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Altersgerecht Wohnen: Umziehen oder bleiben?

Wenn das geliebte Zuhause zu groß wird, leiden viele Senioren still. Wer offen ist für neue Ideen, findet oft gute Lösungen.

von Silke Becker, 06.04.2019
Zwei Hände mit zwei unterschiedlich großen Häusern

"Es ist immer so still, ich hätte gerne mehr Leben in der Bude"

Warum nicht im Alter (wieder) in einer WG leben? Klar, die Chemie muss stimmen, und ohne Toleranz und gegenseitige Rücksichtnahme geht es nicht. Schließlich tickt jeder anders, etwa beim Tagesrhythmus, Kochen, Putzen … Ob das Zusammenleben wirklich klappt, merkt man meist erst im Alltag. Deshalb ist eine Probezeit im Untermietvertrag sinnvoll, in der der neue Bewohner noch seine bisherige Wohnung behält. Geeignete WG-Partner findet man im Bekanntenkreis, über Kleinanzeigen oder einen Aushang am Schwarzen Brett der Gemeinde, des Seniorentreffs, Sportvereins oder Supermarkts, sowie im Internet, etwa unter www.pluswgs.de.

"Bei mir steht ein Zimmer leer. Damit würde ich gerne etwas Sinnvolles machen"

Die Behörden suchen nach wie vor Unterkünfte für Flüchtlinge, auch möblierte oder unmöblierte Zimmer zur Untermiete für Einzelpersonen. Das erleichtert die Integration der Flüchtlinge und bereichert den Gastgeber durch den Kontakt mit fremden Kulturen. Die Miete übernimmt in den meisten Fällen das Sozialamt. Ansprechpartner sind das Sozial- oder Wohnungsamt, Flüchtlingsinitiativen oder das vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung geförderte Projekt "Flüchtlinge willkommen" (Tel. 030/52 66 61 30, www.fluechtlinge-willkommen.de).

"Ich habe alleine in der großen Wohnung oft Angst, vor allem nachts"

Wer keine Lust auf ein enges Zusammenleben in einer WG hat, kann ein Zimmer an Studenten, Azubis oder junge Berufstätige vermieten. Sie führen ihr eigenes Leben, aber trotzdem ist jemand im Haus. Gerade in Ballungsgebieten suchen viele junge Leute, auch Berufstätige, dringend nach einer Unterkunft. Angebote stellt man am besten ins Internet, etwa bei www.wg-gesucht.de, www.studenten-wg.de, www.wg-suche.de.

"Ich bin nicht pflegebedürftig, hätte aber trotzdem gerne manchmal etwas Hilfe"

In vielen Universitätsstädten gibt es das Projekt "Wohnen für Hilfe". Der Senior vermietet ein Zimmer an einen Studenten. Dieser zahlt die Nebenkosten, aber keine oder eine geringe Miete. Im Gegenzug erledigt er einfache Arbeiten im Haushalt und Garten (keine Pflege). Faustregel: eine Stunde Hilfe pro Monat für jeden Quadratmeter Wohnfläche. Wichtig: Versicherungsschutz klären! Mehr Info unter www.wohnenfuerhilfe.info. Ist der eigene Wohnort dort nicht aufgelistet, kann man auch beim örtlichen Studentenwerk nachfragen oder einen Aushang an der Uni machen. Ein Versuch lohnt sich auch bei Online-Kleinanzeigen oder spezialisierten Anbietern wie www.mitwohnen.org. oder www.pluswgs.de.

Tipps zum Untermietvertrag

  • Ein schriftlicher Vertrag ist ratsam (Vordrucke etwa im Schreibwarenhandel). Auch eine Kaution ist sinnvoll (max. drei Monatsmieten).
  • Sie sind nicht der Eigentümer? Erst den Vermieter fragen! Die Zustimmung ist meist eine Formsache, wenn der Mieter ein "berechtigtes Interesse" hat, etwa finanzielle Gründe.
  • Mieteinnahmen gehören in die Steuererklärung. Miete ist weitgehend frei bestimmbar, auch höher als Zimmeranteil an Gesamtmiete.
  • Das Zimmer des Mitbewohners darf man nicht ungefragt betreten, außer in Notfällen.
  • Bad und Küche darf der Untermieter jederzeit beliebig nutzen. Auch Besucher mit Übernachtung sind erlaubt, nicht aber Dauergäste!
  • Der Vermieter braucht bei WGs keinen Kündigungsgrund. Fristen einhalten!

"Ich mag niemand Fremden im Haus haben, aber mehr Kontakt wäre schön"

Bei Hausgemeinschaften hat jeder eine eigene, abgeschlossene Wohnung, aber trotzdem unternehmen die Bewohner vieles gemeinsam. Oft sind solche Projekte als Genossenschaften organisiert. Wer sich dafür interessiert, sollte sich im Bekanntenkreis umhören und die Presse aufmerksam verfolgen – so bekommt man oft schon mit, wo es etwas gibt. Mehr Infos und konkrete Projekte findet man auch unter www.verein.fgw-ev.de oder unter www.wohnprojekte-portal.de. Manchmal muss man sich aber auch nur einen kleinen Ruck geben und aktiv auf andere zugehen. Warum nicht mal mit der sympathischen Nachbarin einen Kaffee trinken oder der alleinerziehenden Mutter Hilfe bei der Kinderbetreuung anbieten?

"Mir wird das zu viel. Ich habe keine Lust mehr, alles zu pflegen"

Wenn die Hilfe von Putzfee und Gärtner nicht mehr genügt, ist der Umzug in eine kleinere Immobilie oft die beste Lösung. Wichtig: Das neue Heim sollte altersgerecht sein, damit man lange selbstständig bleibt. Wohnberater erklären, was es dabei zu beachten gilt. Oft fällt die Entscheidung schwer, weil man sich von vielen Dingen trennen muss, wenn man weniger Platz hat. Nur Mut! Viele Senioren fühlen sich hinterher befreit, weil sich im Lauf der Jahre oft viel Ballast angesammelt hat.

"Für eine kleinere Wohnung würde ich sogar mehr Miete zahlen als jetzt"

Wer sich verkleinert, spart gerade in Städten tatsächlich meist kaum Miete – bekommt aber oft eine modernere und barrierefreie Wohnung. Vielleicht klappt ein Wohnungstausch mit einer jungen Familie, die mehr Platz braucht. Tauschpartner finden sich über Bekannte, einen Aushang an einem Schwarzen Brett, bei Online-Kleinanzeigen, manchmal über Online-Tauschbörsen wie www.tauschwohnung.com.

"Ich will die Immobilie für die Kinder erhalten"

Eines der Kinder soll später ins elterliche Eigenheim ziehen? Der Nachwuchs hegt oft andere Pläne. Bei mehreren Geschwistern haben zudem alle einen rechtmäßigen Erbanspruch, und nicht jeder Hauserbe kann die Geschwister auszahlen. Deshalb ist es gut, in Ruhe mit den Kindern zu besprechen, was mit der Immobilie geschehen soll. Manchmal ist es sinnvoll, das Eigenheim zu Lebzeiten an sie zu übertragen und ein lebenslanges Wohnrecht oder den umfassenderen Nießbrauch an der Immobilie zu vereinbaren. Mitunter kann es günstiger sein, wenn der Senior die Immobilie verkauft und den Kindern später das Geld vererbt. Einen Fachanwalt für Erbrecht hinzuziehen!

"Eigentlich müsste man umbauen, aber der Schmutz und dann noch die Kosten ..."

Auch wenn Veränderungen lästig sind: Oft ist der Aufwand viel geringer als gedacht. Und danach hat man spürbar mehr Lebensqualität und eine altersgerechte Immobilie, in der man auch in Zukunft selbstständig leben kann. Bei der Finanzierung von Umbauten unterstützt die Kreditanstalt für Wiederaufbau mit zinsgünstigen Krediten und attraktiven Zuschüssen (mehr unter www.kfw.de, kostenfreie Servicenummer 08 00/5 39 90 02). Zusätzlich fördern auch die Bundesländer (Recherche unter www.baufoerderer.de). Übrigens: Wer pflegebedürftig ist, kann von der Pflegekasse bis zu 4000 Euro für notwendige Umbaumaßnahmen bekommen.

"Ich will nicht ausziehen, aber meine Rente ist sehr niedrig, und die Immobilie ist mein einziges Vermögen"

Im Prinzip gibt es zwei Modelle: die Umkehrhypothek und die Leibrente. Bei Ersterer fällt das Haus erst nach dem Tod an den Geldgeber, meistens eine Bank. Allerdings wird dieses Modell in Deutschland praktisch nicht mehr angeboten. Bei der Leibrente wird das Haus sofort an den neuen Besitzer überschrieben. Dieser muss im Gegenzug eine lebenslange Rente zahlen. Solche Leibrenten sind nur in bestimmten Einzelfällen sinnvoll. Unbedingt vorher neutral beraten lassen, etwa bei der Verbraucherzentrale. Vorsicht vor unseriösen Angeboten! Andernfalls ist im schlimmsten Fall nicht nur das Haus weg, sondern auch die vereinbarte Zusatzrente, wenn der Anbieter pleitegeht.

Wohnberater finden:

Wohnberater kommen ins Haus und erklären, wie die Wohnung bedarfsgerecht gestaltet werden kann. Die Entscheidungen trifft aber immer der Senior selbst. Eine Internetrecherche mit den Suchworten "Wohnberatung" plus Wohnort führt meist schon zum Erfolg. Auch die örtlichen Seniorenberatungen oder Pflegestützpunkte kennen meist die richtigen Ansprechpartner. Eine Wohnberatung, die von der Gemeinde oder von sozialen Trägern durchgeführt wird, erfolgt üblicherweise kostenlos. Achtung, es gibt auch kostenpflichtige kommerzielle Anbieter, deshalb immer nachfragen!


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