Klinik-Alternativen: Ambulant vor stationär

Ambulante Operationen, Tagesklinik, ambulante oder mobile Reha: Oft gibt es für Patienten Alternativen zu einem längeren Aufenthalt im Krankenhaus
von Kai Klindt, 15.02.2017

Schneller daheim: Eine ambulante Operation erspart einen längeren Krankenhausaufenthalt

Getty Images/E+

1. Ambulante Operationen

Mal kurz in den OP: Wer sich ambulant unters Messer legt, ist oft schon am frühen Nachmittag wieder daheim. Nicht aus dem vertrauten Umfeld gerissen zu werden kann gerade für Senioren ein Argument sein. Auch das Risiko, sich eine Infektion mit einem Klinikkeim einzufangen, ist vermutlich geringer – Daten gibt es dazu aber noch nicht.    

In guter Obhut: Am besten lässt man sich nach der Operation von einem Angehörigen abholen – so erfährt dieser, was der Arzt bei der Entlassung zu sagen hat. Zu Hause sollte der Patient bis zum nächsten Morgen nicht allein sein. Für alle Fälle bekommt der frisch Operierte oft die Handy-Nummer des Arztes.

Vieles geht: Selbst eine Vollnarkose ist heute ambulant machbar. Die häufigsten Eingriffe: Operationen an der Hand, den Venen, den Augen, den Gelenken und der Haut.

Doch in die Klinik? In vielen Fällen sehen die Kranken­kassen einen ambulanten Eingriff vor. Bei erhöhtem Risiko – etwa durch eine Herzschwäche oder eine Therapie mit Blutverdünnern – bleibt aber mitunter nur eine stationäre Behandlung.

Fachliche Beratung: Dr. Ralph Lorenz, Chirurg, Berlin; Dr. Axel Neumann, Chirurg, München

2. Ambulante Reha

Eng getaktet: Pro Tag hat der Patient meist zwischen vier und sechs Stunden Programm, in der Regel über drei Wochen. Anlass ist häufig eine ernste Erkrankung oder eine vorangegangene Operation.

Für Herz und Hüfte: Verbreitet ist die ambulante Reha beispielsweise bei Herz- und Gefäßerkrankungen sowie bei Gelenk- und Rückenleiden.

Wann in die Klinik? Die Kasse gibt der ambulanten Reha zwar den Vorzug, sofern es in Reichweite des Patienten ein geeignetes Rehazentrum gibt. Medizinische Gründe können aber den Ausschlag für eine stationäre Reha geben: wenn zum Beispiel die Krankheit kompliziert ist – etwa bei einem schweren Schlaganfall – oder wenn der Patient schlecht beieinander ist.

Fachliche Beratung: Monika Frank-Zierer, Reha-Medizinerin, Landshut

3. Mobile Reha

Krankengymnastik im Wohnzimmer: Mobile Rehabilitation heißt, dass der Patient im Wechsel Besuch von den Mitarbeitern des Rehateams bekommt. Dazu zählen beispielsweise Physio- und Ergotherapeuten, Reha-Pflegekräfte, Ärzte, Logopäden, meist auch Wohnraumberater und Sozialarbeiter.

Mitten im Leben: Der Patient übt zu Hause, wie er zum Beispiel am besten vom Rollstuhl in das Bett kommt oder sich trotz Handicap eine Mahlzeit zubereitet. Hilfsmittel wie Gehstützen werden vor Ort angepasst. Die Therapeuten binden auch Angehörige ein. Die mobile Reha gilt daher als praxisnah – Studien vergeben gute Noten.

Für 70 plus: Die häufigste Variante ist die mobile geriatrische Rehabilitation. Sie kann etwa nach einem Klinikaufenthalt oder auf Verordnung des Hausarztes erfolgen. Die Krankenkasse muss zustimmen – und tut dies in der Regel nur, wenn andere Formen der Reha nicht sinnvoll sind, etwa weil der Patient auf sein häusliches Umfeld angewiesen ist.

Fachliche Beratung: Dr. Norbert Kusche, Reha-Mediziner, Bad Kreuznach

4. Tagesklinik

Mit Visite, aber ohne Bett: Verpflegung, Röntgenchecks, Therapien – die Tagesklinik funktioniert wie ein Krankenhaus, nur dass der Patient abends und am Wochenende daheim ist. 

Überschaubar: Tageskliniken sind oft klein – typischerweise mit acht bis zwölf Plätzen – und meist auf Patienten mit bestimmten Krankheiten zugeschnitten: in der Onkologie etwa auf einzelne Krebsleiden, in der Rheumatologie auf entzündliche Gelenkerkrankungen, in der Gerontopsychiatrie auf Depressionen im Alter. Die Behandlung kann wenige Tagen dauern, aber auch mehrere Wochen. Der Patient braucht eine Einweisung vom Arzt.

Wann besser vollstationär? Zum Beispiel bei größerem Pflegeaufwand – oder wenn der Patient fortlaufend ärztliche Überwachung benötigt.

Fachliche Beratung: Dr. Arnd Hill, Psychiater, Lüneburg; Professor Herbert Kellner, Internist, München


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