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Was tun bei Wadenkrämpfen?

Sie rauben einem den Schlaf: Nächtliche Krämpfe in den Waden. Warum es oft dauert, bis die Ursache der schmerzhaften Beschwerden gefunden ist und was hilft

von Nadja Katzenberger, aktualisiert am 20.08.2019
Kraempfe in den Waden

Wadenkrämpfe: Lassen einen nachts plötzlich aufschrecken


Plötzlich schmerzt das Bein, die Muskeln sind hart wie Stein, die Zehen krümmen sich zusammen, sogar für Minuten. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. "Grundsätzlich können Krämpfe an allen Muskeln auftreten, die Wade ist aber ein sehr großer Muskel und daher häufig betroffen", sagt Dr. Rainer Lindemuth, Neurologe aus Siegen. Er hat an der Leitlinie  zur Behandlung von Muskelkrämpfen mitgearbeitet und kann beruhigen: "Wadenkrämpfe sind in aller Regel kein Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung, da muss man sich keine Sorgen machen."

Akut hilft es, die Wade zu dehnen und gegen die Verkrampfung zu arbeiten: also aufstehen, herumlaufen und fest auftreten oder mit der Fußsohle gegen die Wand drücken. Eventuell helfen Dehnübungen auch vorbeugend, überzeugende Studien gibt es dazu allerdings nicht.

Mögliche Auslöser: Arznei, Flüssigkeitsmangel oder Restless Legs

Ältere Menschen leiden häufiger unter Muskelkrämpfen, schrecken öfter nachts hoch. Die Ursachen für schlafraubende Krämpfe sind unterschiedlich. Immer wichtig: der Blick auf die Medikamente, die der Patient täglich einnimmt. Nicht wenige können Muskelkrämpfe begünstigen, zum Beispiel manche Mittel gegen Bluthochdruck, Cholesterinsenker oder Antidepressiva. Bei einem solchen Verdacht sollten Patienten ihre Arzneien trotzdem nicht eigenmächtig absetzen, sondern erst mit dem behandelnden Arzt darüber sprechen.

Auch Flüssigkeitsmangel oder fehlende Mineralstoffe wie Magnesium sind manchmal die Ursache von Krämpfen. Sportler kennen das: Wenn sie sich zu sehr verausgaben und nicht genug trinken, machen die Muskeln dicht. "Viele Patienten berichten, dass ihnen Magnesium hilft – Studien konnten das allerdings nicht bestätigen ", sagt Rainer Lindemuth.

"Der Magnesium-Haushalt wird eigentlich über die Niere sehr gut reguliert, einen Mangel kann es daher nur bei Nierenproblemen geben. Das sollte man unbedingt abklären", ergänzt Professor Roman Haberl, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Klinikum München-Neuperlach.

Ob Mineralstoffe fehlen, zeigt ein Blutbild. Es gehört sowieso zur Diagnose, denn an den Blutwerten kann der Arzt auch ablesen, ob ein anderes Problem dahintersteckt. Dieses kann darin bestehen, dass im Alter oft Nervenstörungen auftreten, sogenannte Polyneuropathien. Denn der Krampf entsteht nicht im Muskel selbst, sondern wird im Nerv ausgelöst.

Die Restless Legs, die "unruhigen Beine", verursachen ebenfalls Schlafstörungen und belasten die Betroffenen sehr. Auch andere Nervenleiden, Diabetes oder Durchblutungsstörungen in den Beinen sowie ein Eisenmangel kommen als Ursache für die Beschwerden infrage, so Neurologe Haberl. Und danach richtet sich die Therapie.

Einfache Schlafveränderungen helfen oft schon

Auch für Wadenkrampf-Geplagte gibt es einen Wirkstoff, der sehr gut hilft – jedoch umstritten ist. Chininsulfat stammt aus der Malaria-Therapie, es wirkt aber auch bei Muskelkrämpfen. Allerdings kann es in seltenen Fällen starke Nebenwirkungen wie Gerinnungsstörungen, Tinnitus oder Herzrhythmusstörungen auslösen. Die FDA, die Gesundheitsbehörde der USA, hat wiederholt vor Chinin-Präparaten gewarnt, in Ländern wie Australien oder Neuseeland sind sie für die Behandlung nächtlicher Wadenkrämpfe nicht mehr zugelassen. In Deutschland sind die Mittel seit Frühjahr 2015 verschreibungspflichtig. "Chinin hilft sehr gut, wenn die Patienten sehr stark unter den Krämpfen leiden und sich keine andere Ursache finden lässt – dann muss man es aber langfristig nehmen", sagt Neurologe Lindemuth. Er rät Patienten, sich auf jeden Fall beim Arzt durchchecken zu lassen, wenn die Muskelkrämpfe seit Langem und sehr häufig auftreten.

Nicht selten aber bereiten einfache Veränderungen den Krämpfen ein Ende: zum Beispiel indem man auf die Schlafposition achtet, nicht ein Bein über das andere legt oder die Spitzfußstellung vermeidet, bei der die Ferse nicht aufliegt und die Muskulatur in der Wade sich verkürzt. Das kann passieren, wenn man auf dem Bauch schläft oder eine schwere Decke den Fuß nach unten drückt. Auch auf Kälte reagieren die Muskeln oft empfindlich. Eine warme, aber leichte Decke kann da die Nachtruhe schon erheblich verbessern.


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