnte ich mit 17 Jahren mit dem Medizinstudium anfangen. Dann kam der Film dazwischen.

Sie jobbten bei einer Filmfirma, als eine Fotografin Sie ansprach…

Ja, Spielfilme waren eine gute Möglichkeit, Geld zu verdienen. Es sollte immer nur vorübergehend sein, aber dann hat es doch 20 Jahre gebraucht, bis ich zu allen Filmangeboten konsequent Nein gesagt habe!

Wollten Sie auch deshalb Ärztin werden, weil Ihr leiblicher Vater Mediziner war? Er gilt als Erfinder des flexiblen Endoskops …

Damals wusste ich noch gar nichts von ihm. Später erklärte das natürlich einiges – den eigenen Genen entkommt man nicht.

Sie haben erst kürzlich erzählt, dass Sie und Ihr jüngerer Bruder einer heimlichen Liebe entstammen. Warum so spät? 

Ich bin mit Mitteilungen aus meiner Privatsphäre äußerst zurückhaltend. Nun habe ich mich entschlossen, das zu erzählen – auch weil ich die Er­innerung an meinen Vater Rudolf Schindler wachhalten möchte. Wegen seines jüdischen Glaubens emi­grierte er 1934 in die USA. Dort traf ich ihn nach dem Krieg. Und später haben meine Eltern sogar noch geheiratet.

Ihre Mutter hat Sie und Ihren ­Bruder allein großgezogen. Was haben Sie von ihr gelernt?

Ich habe erfahren, wie wichtig es für ein Kind ist, Liebe und Anerkennung zu bekommen. Es ist ein Geschenk fürs ganze Leben.

Dr. Marianne Koch

*19. August 1931 in München

Nach ihrer Filmkarriere gehörte sie u.a. zum Rateteam von "Was bin ich?", moderierte die Talkshow "3 nach 9". Die promovierte Ärztin ist Ehrenpräsidentin der Schmerzliga.

Aus ihrer Ehe (1953 bis 1973) stammen zwei Söhne. Seit Mitte der 70er lebt sie mit dem Schriftsteller Peter Hamm am Starnberger See nahe München.

10 Jahre Klinik, 13 Jahre eigene Praxis, jede Woche „Gesundheitsgespräch“ im Radio. Sie müssen jedes Problem zigmal gehört ­haben. Wird das nicht langweilig? 

Nein, überhaupt nicht. Es ist einfach zu spannend. Ich mache die Sendung jetzt 17 Jahre. Die Fragen haben sich sehr verändert, weil die Anrufer sich oft schon im Internet vorinformiert haben. Doch oft findet sich dort der größte Unfug.  

Also sollten Patienten im Internet besser nicht recherchieren? 

Doch, es gibt seriöse Portale. Aber viele Seitenbetreiber wollen nur etwas verkaufen oder sind rein ideo­logisch bewegt.

Als Sie Ihr Medizinstudium mit 40 Jahren wieder aufnahmen, sagten Sie: „Mit 40 kann man mindestens so gut lernen wie mit 18, weil man den Stoff viel besser strukturieren kann.“  

Natürlich geht das Lernen in jungen Jahren schneller. Aber es ist nicht so, dass man später nicht mehr lernen könnte. Studien belegen: Wir müssen nicht mit den 100 Milliarden ­Gehirnzellen auskommen, die wir bei der Geburt haben, sondern auch später werden ständig neue produziert. Entscheidend ist, wie sie sich mit­einander verschalten. Lebenslang ler­nen ist das Wichtigste, damit sich die Verbindungen nicht wieder auflösen. Das schützt zwar nicht völlig vor Demenz, aber es ist schon ganz gut. Wenn man in jungen Jahren viel und ständig lernt, schützt diese ­frühe Programmierung. Wenn dann im ­Alter Gehirnzellen kaputtgehen, sind noch genug da, die einspringen ­können.

Ihr Appell wäre also: So viel lernen wie möglich? 

Ja, vor allem sich interessieren. So­zia­le Kontakte und der geistige Austausch sind sehr wichtig. Sonst kreist man immer in Schleifen, weil nichts von außen kommt, das einen zwingt, mal etwas anderes zu denken. 

Marianne Koch und Peter Hamm

Haben Sie Angst vor dem Tod?

Nein, aber vor der Zeit, die ihm vo­rausgehen könnte. Dass man gebrechlich wird und nicht mehr tun kann, was man gerne möchte.  

Das kann man sich bei Ihnen nicht vorstellen. Haben Sie ­einfach alles richtig gemacht? Oder Glück mit den Genen?

Ganz eindeutig habe ich Glück mit meinen Genen. Ich passe aber auch auf mich auf, ernähre mich vernünftig, gehe viel mit dem Hund spazieren und laufe die Treppe im Haus zigmal am Tag rauf und runter. Viel mehr kann man nicht machen, als in Bewegung zu bleiben. Das ist für die Muskeln genauso wichtig wie für die Gelenke und den Kreislauf.

Und wenn man merkt: „Oha, in den letzten 70 Jahren habe ich es schleifen lassen?“ 

... kann man immer noch anfangen, sich mehr zu bewegen. Man kann nicht alles verhindern, aber man kann es zumindest versuchen.

Wer beweist da mehr Disziplin – Frauen oder Männer? 

Da bin ich nicht sicher. Am besten funktioniert es wohl gemeinsam. Oder man verabredet sich regelmäßig mit Freunden.

Ist das auch bei Ihnen zu Hause so? 

Ich denke, es ist Bessie, unser kleiner Hund, der uns gnadenlos antreibt.

 


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