"Wer zurückschraubt, kommt besser mit dem Alter klar"

Der Schauspieler Elmar Wepper spricht über seinen Film "Grüner wird's nicht", die Beziehung zu seinem Bruder und die Liebe im Alter.

von Claudia Röttger , 23.10.2018
Film "Grüner wirds nicht"

Im Film "Grüner wird's nicht" spielt Wepper einen Gärtner.


In Ihrem neuen Kinofilm spielen Sie einen Gärtner, der kurz vor der Pleite steht. Als noch mehr Ärger droht, haut er einfach ab. Verstehen Sie Gärtner Schorsch?

Elmar Wepper: Als Schauspieler versetze ich mich in jede meiner Figuren hinein. Schorschs spontaner Handlung gehen ja einige Enttäuschungen voraus, bis ihm der Flugzeugtrip als letzte Chance erscheint.

Schorsch geht, ohne zu wissen, wohin. Das erfordert Mut zum Risiko. Wie viel Abwägen, Planen brauchen Sie im Leben?

Ich bin kein Typ für Kurzschlusshandlungen. Ich würde mich spätestens im Flugzeug fragen: Schaff ich das? Wie weit ist das? Wo lande ich?

Wäre Gärtner für Sie ebenfalls ein möglicher Beruf gewesen?

Ich liebe Garteln! Seit 25 Jahren formen meine Frau und ich voller Hingabe die Landschaft um unser Haus. Das ist viel Arbeit, die man unserem natürlichen Garten nicht ansieht.

Eigentlich wollten Sie mal Kinderarzt werden ...

Nach dem Abi bin ich zunächst als Zeitsoldat zur Bundeswehr, da hat man mehr Geld gekriegt. Das Medizinstudium erschien mir danach als zu schwer. Als es an der Münchner Uni erstmalig ein ordentliches Lehrfach für Theater gab, dachte ich mir: Das ist was für mich!

Schon als Elfjähriger jobbten Sie als Sprecher. Wie kam das?

Mein Bruder Fritz spielte damals schon Theater, bekam Sprechrollen. Er hat mich irgendwann mitgenommen. So habe ich mir mein Taschengeld aufgebessert und konnte mir mit 15 das erste Fahrrad leisten.

Erst mit 64 würdigte die Filmbranche Ihr Können mit einem Preis. Gibt einem das ein Gefühl der Genugtuung?  

Natürlich hat es mich gefreut, aber nicht im Sinne einer Bestätigung. Ein paar Schauspieler haben erst im Alter Karriere gemacht. Wenn die richtigen Rollen kommen, funktioniert das. Männer haben es da sicher leichter als die Kolleginnen.

Bei den Weppers gibt es kein Konkurrenzdenken, sagen Sie. Ungewöhnlich unter Brüdern ...  

Unsere Bruderliebe ist trotz der üblichen Hackeleien so geartet, dass
man sich auch freuen kann für den anderen.

Ihre Mutter zog Sie und Ihren Bruder Fritz alleine groß.   

Meine Kindheit war von einer nicht enden wollenden Fürsorge und Liebe geprägt. Mutti hat ihr Leben uns gewidmet. Wenn Probleme auftraten, passte kein Blatt zwischen uns drei.

Ihr Vater starb als Soldat, als Sie zwei waren. Wie stark war später der Wunsch zu wissen, wer er war?

Als Kind fehlte mir mein Vater nicht. Erst seit ich selber einen Sohn habe, weiß ich, wie wunderbar es ist, einen Vater zu haben. Später sind wir nach Polen gereist und haben versucht herauszufinden, wo genau mein Vater in Russland erfroren ist.

Wie sah die Straße der Kindheit aus?

Wir spielten auf der Wiese Fußball, sammelten Himbeeren und Pilze im benachbarten Hirschgarten, Autos gab es kaum. Vom ersten Stock, wo wir wohnten, sah man die Alpen.

Das ganze Leben in München. Weit sind Sie nicht gekommen ...

Ich bin viel gereist in meinem Leben. In München geblieben zu sein bereue ich überhaupt nicht.

Sie spielen im Fernsehen oft den Paradebayern. Wie viel Bayer steckt in Elmar Wepper?

Ich habe zwar eine Tracht zu Hause, aber ich mag dieses Berufsbayertum, dieses "Mir san mir" nicht und trage auch keine bayerische Sonnenbrille.

Immerhin sind Sie seit Jahrzehnten Mitglied beim FC Bayern.

Seit 1954! Fußball ist der Sport meiner Kindheit. Ich liebe die Bayern, die Landschaft, die Leute, das Essen, den Dialekt. Nur übertreiben mag ich halt nicht.

Und Sie sind Fliegenfischer, auch was mit bayerischer Tradition ...

Fliegenfischen kann man nicht nur in Bayern. Für mich ist es die edelste Art des Fischens: Dem Fisch tut es nicht weh, der Köder ist eine Trockenfliege, die man selbst bastelt, und man braucht eine gute Technik. Es dauert Jahre, bis man es kann.

Sie gelten als begeisterter Koch. Wer steht bei Ihnen zu Hause öfter am Herd, Sie oder Ihre Frau?

Beide gleich viel. Anita kocht besser, kreativer. Ich bin mehr der Rezeptkocher. Neue Rezepte lesen liebe ich.

Ihr Glück zu zweit haben Sie erst spät gefunden. Wie anders ist die Liebe mit 20 als mit 60?

Mit 20 weiß man nichts von sich, geschweige denn vom anderen. Liebe und Triebe mischen sich stärker. Obwohl ich nie der war, der permanent auf dem Sprung war. Da kommt meine generelle Vorsicht zum Vorschein.

Was muss man tun, damit eine Beziehung bis ins hohe Alter hält?

Banale Dinge, die letztlich doch nicht so banal sind: Respekt vor dem anderen behalten, achtsam sein, sich versöhnen können. Dümmliche Verstimmheiten kosten zu viel Energie. Nach einem Streit fragen Anita und ich einander sofort "Ist wieder gut?" und nehmen uns in den Arm. Das funktioniert wirklich.

Wie gehen Sie mit dem Älterwerden um?

Manche haben Mühe damit, etwas zurückzuschrauben. Doch wenn man das tut, kommt man besser mit dem Alter und seinen Zipperlein klar.

Was würden Sie im Rückblick anders machen in Ihrem Leben?

Ich bin zufrieden, wie es ist. Vielleicht hätte ich mir nur ein oder zwei Zacken mehr Mut gewünscht.


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