Aneurysma: "Vor allem Männer sind betroffen"

Aussackungen der Bauchschlagader können lebensgefährliche Folgen haben. Gefäßspezialist Markus Steinbauer spricht sich deswegen für mehr Kontrolluntersuchungen aus
von Petra Haas, 23.11.2016

Professor Markus Steinbauer leitet die Klinik für Gefäßchirurgie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Regensburg

W&B/Jens Wegener

Herr Professor Steinbauer, Sie setzen sich dafür ein, dass Ältere ihre  Bauchschlagader mit Ultraschall untersuchen lassen. Weshalb?

Etwa 200.000 Deutsche ab 65 haben eine gefährliche Aussackung der Bauchschlagader.

Merkt man selbst nichts davon?

Die überwiegende Mehrheit der Betroffenen spürt davon nichts. Nur sehr wenige klagen über diffuse Rücken- oder Bauchschmerzen.

Warum ist eine erweiterte Bauchschlagader gefährlich?

Je nach Schweregrad kann das erweiterte Gefäß plötzlich platzen. Hierfür reicht schon ein Husten oder eine kleine Blutdruckspitze beim Fußballschauen. Dann besteht große Gefahr, innerlich zu verbluten. Für etwa 80 Prozent der Patienten, die es zwar noch in die Klinik schaffen, kommt leider jede Hilfe zu spät.

Wie kommt es zu dieser Gefäßveränderung?

Das Alter und die damit einhergehende Arteriosklerose gilt als wichtigster Risikofaktor. Auch jahrelang unbehandelter Bluthochdruck sowie Rauchen begünstigen das Gefäßproblem. Daneben spielen ein schwaches Bindegewebe und eine familiäre Veranlagung eine Rolle. Männer sind sechsmal häufiger betroffen als Frauen.

Wer sollte sich checken lassen?

Ich würde jedem Mann ab 65 Jahren dazu raten. Ebenso Frauen, wenn sie jahrelang geraucht haben, sowie allen, in deren Familie bereits ein naher Verwandter ein solches Bauchaortenaneurysma hatte.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Mit dem Schallkopf fährt der Arzt den Bauch ab, von der Höhe des Brustbeins bis hinunter zur Leiste. Dabei misst er den Durchmesser des Gefäßes. Das dauert nur wenige Minuten. Beträgt der Durchmesser zwei Zentimeter oder weniger, ist alles gut. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Senior im Laufe seines Lebens noch eine Aussackung erleidet, geht gegen null. Ein weiterer Check ist dann nicht mehr nötig.

Wie geht es sonst weiter?

Eine kleinere Aussackung bei Männern von etwa drei Zentimetern sollte überwacht werden. Beträgt sie fünf Zentimeter oder mehr, raten Ärzte zu einem vorsorglichen Eingriff.

Welche Eingriffe gibt es?

Gute und langjährige Erfahrungen gibt es bei der offenen Operation. Unter Vollnarkose öffnen Ärzte die Bauchhöhle und nähen in den betroffenen Abschnitt eine Gefäßprothese ein. Eine örtliche Betäubung reicht dagegen beim endovaskulären Verfahren. Dabei schiebt der Arzt über die Leiste eine stabilisierende Prothese in das Areal.

Welche Methode kommt für wen infrage?

Das hängt vom körperlichen Zustand und von Vorerkrankungen ab. Ein 80 Jahre alter Mann, der fit ist, übersteht dank schonender Narkoseverfahren eine offene Operation oft sehr gut. Wer bereits Probleme mit dem Herzen oder der Lunge hat, dem rate ich eher zu einem Stent. Für stark Gebrechliche ist ein Zuwarten manchmal besser als ein Eingriff, der immer mit gewissen Risiken verbunden ist.

Derzeit denken Experten über eine Bauchschlagader-Reihenuntersuchung nach. Wo kann ich mich jetzt schon checken lassen?

Ältere sollten sich an ihren Hausarzt wenden. Immer mehr sind im Umgang mit Ultraschall gut geschult und können die Bauchschlagader etwa im Rahmen des Gesundheits-Check-ups untersuchen. Bei Auffälligkeiten sollte aber ein Gefäßspezialist hinzugezogen werden.


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